Kahler Harz dank Borkenkäfer

Holz: Preisexplosion gestoppt – schon 2022 droht neuer Ärger

Der Holzmarkt entspannt sich. Nach dem Hoch im Frühjahr haben sich die Preise gefestigt. Ab Januar könnte es wegen Russland wieder teurer werden.

Im Frühjahr war Bauen mit Holz fast schon purer Luxus. Die Preise kletterten in astronomische Höhen - wenn es denn welches gab. Lieferzeiten von mehreren Monaten waren normal. Teilweise war Holz ein begehrtes Diebesgut. Seit Juli zeigt sich nun eine gegenteilige Entwicklung: Die Nachfrage für Nadelschnittholz ist aufgrund von hohem Lagerbestand bei Handel und Verarbeitern deutlich gesunken, schreibt die Deutsche Säge- und Holzindustrie. Bauunternehmen und Handwerker kommen wieder zu normalen Preisen und zeitnah an Bauholz.

Kiefer (für den Export)53 - 80 Euro/Festmeter (Stand 15. Oktober)
Fichte (für den Export)70 - 94 Euro/Festmeter
Eiche (für den Export)200 - 255 Euro/Festmeter
Fichte (Brennholz)15 - 25 Euro/Raummeter

Mit der aktuellen Entspannung könnte ab Januar schon wieder vorbei sein. Russland verbietet ab dann den Export des Rundholzes. Laut der Seite Baufi-Nord will Putin die russische Holzindustrie stärken und nicht nur das Rohmaterial liefern. Größter Abnehmer dieses Holzes ist bislang China. Wenn dieser Lieferant nicht mehr zur Verfügung steht, muss sich China neue Quellen suchen. Sollte die Nachfrage steigen, dann könnten die gleichen Effekte eintreten wie im Frühjahr.

Sollte China statt der unverarbeiteten Stämme künftig weltweit Schnittholz importieren, dann wäre Russland wieder mit im Boot. Das Exportverbot gilt nur für Rundholz, einfach gesagt für Stämme und nicht für Schnittholz.

Im Harz liegen viele gefällte Fichten zum Abtransport bereit.

Eine weitere unbekannte Größe ist: Wie schnell erholt sich die chinesische Bauwirtschaft aus der Krise? Der Immobilienkonzern Evergrande als ein Treiber des chinesischen Immobilienbooms, ist quasi pleite. Die kürzlich gezahlten ausstehende Zinsen auf Anleihen im Ausland bedeuteten ein vorläufiges Abwenden der Insolvenz. Sollten die Chinesen als Lehre aus der Krise auf die Bau-Bremse treten, hätte dies vermutlich Auswirkungen auf den deutschen Holzpreis.

Die großen Preisschwankungen und Nachfragen beschäftigen auch die Deutsche Säge- und Holzindustrie (DeSH). „Das Hin und Her zwischen den Nachfrageextremen schadet der Branche langfristig“, sagt DeSH Präsident Jörn Kimmich. Und weiter: „Ganz oben auf der Agenda steht die Holzverfügbarkeit für den heimischen Holzbau, ohne die die Klimaneutralität des Gebäudesektors nicht erreicht werden wird.“

Holz: Harz stark vom Borkenkäfer betroffen

Ein großer Holzproduzent ist der Harz. Dort liegt tonnenweise Holz in großen Lagern am Straßenrand. Nahezu alle Stämme sind Opfer des Borkenkäfers. Betroffen sind überwiegend Fichten. Aufgrund der Borkenkäfer-Plage uns Stürmen gibt es im Harz so viel Holz, dass es schwer ist, einen Abnehmer zu finden.

Ein Großteil der vom Sturm gefällten Bäume aus dem Jahr 2018 liegt immer noch im Harz. Sie wurden eingelagert, weil der Holzpreis aufgrund des vielen Sturmholzes zu niedrig war. Üblicherweise geben die Landesforsten ihr Holz für 80 bis 100 Euro pro Kubikmeter ab. Zeitweise habe der Preis aber bei 35 Euro gelegen.

Die Auswirkungen der Stürme und Borkenkäger-Plage sind an vielen Stellen deutlich zu sehen. Kahle Stämme zieren den Harz. Insgesamt seien 25.000 Hektar praktisch tot. „Wir haben seit vier Jahren keine gesunde Fichte mehr gefällt“, berichtet Michael Rudolph, Sprecher bei den Niedersächsischen Landesforsten. Normalerweise liege der Anteil an Schadholz bei 5 bis 15 Prozent. 4,4 Millionen Kubikmeter Holz, vor allem Fichtenholz, seien in den vergangenen Jahren wegen der Käferplage und wegen Sturms bereits geerntet worden.

Bis zu 15 Prozent des Holzes im Export

Bleibt die Frage: Was passiert mit den Unmengen an Holz - und warum scheint es im Handel so knapp zu sein? Rund 10 bis 15 Prozent des gefällten Holzes geben die Landesforsten in den Export. „Vor allem die besonders langen Stämme landen im Container“, sagt Rudolph. Der Großteil des Holzes - Baumstämme von 5 bis 18 Metern Länge - geht an die Sägeindustrie. Dort wird aus dem sogenannten Rundholz Industrieholz, also etwa Dachlatten. Das übrige Holz wird zu Dämmstoff oder Papier verarbeitet.

Die größten Abnehmer im Export waren im Juni 2021 andere EU-Staaten sowie das Vereinigte Königreich mit 59 Prozent, gefolgt von den USA (23 Prozent), die den Import von deutschem Holz zuletzt gesteigert hatten. Der Anteil chinesischer Bestellungen sank auf noch gut 4 Prozent.

Insgesamt habe im ersten Halbjahr 2021 eine Rekordmenge an Holz in Deutschland zur Verfügung gestanden. Aufgrund der großen Mengen an Käferholz habe die Industrie in den letzten drei Jahren unter Vollauslastung gearbeitet, schreibt die DeSH. Insgesamt wurden im vergangenen Jahr 25,1 Millionen Kubikmeter produziert, gegenüber 23,3 Millionen in 2019. (Mit Material von dpa) * kreiszeitung.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Klaus-Dietmar Gabbert / dpa

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Meistgelesene Artikel

Corona-Inzidenz an Schulen explodiert auf 4000: Eltern schlagen Alarm

Corona-Inzidenz an Schulen explodiert auf 4000: Eltern schlagen Alarm

Corona-Inzidenz an Schulen explodiert auf 4000: Eltern schlagen Alarm
Omikron-Symptome an Nägeln und Haut weisen auf Corona-Infektion hin

Omikron-Symptome an Nägeln und Haut weisen auf Corona-Infektion hin

Omikron-Symptome an Nägeln und Haut weisen auf Corona-Infektion hin
Omikron-Symptome: Diese Anzeichen sprechen für Corona-Infektion

Omikron-Symptome: Diese Anzeichen sprechen für Corona-Infektion

Omikron-Symptome: Diese Anzeichen sprechen für Corona-Infektion
Nach Pleite von Stromio zieht EWE Kosten für Verbraucher an

Nach Pleite von Stromio zieht EWE Kosten für Verbraucher an

Nach Pleite von Stromio zieht EWE Kosten für Verbraucher an

Kommentare