Bauen und tanken ist teuer

Benzinpreise schießen in die Höhe: Holz, Heizöl und Getreide ebenfalls

Im Vergleich zum Vorjahresmonat steigen Preise für Benzin, Holz und Getreide um 10,7 Prozent. Die Auswirkungen auf Bauen und Tanken sind immens.

Hannover – Holz ist das neue Gold – könnte man meinen, wenn man sich die aktuellen Preise so anschaut. Aufgrund der großen internationalen Nachfrage schnellen die Rohstoffpreise aktuell in kaum für möglich gehaltene Höhen. USA und China sind die größten Preistreiber, weil sie mehr für das Holz zahlen. Viele Baustoffhändler in Niedersachsen haben entsprechend Lieferprobleme und leere Regale.

Preis Heizöl 12.7.202042,24 Euro / 100 Liter
18.12.202055,78 Euro
2.1.202156,18 Euro
30.6.202168,66 Euro Quelle: heizoel24.de

Es ist schon bizarr. Die Auftragsbücher der Handwerksbetriebe in Niedersachsen sind voll und trotzdem müssen einige von ihnen Kurzarbeit beantragen. Der Grund: Es fehlt Material. Wenn es Baustoffe gibt, dann sind sie deutlich teurer als kalkuliert. Bei einem Festpreis stecken die Handwerksbetriebe im Dilemma. Denn die neuen Preise können nicht einfach an den Kunden weitergeben werden. Ansonsten ist die Frage: Wollen die Auftraggeber mehr bezahlen? Die Preise für den Neubau lagen im Mai des laufenden Jahres um 6,4 Prozent über dem Niveau des Vorjahresmonates, so die Statistiker.

Holz fehlt trotz hoher Auslastung der Sägewerke – Preise sind rapide gestiegen

Auf der einen Seite fehlt Holz, obwohl die Sägewerke Rekordmengen an Holz verarbeiten. Laut dem Bundesverband der Deutschen Säge- und Holzindustrie waren es 20 Millionen Festmeter Rund- und Schnittholz im vergangenen Jahr. Das sind über 80 Prozent mehr als noch 2019. Den Großteil davon macht Nadelrundholz aus. Trotz dieser Auslastung der Anlagen fehlt Holz in Deutschland. Selbst das minderwertige Fichtenholz ist begehrt, die Preise haben sich verdreifacht. In den vergangenen Jahren gab es wegen Trockenheit, Sturmschäden oder Borkenkäferbefall viel Fichtenholz.

Dazu kommt, dass Holz als nachhaltiges Baumaterial immer mehr en vogue ist. Dass es zu Lieferverzögerungen kommen kann, planen Tischler ein.

Getreidepreis steigt um mehr als zehn Prozent

Ein ähnliches Bild lässt sich schon seit längerem beim Getreide feststellen. Die Verkaufspreise im Großhandel sind im Juni 2021 um 10,7 Prozent gegenüber Juni 2020 gestiegen, so das Statistische Bundesamt. Auch hier haben vor allem China und die USA dafür gesorgt, dass die Preise mächtiganziehen. Waldbrände oder schlechte Ernte aufgrund von Unwettern erhöhen dort die Nachfrage.

Besonders kräftige Preisanstiege gegenüber dem Vorjahr gab es auch im Großhandel mit Altmaterial und Reststoffen mit einem Plus von 77,6 Prozent sowie mit Erzen, Metallen und Metallhalbzeug (plus 54,2 Prozent). Teurer wurden laut dem Statistischen Bundesamt im Vorjahresvergleich Roh- und Schnittholz (plus 48,4 Prozent) sowie Getreide, Rohtabak, Saatgut und Futtermittel (plus 26,9 Prozent).

Seit November 2020 ist Treibstoff fast kontinuierlich teurer geworden.

Es ist auch etwas Licht am Ende des Tunnels zu sehen. Die Ölpreise haben zu Wochenbeginn leicht nachgegeben. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent kostete am Montagmorgen 75,19 US-Dollar. Das waren 36 Cent weniger als am Freitag. Der Preis für ein Fass der amerikanischen Sorte West Texas Intermediate (WTI) fiel um 34 Cent auf 74,22 Dollar.

Für Verunsicherung hat zuletzt zum einen ein Streit über die künftige Förderpolitik des mächtigen Ölverbunds OPEC gesorgt. Zum anderen wurden die Erdölpreise durch die sich rasch ausbreitende Delta-Variante des Coronavirus belastet.

Bis Anfang Juli waren die Ölpreise hingegen über Wochen teils deutlich gestiegen. Die Zuwächse waren Folge größerer Zuversicht an den Märkten angesichts fortschreitender Corona-Impfungen und anziehender Konjunktur. Das Rohölkartell OPEC rechnet immer noch mit einem deutlichen Nachfrageschub im zweiten Halbjahr.

Benzin so teuer wir lange nicht mehr

Laut ADAC kostete Super E10 am Montag (5. Juli) im bundesweiten Tagesdurchschnitt 1,54 Euro pro Liter, Diesel 1,384 Euro. Damit lagen die Preise auf dem Niveau vom Herbst 2018 und weit über den Tiefständen des vergangenen Jahres, als die Öl- und Spritpreise im Zuge der Corona-Krise abgestürzt waren. Noch Anfang November 2020 hatten Benzin und Diesel jeweils mehr als 35 Cent weniger pro Liter gekostet. Seither ging es sukzessive bergauf. Um etwas zu sparen, empfiehlt es sich, zu besonderen Uhrzeiten die Tankstelle anzusteuern.

Die hohe Steigerungsrate liegt nach Angaben des Bundesamtes teilweise am sogenannten Basiseffekt. Denn Juni 2020 war das Preisniveau wegen der Coronakrise sehr niedrig – entsprechend hoch ist jetzt der Anstieg im Vergleich zum Vorjahresmonat.

Die Großhandelspreise gelten als ein Indikator für die Verbraucherpreisinflation, weil die Unternehmen einen Teil der Preisanstiege an ihre Kunden weiterreichen.

Rubriklistenbild: © Andreas Haas/Imago

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