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Holocaust: Bremen und Niedersachsen gedenken Befreiung von KZ Auschwitz

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Von: Yannick Hanke

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Zu sehen ist das ehemalige Konzentrationslager Auschwitz der Nationalsozialisten.
An die Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz der Nationalsozialisten am 27. Januar 1945 wird 77 Jahre später unter anderem in Bremen und Niedersachsen gedacht. (Symbolbild) © Jakub Porzycki/imago

Die Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz jährt sich zum 77. Mal. Bremen und Niedersachsen mit Gedenktag für die Opfer des Holocausts. Das ist geplant.

Bremen/Hannover – Am 27. Januar 1945 kam es zur Befreiung des NS-Vernichtungslagers Auschwitz. 77 Jahre später und auf den Tag genau, wird bundesweit an die Opfer der Nationalsozialisten erinnert. So auch in Bremen und Niedersachsen, wo mit Gedenkfeiern, Ausstellungen und Gedenkveranstaltungen auf den Schrecken des Holocausts aufmerksam gemacht wird. Damit diese „Zeiten der Verrohung“ nicht in Vergessenheit geraten.

KZ Auschwitz: Befreiung des Konzentrationslagers der Nationalisten jährt sich zum 77. Mal – Bremen und Niedersachsen gedenken

So formuliert es Felix Klein, Antisemitismus-Beauftragter der Bundesregierung, gegenüber der dpa. Klein fordert explizit neue Ansätze, um die Erinnerung an die NS-Verbrechen wach und bewusst zu halten. „Sie darf nicht in Formeln und Ritualen erstarren, und sie sollte nicht nur den Kopf ansprechen, sondern auch das Herz und die Emotionen“, heißt es von ihm.

Ein anspruchsvoller Auftrag, dem sich auch Bremen und Niedersachsen annehmen. In Bremen finden am Donnerstag, 27. Januar 2022, zum Gedenktag für die Opfer der Nationalsozialisten zahlreiche Aktionen statt. Im Fokus steht hierbei auch die Initiative „#LichterGegenDunkelheit“, die vom Gedenkstättenforum Berlin ins Leben gerufen wurde.

Bremen erinnert mit „LichterGegenDunkelheit“ an Opfer des Nationalsozialismus

Im Rahmen dieser Aktion können Bremer mit eigens aufgestellten Leuchten und Kerzen, ob hinter Fenstern oder vor Haustüren, ein persönliches Zeichen setzen. Ein Zeichen gegen rechtes Gedankengut und gleichzeitig eine leise Erinnerung an die Millionen an Menschen, die nicht nur im Konzentrationslager Auschwitz ihr Leben ließen.

Bereits seit 1996 ist der 27. Januar der offizielle Gedenktag an die Opfer des Nationalsozialismus. Auf verschiedensten Wege soll an die Verbrechen der damaligen Zeit erinnert werden. In Bremen beteiligen sich daran auch der Gedenkort Bunker Valentin in Bremen-Nord sowie das Krankenhaus-Museum in Osterholz.

Hier wird an das bis heute unvorstellbare Leid tausender Zwangsarbeiter sowie der Opfer nationalsozialistischer Medizinverbrechen im Land Bremen erinnert. Die Lichter wiederum sollen sich jedoch nicht nur ausschließlich auf die Vergangenheit beziehen. Vielmehr sollen sie auch als Erinnerung an aktuelle „demokratiefeindliche Tendenzen in der Gesellschaft“ verstanden werden. Das teilt die entsprechende Initiative mit.

Gedenkveranstaltung zum Jahrestag der Befreiung von Auschwitz im Bremer Rathaus

Zudem organisiert der Bremer Senat im Verbund mit der Landeszentrale für politische Bildung eine zentrale Gedenkveranstaltung zum 27. Januar, die jährlich stattfindet. Unter 2G-Plus-Bedingungen startet die diesjährige Veranstaltung zur Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz um 19:00 Uhr in der Oberen Rathaushalle. Per Livestream kann an dieser digital teilgenommen werden.

Was war der Holocaust?

Als Holocaust (altgriechisch für „vollständig verbrannt“) und Schoah (hebräisch für „die Katastrophe“) wird der Völkermord der Nationalsozialisten an über sechs Millionen Juden während des 2. Weltkriegs bezeichnet. Von 1941 bis 1945 verfolgten die Nationalsozialisten das Ziel, alle Juden im deutschen Machtbereich systematisch zu ermorden. Dieses Verbrechen an der Menschheit legitimierten die Nationalsozialisten durch ihren staatlich propagierten Antisemitismus sowie der entsprechenden rassistischen Gesetzgebung des NS-Regimes.

Bürgermeister Andreas Bovenschulte (SPD) ist das Grußwort vorbehalten. Yvonne Robel von der Forschungsstelle für Zeitgeschichte in Hamburg hält den Vortrag „Stigma ‚asozial‘. Nationalsozialistische Verfolgung und zögerliche Erinnerung“. Zudem erinnern Schüler der Oberschule Am Barkhof an die Bremer Opfer der Medizinverbrechen.

Niedersachsen erinnert an Verbrechen und Schrecken des Holocaust – doch wegen Omikron oftmals nur digital

Doch auch im Nachbarbundesland Niedersachsen ist die Anteilnahme an der fast 80 Jahre zurückliegenden Befreiung von Auschwitz und generell für die Opfer des Nationalsozialismus ungebrochen groß. Ob Gottesdienste, Diskussionsrunden oder Gedenkstunde – vieles wird aufgrund der Corona-Umstände und des Omikron-Aufkommens digital abgehalten.

An der Gedenkstunde nehmen unter anderem Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) sowie Michael Fürst, Präsident des Landesverbands der Jüdischen Gemeinden in Niedersachsen, teil. Am Abend wiederum werden zahlreiche Gedenkstätten im Rahmen von „#LichterGegenDunkelheit“ hell beleuchtet, darunter die Gedenkstätten in Bergen-Belsen, Esterwegen sowie Sandbostel.

„In der Geschichte der Menschheit einzigartiges Verbrechen“: Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) über das KZ Auschwitz

Im niedersächsischen Lüneburg setzen Stadt, Museum sowie Theater ein kollektives, digitales Zeichen gegen das Vergessen der Schrecken und Opfer vom Nationalsozialismus. Der Schriftsteller Renatus Deckert liest aus dem Buch „Ist das ein Mensch?“ von Primo Levi, einem der Überlebenden von Auschwitz. Das Theater in Lüneburg untermalt diese Lesung musikalisch.

Bis heute ein Symbol für ein in der Geschichte der Menschheit einzigartiges Verbrechen.

Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) spricht mit dem NDR über das einstige Konzentrationslager der Nationalsozialisten in Auschwitz

Zudem weiß Stephan Weil auch die Brücke zu heutigen Ereignissen wie Corona-Demonstrationen und Protestmärschen gegen die Pandemie-Maßnahmen zu schlagen. „Wir gedenken der Millionen Opfer der Shoah – und ehren sie. Wir setzen damit auch ein eindeutiges Zeichen gegen die unerträgliche Verhöhnung der Opfer durch Corona-Leugner, die mit ‚Judensternen‘ auf die Straße gehen und antisemitische Verschwörungstheorien verbreiten.“

Corona-Protestler setzen Holocaust der Nazis mit Pandemie-Maßnahmen gleich – „Verhaltensweisen als Volksverhetzung“

An diese Ausführung des Ministerpräsidenten von Niedersachsens knüpft auch Barbara Havliza (CDU) an. „Wer meint, die gegenwärtige Corona-Politik mit dem nationalsozialistischen Völkermord an Juden gleichzusetzen, der verharmlost den Holocaust auf perfide Art und Weise“, heißt es von der Justizministerin Niedersachsens.

Mit den drei Generalstaatsanwälten in Niedersachsen bin ich mir einig, dass diese Verhaltensweisen als Volksverhetzung verfolgt werden können.

Niedersachsens Justizministerin Barbara Havliza (CDU) verurteilt die Gleichsetzung der Corona-Politik mit den Morden der Nationalsozialisten an Juden aufs Schärfste

Und auch Elke Gryglewski, Geschäftsführerin der Stiftung Niedersächsische Gedenkstätten, betont die Bedeutung des Gedenkens an den Holocaust vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie und ihrer Proteste. Es könne nicht sein, dass nationalsozialistische Verbrechen bei den Protesten gegen die Corona-Maßnahmen verharmlost werden. Hier sei ebenfalls Antisemitismus spürbar.

Holocaust-Gedenktag in Niedersachsen: Minister Tonne nimmt Staat und Gesellschaft in die Pflicht

Zum Gedenktag für die Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft und Verbrechen weiß sich auch Niedersachsens Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) zu äußern:

Wir dürfen niemals vergessen, was zur Zeit der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft geschah und sind verpflichtet, die Erinnerung an die Taten des Terrors und Schreckens und vor allem an die Opfer wachzuhalten – ganz besonders bei der jungen Generation. Nur so können wir verhindern, dass sich so etwas Schreckliches wiederholt.

Niedersachsens Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) betont die Relevanz des Gedenktags zur Befreiung vom Konzentrationslager in Auschwitz

Die Gedenkstätten und Erinnerungsinitiativen in Niedersachsen würdigt Tonne explizit für ihre „hervorragende aktive Bildungsarbeit“. So wird es in einer Pressemitteilung des Niedersächsischen Kultusministeriums formuliert. Staat und Gesellschaft wiederum werden in die Pflicht genommen, da sie „dauerhaft für die Dokumentation, Aufarbeitung und Vermittlung der nationalsozialistischen Verbrechen Sorge tragen“ müssten.

Holocaust-Verbrechen werden auf Corona-Demos relativiert – „Lust an der Provokation“

Auf Bundesebene begeht der Deutsche Bundestag den Jahrestag der Befreiung von Auschwitz mit einer Gedenkstunde. Bei dieser sprechen die Holocaust-Überlebende Inge Auerbacher sowie der israelische Parlamentspräsident Mickey Levy. Teilnehmen sollen aber auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, Bundeskanzler Olaf Scholz (beide SPD) und Bundesratspräsident Bodo Ramelow (Die Linke).

Auschwitz, Buchenwald, Dachau, Theresienstadt: Die Konzentrationslager (KZ) der Nationalsozialisten

Seit der Zeit des NS-Regimes werden die Arbeits- und Vernichtungslager der Nationalsozialisten als Konzentrationslager (KZ) bezeichnet. Sie wurden im Deutschen Reich und in den besetzten Gebieten von Organisation der Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei (NSDAP) errichtet. Letztendlich bestanden rund 1000 dieser Konzentrations- und Nebenlager. Schätzungsweise wurden in ihnen etwa zwei Drittel der sechs Millionen Juden, die dem NS-Regime zum Opfer fielen, ermordet. Das KZ in Auschwitz gilt dabei als Stammlager der Nationalsozialisten. Weitere bekannte Konzentrationslager betrieben sie in Buchenwald, Dachau, Sachsenhausen oder Theresienstadt.

Für den Antisemitismus-Beauftragten der Bundesregierung ist es „extrem und infam“, dass einige Teilnehmer von Corona-Demonstrationen* sich gelbe Judensterne anheften und so die NS-Verbrechen relativieren. „Das ist die Lust an der Provokation und der Wunsch, damit Aufmerksamkeit zu erzeugen“, sagt Felix Klein. Letztendlich zeige es „einen wachsenden Verrohungszustand in unserer Gesellschaft“.

Corona beflügelt Antisemitismus: Judenfeindliche Inhalte im Netz nehmen zu – „gewisse Tradition in unserer Gesellschaft“

De facto hat die Corona-Pandemie Antisemitismus sowie antisemitisches Gedankengut nur noch beflügelt. Das hat laut der dpa eine Studie ergeben, der zufolge sich die Zahl deutschsprachiger Internet-Posts mit judenfeindlichen Inhalten seit Beginn der Krise verdreizehnfacht habe.

„Diese einfachen Muster, dass es einen Sündenbock geben muss, das hat leider eine gewisse Tradition in unserer Gesellschaft“, merkt Felix Klein. Umso wichtiger ist es, an die Verbrechen der Nationalsozialisten an der Menschheit zu erinnern und die aktuelle Spaltung der Gesellschaft, wie sie die Impfpflicht erzeugt, mit einzubeziehen.

Schließlich darf ein organisierter Völkermord niemals mit dem Tragen einer FFP2-Maske oder etwaigen Abstandsregeln gleichgesetzt werden. (mit Material der dpa) * kreiszeitung.de und 24hamburg.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA.

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