Seit 120 Jahren Hoflieferant: Niedersachsens einzige Sektkellerei 

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Urige Gewölbe, stimmungsvolle Beleuchtung - eine Besichtigung der Kellerei lohnt nicht nur der Verkostung wegen.

Neustadt am Rübenberge. Auswärtige, die durch Neustadt am Rübenberge fahren, staunen: Zur Sektkellerei weist ein Hinweisschild mitten im Ort. Eine Sektkellerei? Die würde man am Rhein oder an der Mosel vermuten, aber nicht in Norddeutschland.

Und doch kennen Genießer und Liebhaber edler Spirituosen die Kleinstadt vor den Toren Hannovers und den Markennamen Duprès: Seit 120 Jahren befindet sich hier die einzige Sektkellerei Niedersachsens.

Ihre Wurzeln reichen sogar weit über 200 Jahre zurück. Seit 1792 betreibt die Familie Kollmeyer eine Weinhandlung in der Neustädter Innenstadt. Das Geschäft an der Löwenbrücke, seit Jahr und Tag in Familienhand.

Im Jahre 1858 kommt Fritz Kollmeyer auf die Welt. In jungen Jahren verlässt er seine Heimatstadt und sucht als Kaufmann in der großen weiten Welt sein Glück. Aus der Südsee bringt er Perlen mit, und in Frankreich, genauer gesagt in Reims in der Champagne, gründet er die Firma Duprès. Der klangvolle Name soll von einem Hoteldiener stammen, den Kollmeyer kurzerhand in das Unternehmen aufnimmt. Dem Weltreisenden kommt das Schloss Landestrost in seiner Heimatstadt in den Sinn. Wo könnte Sekt besser reifen als in den kühlen, dunklen Kellergewölben, den Kasematten? 

Schnell macht sich Kollmeyer mit seinem hochwertigen Schaumwein aus Neustadt am Rübenberge einen Namen, er steigt zum Hoflieferanten der Königshäuser auf. Noch heute schenkt die niedersächsische Landesregierung bei Empfängen Sekt aus dem Hause Duprès aus.

Kellermeister Dietrich Walloschke überwacht die Sekt-Produktion.

Die Kasematten unter dem Schloss aus dem 16. Jahrhundert bilden nach wie vor das Herzstück der Sektproduktion. Ob bei Hitze im Sommer oder klirrender Kälte im Winter – im fensterlosen Gewölbe unter Schloss Landestrost herrscht stets eine Temperatur von 13 Grad. Kellermeister Dietrich Walloschke wacht über die Produktion der edlen Spirituosen. Seine Arbeit beginnt mit der sorgfältigen Auswahl der Grundweine. Sie stammen aus Deutschland, Italien, Frankreich und Österreich. „Die Kunden erwarten von Jahr zu Jahr eine gleichbleibende Qualität“, sagt Walloschke. Von seinem buchstäblich guten Geschmack hängt viel ab. Südlage, mineralhaltiger Boden und ein naher Fluss, der für ein ausgewogenes Mikroklima sorgt – solche Lagen bevorzugt der Kellermeister. Bei solch geballter Kompetenz ahnen Gäste, die fast täglich die Kasematten besichtigen, kaum, dass Walloschke gewissermaßen auf dem zweiten Bildungsweg zu seiner heutigen Profession als Kellermeister gekommen ist. Der gelernte Banker und Genussmensch machte sein Hobby zum Beruf.

Nach der Zugabe von Champagnerhefe und Zucker werden die Flaschen mit dem Grundwein mit einem Kronkorken verschlossen, und der Wein beginnt zu gären. Mindestens neun Monate lang dauert der Gärprozess, bei besonders edlen Schaumweinen aus dem Hause Duprès sogar bis zu sechs Jahren. „Je länger ein Sekt reift, desto feiner werden die Perlen und umso besser die Qualität“, erläutert Walloschke. Im nächsten Schritt gilt es, die Champagnerhefe aus dem Wein herauszulösen. Die Flaschen kommen in ein Rüttelbrett. Sechs Wochen lang werden sie täglich gedreht. „Gute Rüttler schaffen 30000 Flaschen am Tag“, nennt der Kellermeisten beeindruckende Zahlen. Die Hefe setzt sich im Flaschenhals ab. Wie bekommt man sie heraus? Die Flaschenhälse tauchen in eine Kältesole von minus 25 Grad ein, es bildet sich ein Eispfropf, der die Hefe mit aus der Flasche herausreißt. Degorgieren nennt sich dieser Prozess. „Wir machen das meistens im Sommer auf dem Schlosshof“, sagt Walloschke.

Die dadurch verlorene Weinmenge ersetzt der Kellermeister durch die so genannte Dosage, eine Mischung aus Zucker und Wein, der aus den gleichen Anbaugebieten wie der Grundwein stammen muss. Zum Schluss kommt der Korken. 

Seit 120 Jahren wird in Neustadt am Rübenberge Sekt hergestellt.

Die Dosage bestimmt maßgeblich den Süße eines Sektes. Junge Kunden tendierten eher zu halbtrockenen oder gar lieblichen, die Generation mittleren Alters bevorzuge eher trockenen, ältere Menschen wiederum die halbtrockenen, weiß Walloschke. Er lädt Gäste, die die Kellerei besichtigen, zu einer Probe im urigen Gewölbe ein.

Weder Moden noch Konjunkturkrisen könnten den Durst nach Sekt schmälern, freut sich der Fachmann. Die Nachfrage nach edlen Sekten sei groß. Die Firma Duprès vertreibt ihre Produkte im Direktverkauf, in der wenige Schritte vom Schloss entfernten Weinhandlung und über den Einzelhandel. Im Schloss Landestrost stellt sie allerdings nur noch den in der beschriebenen traditionellen Flaschengärung gereiften Schaumwein her. Größere Kapazitäten gestattet die Tankgärung, derer sich Duprès an einem weiteren Standort in Worms ebenfalls bedient. Auch dieses Verfahren erlaube sehr hohe Qualität, unterstreicht Kellermeister Dietrich Walloschke. Die Spitzenprodukte gären jedoch in der Flasche – während der gesamten Produktionsdauer in ein und derselben. Der Chef empfiehlt den trockensten Sekt unter den trockenen im Sortiment. „Aber – ab und zu gönne ich mir auch mal ein Bier“, räumt der Weinliebhaber ein.

Von Burkhard Peters

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