Kritik und Nutzen

Hobbyjäger werden gebraucht - und zwar aus mehreren Gründen

Tierschutzorganisationen fordern den völligen Verzicht auf tierische Produkte und prangern die Jagd an. Die Jäger halten dagegen, dass sie auch Naturschutz betreiben. Und dann gibt es noch tödliche Unfälle.

  • Rund 385.000 Jäger gibt es in Deutschland.
  • 2018 keinen tödlichen Jagdunfall in Deutschland.
  • Wildfleisch ist gesund, weil es keine Hormone enthält.

Braucht es in Deutschland mehr Profijäger? Genau dies fordert die Tierrechtsorganisation Peta, bis hin zum völligen Verbot der Hobbyjagd. Hintergrund ist ein Jagdunfall in Marklohe. Rund 385.000 Männer und Frauen gehen zur Jagd. In Deutschland agieren die Jäger in Revieren. Wenn ihnen diese nicht gehören, sind sie gepachtet. Dem gegenüber stehen rund 1000 Profijäger.

Jäger in Kanada2,4 Millionen
Deutschland386.000
Finnland308.000
Norwegen190.000

Was sind Hobbyjäger und was sind Profijäger? Mit Profijägern sind in der Regel Revierjäger gemeint. Es ist ein anerkannter Ausbildungsberuf. Zu den Ausbildungszielen gehören: Maßnahmen zum Tierschutz, zum Artenschutz und zum Naturschutz unter Berücksichtigung ökologischer Zusammenhänge und der Nachhaltigkeit. Arbeitsgebiete sind Jagd- und Forstbetriebe, sowie in der jagdlichen Aus- und Weiterbildung. Förster zählen auch zu den Profijägern. Ein weiterer Bereich sind private große Reviere.

Ein röhrender Hirsch steht im Wildpark Neuhaus in Niedersachsen. Wenn es nach Peta geht, soll die Jagd auf Wild verboten werden.

„Als Hobbyjäger würde ich mich nicht bezeichnen“, sagt Jürgen Oltmann, stellvertretender Vorsitzender der Jägerschaft Syke. Denn die Ausbildung zum Jäger ist umfangreich und dauert bis zu neun Monate. Zu den Lehrinhalten gehören Waffenrecht, Pflege von Revieren oder auch Naturschutz. „Sicherheit ist in der Prüfung ein K.-o.-Kriterium“, sagt Jürgen Oltmann. Schließlich laufen die neuen Jäger mit einem Gewehr herum. Durch diesen hohen Standard sollen (tödliche) Jagdunfälle vermieden werden. Die Prüfung führt die Jägerschaft im Auftrag der unteren Jagdbehörde durch. Im Fall der Jägerschaft Syke ist dies der Landkreis Diepholz.

Jäger kommen zu Wildunfällen und erlösen die Tiere

Die Hobbyjäger übernehmen noch weitere wichtige Aufgaben. So werden die Jäger bei Wildunfällen von der Polizei gerufen, um das angefahrene Tier vom Leid zu erlösen. Laut dem Bundesjagdgesetz sind sie zum Tierschutz verpflichtet.

„2018 gab in Deutschland keinen tödlichen Jagdunfall“, sagt Dr. Anna Martinsohn, stellvertretende Pressesprecherin beim Deutschen Jagdverband. Meint: Dass ein Jäger während der Jagd einen anderen erschossen hat. In den offiziellen Statistiken tauchen zwar tödliche Schussverletzungen auf, aber darunter fallen auch Ereignisse von Sportschützen, legalen Waffenbesitzern oder Polizisten. Eine weitere Differenzierung findet nicht statt. Um tödliche Jagdunfälle zu ermitteln, gleicht der Jagdverband verschieden Datenbanken ab. Auch Pressemitteilungen gehören dazu. Das Jahr 2019 wird aktuell ausgewertet.

Tierschutzorganisationen wie Peta nehmen es mit dem Differenzieren oft nicht ganz so genau. So werden auf ihren Homepages Mordversuche oder Unfälle mit Waffen aufgelistet, nur weil der Täter auch Jäger war. „Jagdunfälle müssen im Kontext der Jagd passieren, sonst sind es keine Jagdunfälle“, so Anna Martinsohn. Nichtsdestotrotz passieren auch während der Jagd Unfälle. 2018 ereigneten sich die meisten Verletzungen beim Laufen oder Gehen, gefolgt von Verletzungen mit Werkzeugen wie Kettensägen und beim Klettern.

Ebenfalls prangert Peta den Verzehr von Wildfleisch an. Ihr Argument: Durch die Blei-Munition sei das Wildfleisch verseucht. Bleihaltige Munition ist auf dem Rückzug und wird durch andere Legierungen ersetzt. Rund um die Munitions-Eintrittstelle können Rückstände auftreten. Untersuchungen an solchen Stellen haben tatsächlich einen erhöhten Bleiwert aufgewiesen. Daher wurde vom Verzehr für Kleinkinder und Schwangere abgeraten. Verantwortungsvolle Jäger schneiden, vereinfacht gesagt, die Bereiche, die mit der Munition in Kontakt waren, großzügig weg. Auch ohne Blei-Munition wird dieser Bereich weiterhin entsorgt. „Wildfleisch ist gesund, weil es keine Hormone enthält“, sagt Anna Martinsohn.

Wer ist die Tierrechtsorganisation Peta?

Peta ist eine Tierrechtsorganisation die nach eigenen Angaben die Ziele verfolgt: Jedem Tier zu einem besseren Leben zu verhelfen. Peta handelt in der Tradition sozialer Befreiungsbewegungen und macht sich für das Ende des Speziesismus stark, eines diskriminierenden Denk- und Verhaltensmusters, das die Ausbeutung oder den Ausschluss von Lebewesen aufgrund ihrer Artzugehörigkeit rechtfertigt. Peta steht für die Abschaffung der Misshandlung, Diskriminierung und Ausbeutung von Tieren und kämpfen für die Etablierung ihrer Rechte.

Rubriklistenbild: © dpa / Swen Pförtner

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