Hirschbrunft-Führungen locken Besucher in den Solling

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Ein Rothirsch steht während der Paarungszeit im Tierpark Neuhaus.

Neuhaus - Von Matthias Brunnert. Der Chef ist nicht zu überhören. Sein Röhren dröhnt von der Bergwiese bis zum Parkplatz vor dem Eingangsgebäude des Wildparks Neuhaus. Am diesem Abend treffen sich hier im südniedersächsischen Solling mehrere Dutzend Besucher. Sie alle wollen die Führung zum Thema "Hirschbrunft" erleben.

"Sie werden auf Ihre Kosten kommen", sagt Robert Willeke. Der Leiter des Wildparks, in dem die niedersächsischen Landesforsten seit 1962 auf 60 Hektar Fläche heimische Tiere in ihrer natürlichen Umgebung zeigen, lotst die Gäste an das Gatter. Dann steigt er mit einem Eimer voll Futter in das Gehege. "Kooomm! Kooomm!", ruft Willeke. Und nochmal: "Kooomm". 

Drei nennenswerte Rotwildvorkommen in Niedersachsen

Und sie kommen: Gut drei Dutzend Hirschkühe, darunter viele junge Tiere, nähern sich den schmackhaften Brocken, die Willecke auf dem Boden zwischen den Bäumen verstreut hat. Und plötzlich ist auch das Röhren wieder da. Laut, noch lauter, dreimal, viermal. Der Platzhirsch baut sich auf und wirft sein riesiges Geweih mit den 18 Zacken in den Nacken. Der 18-Ender röhrt, brüllt, schreit. 

Denn aus dem nahen Gehege-Wald sind auch andere Hirsche zu hören. "Da sieht man Stangen", sagt Willeke und zeigt zwischen die Bäume. Im Gehege hat der Chef neun Rivalen. Einige davon seien so jung, dass er sie kaum ernst nehmen müsse, sagt Willeke. Aber es gibt auch echte Kontrahenten. "Manchmal rufen während der Brunftzeit auch wildlebende Rothirsche Richtung Wildpark", sagt der Förster. Außer im Harz und der Heide gibt es nach Angaben der Landesjägerschaft im Solling und dem benachbarten Weserbergland das dritte nennenswerte Rotwildvorkommen Niedersachsens. 

Ein Rothirsch steht während der Paarungszeit im Tierpark Neuhaus.

Der Wildpark-Platzhirsch hat jetzt offenbar einen ernstzunehmenden Rivalen ausgemacht. Er rennt los - direkt auf dem Kontrahenten zu. Doch es gibt keinen Kampf. Der andere Hirsch lässt es an diesem Abend nicht darauf ankommen. Er zieht sich zurück. Während der Chef zu den weiblichen Tieren an der Futterstelle zurück trabt, entfernen sich die Rufe des Rivalen. "

Körpergewicht sinkt in der Brunftzeit um bis zu ein Drittel

Seit Mitte September geht das jetzt schon so", sagt Willecke, "jeden Abend". Und die Brunft werde noch bis in den Oktober andauern. In dieser Zeit verlieren die Hirsche, die bis zu 150 Kilogramm schwer werden können, mitunter ein Drittel ihres Körpergewichts. Erst ab Mitte Oktober, wenn alle Weibchen gedeckt sind und die Rivalität unter den männlichen Tieren ein Ende hat, können sie sich wieder Fettreserven für den Winter anfressen. 

Wie lange der derzeitige Boss im Wildpark seinen Platz verteidigen kann, ist ungewiss. Allzu oft dürfte das elf Jahre alte Tier aber wohl nicht mehr Herr im Ring bleiben. Denn ab dem zwölften Lebensjahr, so erfahren die Besucher von Förster Willeke, lassen beim Hirsch die Kräfte nach. Vielleicht schon im nächsten Herbst könnte in Neuhaus dann ein jüngerer, stärkerer Hirsch zum Zug kommen. 

An diesem Abend ist es aber noch nicht so weit. Als die Besucher wieder in die Autos steigen, ist das Röhren der Chefs noch immer zu hören.

dpa

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