Erneute Jungfernfahrt im September

Letzter Ostfriesen-Dampfer geht wieder auf große Fahrt

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„Historischer Dampfer "Prinz Heinrich“ ist der letzte Deutsche Fracht-, Post- und Passagierdampfer des Kaiserreichs.

Leer - Von Hans-Christian Wöste. Die gute alte Zeit hat im Hafen der kleinen Stadt Leer einen Namen: „Prinz Heinrich“ heißt das Schiff, das als letzter schwimmender Zeitzeuge der ehemaligen ostfriesischen Dampfschiff-Flotte gilt.

Vor zwölf Jahren hatte der Verein „Traditionsschiff Prinz Heinrich“ mit ersten Sanierungsarbeiten auf dem maroden Dampfer begonnen. Inzwischen ist das stilvoll restaurierte Schiff wieder auf Hochglanz gebracht. Wenn alles klappt, soll es im September auf seine zweite Jungfernfahrt gehen.

Nach 107 Jahren könnte der dampfende Rentner erstmals wieder zurück an seine Geburtsstätte kommen. „Geplant ist ein Besuch bei der Papenburger Meyer Werft“, sagte Vereinsvorsitzender Wolfgang Hofer. Dort war der Doppelschrauben-Post- und Passagierdampfer 1909 für die Borkumer Kleinbahn und Dampfschiffahrts AG gebaut worden.

Schiff bot ursprünglich Platz für 390 Passagiere

Der stilvolle Salon wurde aufwändig instand gesetzt.

390 Passagiere fanden Platz auf dem 37 Meter langen und 7 Meter breiten Schiff. Über Jahrzehnte führte die Route von Emden nach Borkum und zurück, beide Weltkriege überstand „Prinz Heinrich“ als Versorger. 1958 kam dann ein radikaler Einschnitt: Der Antrieb wurde von Dampf auf Diesel umgerüstet. 1970 außer Dienst gestellt und als Museumsschiff nach Lübeck, Warnemünde und Rostock gebracht - das Ende des alten Dampfschiffes schien gekommen.

Wenn alles gut geht, soll das Schiff im Herbst wieder auf große Fahrt gehen.

Eine wachsende Fangemeinde brachte 2003 die Rettung, als das Schiff zurück in seine ostfriesische Heimat geschleppt wurde. Seitdem hat der Verein Zehntausende Stunden Einsatz von Ehrenamtlichen und bezahlten Facharbeiten in das Facelifting des alten Prinzen investiert. Vieles wurde nach original Bauplänen restauriert, etwa der ehemalige Speisesaal. Prunkstück ist jedoch ein Laderaum, der zu einem repräsentativen Ort für Lesungen, Trauungen, Vorträgen oder geschäftlichen Anlässen aufgehübscht wurde.

„Jonny“ und „Hinni“ sorgen für insgesamt 200 PS

„Das Traditionsschiff „Prinz Heinrich“ ist der letzte Zeitzeuge des Kaiserreichs als der letzte Deutsche Fracht-, Post- und Passagierdampfer, den es unter allen Umständen zu erhalten gibt“, heißt es in einem Gutachten des Deutschen Schiffahrtsmuseums Bremerhaven auf dem Weg zur Anerkennung als maritimes Kulturdenkmal.

Insagesamt 200 PS stark sind die beiden Maschinen des Dampfers.

Lange Zeit fehlte jedoch das „Herz“ des Prinzen: Die Original-Dampfmaschinen aus den Niederlanden waren irgendwann nach dem Ausbau spurlos verschwunden. Mit Glück tauchten zwei vergleichbare Aggregate bei einem Sammler in England auf. Rund zweieinhalb Tonnen bringen „Jonny“ und „Hinni“ jeweils auf die Waage. Trotz ihres hohen Alters von mehr als 100 Jahren können sie demnächst noch einmal so richtig zeigen, was in ihnen steckt: Mit jeweils rund 100 Pferdestärken sollen die Motoren das restaurierte Seebäderschiff „Prinz Heinrich“ wieder flott machen für Fahrten zu den Nordseeinseln.

dpa

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