Stiftung will Projekt „Lebensplan" ausweiten

Haupt- und Förderschüler oft unzureichend sexuell aufgeklärt

Hannover - Viele 14- bis 16-jährige Haupt- und Förderschüler sind von ihren Familien unzureichend sexuell aufgeklärt worden. Wie die Stiftung „Eine Chance für Kinder" am Donnerstag mitteilte, beziehen sie ihr Wissen über Sexualität oft über Pornografie.

Das geht aus einer Auswertung des Projekts „Lebensplan" in der Region Hannover hervor. Es bereitet Mädchen und Jungen in einer 20-stündigen Unterrichtsreihe darauf vor, Verantwortung für sich, ihren Körper und ihren Partner zu übernehmen.

Die Orientierungshilfen seien für Teenager aus schwierigem Umfeld besonders wichtig, sagte Stiftungsgründer Adolf Windorfer: „Wir möchten das Projekt auf ganz Niedersachsen ausweiten, uns fehlen aber noch Geldgeber." Die Stiftung ist mit den inzwischen in ganz Deutschland tätigen Familienhebammen bekanntgeworden. Sie begleiten Mütter in schwierigen Lebenslagen bis zum ersten Geburtstag ihres Babys.

Mädchen- und Jungengruppen beim Projekt

Bei dem Projekt „Lebensplan" wird mit getrennten Mädchen- und Jungengruppen gearbeitet. Die Mädchen schult eine Familienhebamme oder Kinderkrankenschwester, die Jungen ein Pädagoge oder Sozialarbeiter. Gerade weil Jungen heute schon früh Pornos auf dem Smartphone konsumieren, sei es wichtig, das Thema Sexualität zur Sprache zu bringen, sagte Pädagoge Axel Hengst von Verein "Mannigfaltig". Erste prahlerische Einschätzungen der Jungen wie "Frauen wollen hart rangenommen werden" oder "Gangbang ist cool" würden dann schnell zurückgenommen.

Kulturell bedingt oft keine Aufklärung für Mädchen

Rund die Hälfte der bisher geschulten fast 1.500 Jugendlichen stammten aus Migrantenfamilien. Kulturell bedingt gebe es bei den Mädchen häufig keine Aufklärung von Seiten der Eltern, sagte Familienhebamme Simone Hohnsbein. Ein wichtiger Inhalt der Schulung seien die Konsequenzen einer Teenager-Schwangerschaft.

Nach Angaben der Stiftung werden mehr als 1.500 minderjährige Mädchen jedes Jahr in Niedersachsen ungewollt schwanger, circa 900 dieser Teenager tragen die Schwangerschaft aus. Es handelt sich meist um Mädchen aus schwierigen Lebensverhältnissen. Bei den Teenager-Müttern tritt das Problem der Kindesvernachlässigung fünf Mal so häufig auf wie bei älteren Müttern.

dpa

Rubriklistenbild: © dpa-avis/Symbolbild

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