Ein harter Weg: Rumänen und Bulgaren zieht es weiter in den Norden

Die Zahl der Rumänen und Bulgaren, die auf dem Arbeitsmarkt Fuß fassen, steigt stärker als die, die auf Arbeitslosengeld oder Sozialhilfe angewiesen sind. - Foto: dpa

Hannover - Die Zuwanderung von Rumänen und Bulgaren hält weiter an, obwohl die Hoffnung auf Arbeit sich längst nicht für alle erfüllt. Doch auch wer etwa in der Fleischindustrie einen Job findet, hat es oft schwer. Wie steht es um Ausbeutung und unwürdige Einquartierung?

Die Sorge vor einer Armutszuwanderung aus Osteuropa war groß, als Rumänen und Bulgaren mit dem freien Zugang zum EU-Arbeitsmarkt vor gut zwei Jahren verstärkt nach Deutschland kamen. Zwar entstanden in Niedersachsen und Bremen keine Brennpunkte wie zwischenzeitlich etwa in Duisburg oder Mannheim und unter dem Strich fiel die Zuwanderung moderat aus. Nach wie vor ist die Lebens- und Arbeitssituation vieler Rumänen und Bulgaren im Norden aber problematisch. Viele heuern als Hilfsarbeiter an, etliche haben kaum eine Qualifizierung, um einen Job zu finden.

Seit einigen Jahre wachse die Zahl der Bulgaren und Rumänen stetig, berichtete die Arbeitsagentur in Niedersachsen und Bremen. Bis Mitte 2015 - das ist die jüngste Statistik - verdoppelte sich die Zahl arbeitsloser Bulgaren und Rumänen in Niedersachsen. Gleichzeitig stieg die Zahl der Beschäftigten aus beiden Ländern aber um das Zweieinhalb- bis Dreifache. Zusammengerechnet stellen sie 0,56 Prozent der Beschäftigten und 1,2 Prozent der Arbeitslosen im Land.

In den Landkreisen Vechta und Cloppenburg etwa haben sich überwiegende junge Männer aus Rumänien und einige aus Bulgarien angesiedelt, die in den dortigen Schlacht- und Zerlegebetrieben arbeiten. Dort gebe es zahlreiche Jobs, für die laut Arbeitsagentur kaum hiesige Interessenten zu finden sind. Im Dezember 2015 standen in der Region 2809 Beschäftigten aus beiden Ländern lediglich 167 arbeitslose Rumänen und Bulgaren gegenüber.

In Bremerhaven unterdessen gab es einen Zuzug vor allem von Bulgaren und von einigen Rumänen. Hier sei ebenfalls das Phänomen zu beobachten, dass dort, wo schon Landsleute seien, weitere Verwandte oder Bekannte nachkommen, so die Arbeitsagentur. Allerdings träfen sie in Bremerhaven auf einen bereits angespannten Arbeitsmarkt mit kaum Beschäftigung für Geringqualifizierte.

Zur Illustration: Von den 623 zum Jahresende in Bremerhaven registrierten Arbeitslosen aus Rumänien und Bulgarien konnte so gut wie keiner einen Berufsabschluss vorweisen. Nur 520 Menschen aus beiden Ländern fanden in der Stadt zumeist eine Helfertätigkeit. Das Einkommen reiche, wenn damit noch Familienangehörige versorgt werden müssten, nicht aus und der Weg führe in die Hilfsbedürftigkeit, so die Agentur. Bulgaren und Rumänen stellten 6,8 Prozent der Arbeitslosen in der Stadt, angesichts geringer Vermittlungschancen eine durchaus problematische Größenordnung.

Auch die Zuwanderer mit Arbeit aber befinden sich nach Einschätzung des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) in einer schwachen Position gegenüber Arbeits- und Auftraggebern und werden oft ausgebeutet. Es mangele vielen an Sprach- und Rechtskenntnissen und sie seien dem Missbrauch von Leiharbeit und Werkverträgen ausgesetzt, sagte DGB-Sprecherin Tina-Kolbeck-Landau. Hoffnung setzt der DGB auf das neue Gesetz zu Leiharbeit und Werkverträgen, um das es nach wie vor ein Tauziehen von Regierung, Opposition und Arbeitgebern gibt.

Immerhin habe der Mindestlohn dazu geführt, dass es nicht mehr so einfach sei, die Zuwanderer um ihren Lohn zu bringen, sagte der Sprecher des Wirtschaftsministeriums in Hannover, Stefan Wittke. Die vom Land geschaffenen Beratungsangebote seien stark nachgefragt, mit anwaltlicher Hilfe kämpften Betroffene auch vor Gericht um ihre Rechte. Das Bestreben des Landes sei, gerade in der Fleischindustrie das Verhältnis mit einer Mehrzahl von Werkverträgen und einem geringen Anteil fester Arbeitsverträge umzukehren.

Verbessert hat sich unterdessen die Unterbringung der osteuropäischen Arbeiter, die nach dem Tod zweier rumänischer Arbeiter der Meyer-Werft 2013 für Schlagzeilen sorgte. „Da ist unser Eindruck, dass einiges besser geworden ist“, sagte Wittke. Das Land hatte für die Einquartierung Vorgaben gemacht und die Landkreise kontrollierten die Unterbringung auch.

Erste Schritte der Integration beobachtet unterdessen Wolfgang Reiter von der Migrantenberatung der Diakonie in Niedersachsen. „Manche haben sich wirklich eingelebt und nehmen Veranstaltungen in der Region wahr, wo das Miteinanderleben im Vordergrund steht.“ Nach wie vor gefragt seien aber auch Hilfsangebote, wo es etwa um die Gesundheitsversorgung oder ungeklärte Versicherungsfragen geht.

In Hannover helfen bereits seit längerem drei Sozialarbeiterinnen, die Rumänisch und Bulgarisch sprechen, damit die Osteuropäer und ihre Kinder Anschluss finden. Zuletzt waren in der Stadt 2443 Rumänen und 3248 Bulgaren gemeldet, 1549 von ihnen waren auf Jobsuche. Mit Zuschüssen der EU und vom Bund sollen bis 2018 acht zusätzliche Beraterinnen eingestellt werden. Größte Hürde: Sie müssen das stark ausgeprägte Misstrauen und die Berührungsängste der Zuwanderer gegenüber Behörden und Kinderbetreuungsangeboten überwinden. - dpa

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