Tierschützer üben Kritik

Hannovers Polizeipferde haben jetzt ein eigenes Solarium

Die Reiterstaffel Hannover hat einen neuen Stall inklusive Solarium. Tierschützer sehen den polizeilichen Einsatz von Pferden jedoch weiterhin kritisch.

Hannover – Die Reitstaffel der Polizei Hannover hat einen neuen Pferdestall – Solarium, größere Boxen und Waschplatz inklusive. „Wir erfüllen damit alle tierschutzrechtlichen Standards, das ist auch unser Selbstverständnis im Umgang mit diesen außergewöhnlichen Tieren“, so Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius (SPD). Tierschützerinnen und Tierschützer sehen das anders.

StadtHannover
Einwohner532.163
Fläche204 km²
BürgermeisterBelit Onay

„Der Einsatz von Pferden für Polizeidienste ist mit dem Tierschutz unvereinbar. Die Tiere gehören auf eine grüne Wiese, wo sie laufen und mit Artgenossen spielen können – nicht in die lauten Innenstädte, wo sie gefährlichen Situationen ausgesetzt werden“ , sagt Peter Höffken von PETA Deutschland gegenüber kreiszeitung.de.

1,9 Millionen Euro Kosten für 32 Polizeipferde: Stall-Umbau schluckt Millionen

Die Umbau-Arbeiten für den Stall dauerten rund ein Jahr. Für 1,9 Millionen Euro wurden die über 120 Jahre alten denkmalgeschützten Stallungen am Welfenplatz saniert. Das historische Gebäude steht unter Denkmalschutz. Das Ziel der Sanierung: Verbesserung des Tierwohls.

Der Stall der Polizeireitstaffel hat seit seiner Sanierung Wärmelampen für Pferde.

Teil des Konzepts seien unter anderem Wärmelampen für die 32 Polizeipferde, die zum Trocknen und Aufwärmen der Tiere nach einem Einsatz dienen sollen. Auch eine bessere Durchlüftung und größere Boxen (16 statt vorher 12 Quadratmeter pro Box) sollen nach Angaben des Innenministeriums zur einem verbesserten Tierwohl beitragen.

Sanierung des Stalls ist klares Bekenntnis zum Einsatzmittel Pferd

Zuvor waren die Pferde im Landesgestüt Celle untergebracht. „Künftig werden die Polizeibeamtinnen und Polizeibeamten wieder ohne lange Anfahrtswege in der Stadt Streife reiten können.“ Der neue Stall liegt in einem Gebäudekomplex, der rund 100 Meter lang und 14 Meter breit ist. Die Sanierung sei ein klares Bekenntnis zum Reiterzug und dem „Einsatzmittel Pferd“ – „sie gehören zur Polizei wie das Pferd in unser Landeswappen“, sagte Pistorius.

PETA Deutschland übt Kritik an Polizeipferden: Tiere zum Dienst gezwungen

Doch wie weit kann Tierwohl für Polizeipferde überhaupt eingehalten werden? „Immer wieder werden Pferde bei Polizeieinsätzen verletzt, etwa bei Demonstrationen oder am Rande von Fußballspielen. Während die mutigen Polizistinnen und Polizisten freiwillig diese Risiken auf sich nehmen, werden die Pferde zum Dienst gezwungen“, so Höffken von PETA.

Die Landesregierung sollte die Pferdeabbildung in ihrem Landeswappen ehren, indem Sie Pferden den Stress im Polizeieinsatz erspart.

Peter Höffken, PETA Deutschland

„Die Landesregierung sollte die Pferdeabbildung in ihrem Landeswappen ehren, indem sie Pferden den Stress im Polizeieinsatz erspart“, fordert Höffken. Polizeiarbeit lasse sich demnach auch ohne Pferde genau gleich gut erledigen.

Pferde sind Fluchttiere: Deutscher Tierschutzbund steht Veranstaltungen mit hohem Geräuschpegel kritisch gegenüber

Alle Pferde seien Fluchttiere, „die sehr hochentwickelte Sinnesorgane haben und die in Situationen, die ihnen Angst machen, versuchen zu fliehen“, so Lea Schmitz vom Deutschen Tierschutzbund auf Anfrage gegenüber kreiszeitung.de. Aus diesem Grund sei für Polizeipferde eine jahrelange Ausbildung notwendig, in der die Pferde schrittweise an für sie normalerweise Angst einflößende Situationen gewöhnt werden.

Tierschützerinnen und Tierschützer kritisieren die Ausbildung von Polizeipferden wie hier beim Training mit Rauchbomben scharf.

„Dennoch sollte der Einsatz in Innenstädten nach unserer Einschätzung zur Ausnahme gehören. Auf keinen Fall sollte ein Pferd mehrere Tage hintereinander im Innenstadtbereich zum Einsatz kommen“, so Schmitz. Auch der Einsatz im Rahmen von Fußballspielen sei laut Tierschutzbund kritisch zu bewerten.

Bei Veranstaltungen mit extrem hohem Geräuschpegel solle auf den Einsatz von Pferden generell verzichtet werden, so der Tierschutzbund: „Denn Pferde hören sogar im Ultraschallbereich. Das Besondere am Gehör des Pferdes ist, dass es seine Ohrmuscheln unabhängig voneinander um 180 Grad drehen kann und damit Geräusche von allen Richtungen wahrnimmt“, erklärt Schmitz.

Pferde können Geräusche bis zu vier Kilometern hören. Aus diesem Grund sollte keinem Pferd der Einsatz mitten in einem Festival zugemutet werden. Nach unserer Meinung sollten Polizeipferde vor allem in schwer befahrbaren bewaldeten Gebieten und Grünanlagen zum Einsatz kommen.

Auch bei den olympischen Spielen in Tokyo kam es bereits zu starker Kritik nachdem ein Pferd eingeschläfert werden musste und nach dem Auftritt einer deutschen Olympia Reiterin. Die PETA fordert zudem ein bundesweites Register für Pferderipper. Ein Pferdehof in den Niederlanden schickt zu schwere Reiter und Reiterinnen wieder nach Hause.* kreiszeitung.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © dpa/Moritz Frankenberg

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