Raus aus Dunkelzonen und Doppelmoral

Homopaare vor dem Traualtar: Es tut sich was in deutschen Kirchen

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Gleichgeschlechtliche Trauungen sind vor allem in evangelischen Kirchen keine Seltenheit mehr.

In immer mehr evangelischen Kirchen werden mittlerweile gleichgeschlechtliche Ehen geschlossen. Nicht immer auf die gleiche Weise wie Partnerschaften zwischen Mann und Frau, aber offen. In den katholischen Kirchen ist mal noch nicht so weit.

Hannover - Mann, Frau und idealerweise auch Kinder - das Bild der Kirche von Ehe und Familie ist lange Zeit eher traditionell gewesen. Homosexuelle Paare hatten es schwer, bis für sie 2001 die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) als erste einen Segnungsgottesdienst einführte, der seit 2013 mit der Trauung gleichgesetzt ist. Andere Kirchen zogen nach und nun führt auch die größte evangelische Landeskirche in Hannover die Trauung von Ehepaaren gleichen Geschlechts ein - einschließlich der Eintragung in das Kirchenbuch. Das separate Register für Homopaare schafft sie ab.

In dem Papier zur Homohochzeit, das dem Parlament der hannoverschen Kirche am Mittwoch vorgelegt wird, fällt die Begründung dafür nach jahrelangem Ringen um die Thematik knapp und prägnant aus. Es gebe keine theologisch zwingenden Gründe, eine prinzipielle Differenz zwischen der Ehe von Menschen verschiedenen und gleichen Geschlechts beizubehalten. „Es gibt folglich auch keinen Grund, Menschen die als staatlich getraute Ehepaare zu uns kommen, eine kirchliche Trauung zu verweigern.“ Insbesondere seit der Einführung der staatlichen Ehe für alle 2017 nämlich klopfen gleichgeschlechtliche Paare mit der Bitte um eine kirchliche Trauung bei ihrer Gemeinde an.

Für mehr Offenheit in der Kirche hatte sich Hannovers Bischof Ralf Meister bereits vor eineinhalb Jahren stark gemacht. „Die historisch bestimmte, kulturell geprägte, in abertausend-millionenfacher Erfahrung in tiefer Liebe empfundene Geschlechter-Zweiteilung Mann-Frau darf man gewiss nicht leichtfertig in Frage stellen, aber man muss sie öffnen.“ Eine solche Öffnung schwäche diese Ehevorstellung nicht, sondern stärke sie.

Kein Pfarrer wird zu Trauungen gezwungen

In fast allen der 20 evangelischen Landeskirchen gibt es die Möglichkeit, sich von einem Pfarrer zumeist öffentlich einen Segen zusprechen zu lassen. Einige Landeskirchen bestehen noch darauf, dass eine Segnung einem herkömmlichen Traugottesdienst nicht zu sehr ähnelt. In den meisten Fällen überlassen sie den jeweiligen Pfarrern und Gemeinden aber die konkrete Ausgestaltung der Feier. Nahezu alle Landeskirchen betonen aber, dass kein Pfarrer gezwungen werden kann, gleichgeschlechtliche Paare zu segnen.

Eine Trauung für alle wie nun in der hannoverschen Kirche führten zuvor bereits die Kirchen in Hessen, die Oldenburger Kirche, die Landeskirche in Baden, in Berlin-Brandenburg und der schlesischen Oberlausitz sowie im Rheinland ein. Nachzügler ist die württembergische Landeskirche, wo 2020 erst eine Segnung, aber keine Trauung von gleichgeschlechtlichen Paaren erfolgen soll, dabei beinhaltet die Regelung aber schon Personen des dritten Geschlechts.

In den vergangenen 20 Jahren habe sich in der evangelischen Kirche viel bewegt, sagt der Sprecher der Ökumenischen Arbeitsgruppe Homosexuelle und Kirche, Thomas Pöschl. Vorbehalte in Gemeinden aus einem Bauchgefühl oder der Tradition heraus hätten abgenommen. In der katholischen Kirche indes sei Homosexualität nach der reinen Lehre weiterhin ein Tabu. „Auch in der katholischen Kirche aber finden Segnungshandlungen statt“, betont Pöschl. Alle Bischöfe wüssten das und schauten heftig weg, den beteiligten Priestern drohe mal mehr und mal weniger Ärger.

Auch Katholiken diskutieren über Neuerung

Aufhorchen ließ der Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode, der in einem Interview Anfang 2018 seine Kirche dazu aufrief, sich über den Umgang mit gleichgeschlechtlichen Paaren Gedanken zu machen - auch wenn sich die staatlicherseits eingeführte Ehe für alle vom Eheverständnis der Katholiken unterscheide. „Man kann zum Beispiel über eine Segnung nachdenken - die nicht zu verwechseln ist mit einer Trauung“, sagte Bode der „Neuen Osnabrücker Zeitung“. Die Kirche müsse gleichgeschlechtliche Paare differenzierter bewerten. „Ist da nicht so viel Positives, Gutes und Richtiges, dass wir dem gerechter werden müssen?“

Mit dieser Haltung steht der Osnabrücker Bischof in der katholischen Kirche längst nicht mehr alleine dar. Im Nachgang zum Frankfurter Stadtkirchenforum 2016 entstand auch dort ein Thesenpapier, in dem Segensfeiern für gleichgeschlechtliche Paare gefordert werden. Zum zweiten Mal bereits wurde es vor eineinhalb Wochen bei einem Hearing des Bistums Limburg in Wiesbaden diskutiert. „Die derzeitige Lage treibt Paare und Seelsorgerinnen und Seelsorger in Dunkelzonen und Doppelmoral“, sagte der Bezirksreferent der Stadtkirche Frankfurt, Michael Thurn, der für einen katholischen Segen für Homopaare warb. Noch gibt es aber Vorbehalte - im September wird in Frankfurt weiterdiskutiert. dpa

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