Neue Polizeikampagne

Verkehrsbetriebe schulen Mitarbeiter im Erkennen von Terrorgefahren

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Die Polizei will helfen, Mitarbeiter von Verkehrsbetrieben zu Terrorgefahren zu schulen.

Hannover/Bremen - Angesichts der anhaltenden Terrordrohung rüsten sich die Nahverkehrsbetriebe im Norden für mehr Sicherheit. Eine mögliche Gefahr frühzeitig zu erkennen und dann adäquat und ohne Panik zu handeln, lautet das Motto der Polizeikampagne „Aufmerksam unterwegs!“

Diese geht in Hannover und Osnabrück an den Start. Auch in Bremen, Göttingen und Braunschweig werden Mitarbeiter von Verkehrsbetrieben unter anderem im richtigen Umgang mit verdächtigen Gegenständen und Gepäckstücken geschult. Mitarbeiter sind zu erhöhter Wachsamkeit aufgerufen. Auch Fahrgäste und Besucher von Einkaufszentren sollen über Plakate später in die Kampagne einbezogen werden.

Was tun die Nahverkehrsbetriebe gegen drohenden Terror? 

Die hannoverschen Verkehrsbetriebe unterzeichnen am Donnerstag einen Sicherheitskooperationsvertrag mit der Polizeidirektion Hannover, bei dem es um die Früherkennung geplanter Anschläge geht. Im Fokus steht unter anderem der richtige Umgang mit herrenlosen Gepäckstücken durch das Personal und den Sicherheitsdienst der Verkehrsbetriebe. 

Dazu wurden Fahrer der Verkehrsbetriebe in Bremen, Braunschweig und Göttingen ebenfalls bereits geschult und zu erhöhter Wachsamkeit aufgerufen. In Osnabrück informierte die Polizeiinspektion die Verkehrsbetriebe in Stadt und Landkreis bereits über die nötigen Maßnahmen. Auch dort sollen Fahrer nun geschult werden. 

Was ist der Ablauf bei verdächtigen Gegenständen? 

Wenn ein Fahrgast auf einen verdächtigen Gegenstand hinweist oder ein Fahrer beim Gang durch das leere Fahrzeug an der Endhaltestelle darauf stößt, wird nach Inaugenscheinnahme entschieden: Ist es bloß eine vergessene Tasche mit Einkäufen, dann kommt sie ins Fundbüro, ansonsten wird die Polizei informiert und die Bahn oder der Bus startet nicht zu einer neuen Fahrt, wie der Vorstand der Bremer Straßenbahn, Hajo Müller, erklärt. 

Im schlimmsten Fall wird ein Fahrzeug auch sofort geräumt. Personal und Reisende müssen sich dann schnellstmöglich vom Gefahrenort entfernen. 

Gab es in letzter Zeit in Bussen und Bahnen im Norden Verdächtiges? 

Zwar wurden in den letzten Monaten in Bremen tatsächlich zwei Fahrzeuge geräumt, die stehengebliebenen Koffer entpuppten sich aber als vollkommen harmlos. Auch in Göttingen blieben ein Koffer und ein Rucksack stehen, auch hier drohte keine Gefahr. Konkret im Visier war der Nahverkehr in Hannover beim abgesagten Fußballänderspiel im November 2015. Ob die Drohung eines Anschlags tatsächlich Substanz hatte, blieb aber offen, die Ermittlungen wurden schließlich eingestellt. 

Anti-Terrorkampagnen in Frankreich und Belgien appellieren auch an Fahrgäste und Passanten, Verdächtiges zu melden, wie sieht es hierzulande aus? 

Auch die Kampagne „Aufmerksam unterwegs!“ richtet sich, nachdem das Personal der Verkehrsbetriebe geschult ist, an Fahrgäste oder Besucher von Shoppingzentren. Denn um möglicherweise gefährliche Gegenstände schnell erkennen zu können, ist auch die Bevölkerung gefragt. Aus diesem Grund wurden Plakate entwickelt, die die Aufmerksamkeit der Bevölkerung erhöhen sollen und konkrete Verhaltenshinweise an die Hand geben. Diese Informationen sollen in stark frequentierten Bereichen des Nahverkehrs, in Einkaufszentren und in Fußgängerzonen sichtbar angebracht werden. 

Und wie steht es um die Kameraüberwachung? 

Die Deutsche Bahn hat in Niedersachsen gemeinsam mit der Bundespolizei in 50 Bahnhöfen rund 350 Kameras in Betrieb, Schwerpunkte sind Hannover und Umgebung. Auch die Hauptbahnhöfe in Bremen und Hamburg sind videoüberwacht. Beamte können hier das Geschehen beobachten und sofort handeln. Anders ist es bei den Videoaufzeichnungen, etwa in den Straßenbahnen und U-Bahnen in Hannover und Braunschweig. Hier wacht niemand vor einem Monitor über das Geschehen. Die Aufzeichnungen werden erst nach einer Straftat bei Bedarf gesichtet. 

Kann moderne Technik künftig mehr Sicherheit bieten? 

Im Berliner Bahnhof Südkreuz wird seit August getestet, ob Überwachungskameras gekoppelt an eine Computer-Software Gesichter von Menschen wiedererkennen können. Die Sicherheitsbehörden begründen ihr Vorhaben auch damit, dass mögliche Gefährder vor einem Anschlag erkannt und die Tat vereitelt werden könnte. Juristen aber haben noch rechtliche Zweifel an dem Projekt.

dpa

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