Interview: Das Zeugnistelefon

Achtung Zeugnisvergabe - Eltern sollen ihren Kindern Mut machen

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Ein Zeugnis der allgemeinen Hochschulreife (Abiturzeugnis) mit der Durchschnittsnote 1,4. 

Hannover -  Von Peer Körner. Noten sind eine wichtige Orientierungshilfe, sagt Schulpsychologin Gertrud Plasse. Am Mittwoch ist es wieder soweit, in Niedersachsens Klassen werden die Zeugnisse verteilt. Wie sollen sich Eltern verhalten, wenn es nicht so gut für die Sprösslinge gelaufen ist?

Eltern sollten ihren Kindern Mut machen, auch gerade wenn schlechte Noten kommen. Dabei sei das Signal der Unterstützung für das Kind am wichtigsten, sagt Schulpsychologin Gertrud Plasse von der Landesschulbehörde. Eltern und Schüler können sich am Zeugnistelefon der Schulbehörde beraten lassen, wenn am Mittwoch die Zeugnisse ausgeteilt werden. 

Wer ruft beim Zeugnistelefon an? 

Das sind vor allem Eltern, Großeltern und Paten, selten die Schüler. Bei Schülern ist die Schwelle eher hoch, bei einem Psychologen anzurufen. Sie wenden sich eher an die Lehrer, Mitschüler und Vertrauenspersonen in den Schulen wie Beratungslehrer und Schulsozialarbeiter. Fast alle Kontakte erfolgen über Telefon, E-Mails bekommen wir beim Zeugnistelefon nur selten. 

Worum geht es den Anrufern in der Regel? 

Hauptthema ist die Unzufriedenheit mit den Zensuren in bestimmten Fächern. Da hat sich über die Jahre nicht viel geändert. 

Gertrud Plasse, Familientherapeutin aus Hannover (Niedersachsen). Die Psychologin arbeitet für die niedersächsische Schulbehörde. Eltern sollten ihren Kindern Mut machen, auch gerade wenn schlechte Noten kommen, sagt Plasse vor der Zeugnisvergabe am 30.Januar. 

Wie sollen sich Eltern bei einem schlechten Zeugnis verhalten? 

Das ist eine häufig von den Eltern gestellte Frage. Sie sollen dem Kind Mut machen. Sie sollten mit den Kindern das Zeugnis in Ruhe besprechen. Dabei ist das Signal der Unterstützung durch die Eltern das Wichtigste. Auch die guten Zensuren sollten gewürdigt werden. Bei schlechten Noten sollte die Familie gemeinsam überlegen, wie eine Verbesserung im neuen Schuljahr gelingen kann. Hierzu ist auch der Rat des Fachlehrers hilfreich. 

Wie hat sich das Verhalten der Eltern verändert? 

Aus unserer Sicht ist die Bereitschaft, Hilfe und Unterstützung anzunehmen, größer geworden. Die Eltern sind bereit, ihr eigenes Verhalten zu hinterfragen und Rat anzunehmen. 

Stehen die Kinder stärker unter Druck als früher? 

Nein, aber die Kinder in der Grundschule stehen schon unter Druck, vor allem wenn der Wechsel zur weiterführenden Schule ansteht. Seit man in Niedersachsen aber keine Empfehlung für das Gymnasium mehr benötigt, ist eine Hürde weggefallen. Dennoch sind vielen Kindern gute Noten wichtig. 

Soziale Medien als Ablenkungsfaktor

Wodurch entsteht noch Druck bei den Kindern? 

Die Note im Arbeits- und Sozialverhalten wird von den Eltern als sehr wichtig erachtet. Für die Kinder selbst ist es aber nicht immer nachvollziehbar, wie sie da zu einer guten Note kommen. 

Welche Rolle spielen die sozialen Medien? 

Soziale Medien spielen in der Schule eine wichtige Rolle, sie sind auch ein Ablenkungsfaktor. Cybermobbing findet durchaus statt, ist aber beim Zeugnistelefon kein Thema. Eine aufmunternde SMS von Freunden kann durchaus als Unterstützung wahrgenommen werden. 

Welche Bedeutung haben Zeugnisse überhaupt? 

Sie geben eine Einschätzung über die geleistete Arbeit im letzten Halbjahr und bieten Hinweise auf Stärken und notwendige Verbesserungsbereiche. Für die Schüler sind sie eine wichtige Orientierungsmöglichkeit. Im besten Fall ist das Zeugnis eine Belohnung für die zuvor geleistete Arbeit. 

Zur Person: 

Gertrud Plasse ist Familientherapeutin und arbeitet seit 1999 in Hannover für die niedersächsische Landesschulbehörde. Sie leitet das Dezernat 5 für Schulpsychologie, Prävention und Gesundheitsförderung für Schülerinnen und Schüler.

dpa

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