Schweinehaltung für immer weniger Landwirte attraktiv

Hannover - Vor gut 20 Jahren gab es in Niedersachsen fast 45.000 Schweinehalter. Seither sinkt die Zahl unaufhörlich. Das Geschäft lohnt sich für viele Bauern kaum noch.

Die Zahl der Schweinehalter in Niedersachsen geht immer weiter zurück. Das Landesamt für Statistik (LSN) registrierte zum Stichtag 3. Mai nur noch rund 6700 Betriebe, in denen Schweine gehalten wurden. Dies sind etwa 200 oder knapp drei Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Mit diesem Wert ist ein neuer absoluter Tiefstand erreicht. „Damit hat sich ein seit Jahrzehnten anhaltender Trend fortgesetzt“, sagt Vincenz Bauer von der Landwirtschaftskammer. 1992 gab es in Niedersachsen noch 45 000 Schweinehalter. Seither ist die Zahl kontinuierlich gesunken.

Nach Einschätzung der Statistiker haben in der Vergangenheit viele Betriebe aufgegeben, weil es keine Hof-Nachfolger gab. Heute seien dagegen die zu niedrigen Preise für Schweinefleisch ein wesentlicher Grund für die Entwicklung, sagt Gabi von der Brelie vom niedersächsischen Landesbauernverband. „Man kann mit Schweinen momentan kaum Geld verdienen.“ „Die Schweinehaltung ist ein schwieriges Geschäft“, sagt auch Landwirtschaftskammer-Experte Bauer. „Man kann sich als Landwirt nicht darauf verlassen, dass man für seine Schweine regelmäßig einen auskömmlichen Preis erzielt. „ Die Preise befinden sich nach Angaben des niedersächsischen Landwirtschaftsministeriums auf dem tiefsten Stand seit 2007.

„Das Überangebot an Schweinefleisch resultiert zum einen aus der stark zurück gegangenen Nachfrage der Verbraucher, zum anderen aus den sinkenden Exportmengen, insbesondere durch das Russland-Embargo“, sagt Sprecher Manfred Böhling. Besonders drastisch sei die Lage derzeit für die Halter von Zuchtsauen, beklagt der Landvolkverband. „Die Kosten zur Erzeugung eines Ferkels lagen zuletzt bei rund 60 Euro“, sagt Sprecherin von der Brelie. „Im Verkauf brachte ein Ferkel dagegen nur etwa 33 Euro. Da zahlt der Landwirt bares Geld drauf.“ Deshalb sei es kein Wunder, dass die Zahl dieser Betriebe innerhalb eines Jahres um mehr als acht Prozent auf rund 2200 zurückgegangen ist.

Erschwerend kämen die gestiegenen Tierschutz- und Umweltschutzauflagen hinzu, meint von der Brelie. Das sieht auch die Landwirtschaftskammer so: „Es gibt immer mehr Auflagen zu Emissionsschutz, Wasserschutz oder Tierwohl, die die Wirtschaftlichkeit weiter einschränken“, sagt Experte Bauer. „Die Erzeuger stehen deshalb vor der Frage, ob sie weiter machen können. Und diese Frage beantworten viele mit Nein.“ Das Land Niedersachsen setze alles dran, durch die Förderung von mehr Tierwohl einen höheren Preis für die Erzeuger durchzusetzen, sagte Agrarminister Christian Meyer: „Durch die Erhöhung des Platzangebots und mehr Tierschutz im Stall können wir die Akzeptanz der Tierhaltung wieder erhöhen, und - durch eine entsprechende Kennzeichnung - auch die Nachfrage.

Der höhere Aufwand im Stall muss durch höhere Erzeugerpreise für das Schweinefleisch entlohnt werden, wir müssen weg von der Billigfleischstrategie.“ Die übrig gebliebenen Schweinehalter täten alles, um am Markt zu überleben, sagt Landwirtschaftskammer-Experte Bauer. „Sie entwickeln die Betriebe weiter und investieren in neue Technik“. Dabei gehe der Trend weiter hin zu immer größeren Betrieben. Obwohl die Zahl der in Niedersachsen gehaltenen Schweine zuletzt innerhalb eines Jahres geringfügig von 8,82 auf 8,79 Millionen Schweine (Stichtag 5. Mai) gesunken ist, erreichte die Zahl der pro Betrieb gehaltenen Tiere mit rund 1300 eine neue Rekordhöhe. Vor zehn Jahren lag der Durchschnittswert noch bei knapp 500 Schweinen.

Außer den Schweinehaltern stünden derzeit auch die Milchviehhalter wegen der niedrigen Preise finanziell stark unter Druck, sagte Landvolk-Sprecherin von der Brelie. Die Folge: Auch die Zahl der Milchkuhhalter sinkt weiter. Nach Zahlen des Landesamtes für Statistik gab es im Mai noch knapp 10 800 Betriebe, 3,7 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Die Zahl der Milchkühe stieg dagegen geringfügig auf knapp 852 000 an.
dpa

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