Rocker-Tod wirft Schlaglicht auf Hannovers Rotlichtviertel

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Kerzen und Blumen stehen und liegen zum Gedenken an ein Ex-Mitglied der Hells Angels vor einem Club in Hannover

Hannover - Von Michael Evers. Haben die Hells Angels noch Einfluss im Rotlichtviertel von Hannover oder drängen neue Gruppen in das Geschäft? Diese Fragen stellen sich nach dem Selbstmord eines Rockers. Nach Eindämmen der Rockerpräsenz sieht die Polizei kein Nachrücken neuer Gruppierungen.

Blumengestecke und Kerzen vor dem Nachtclub in Hannover weisen am Montag auf die Tragödie hin, die sich dort in der Nacht zum Sonntag mitten im Rotlichtviertel am Steintor abgespielt hat. Nachtschwärmer sind noch in Scharen unterwegs, als sich ein früheres Führungsmitglied der Hells Angels vor seinem kürzlich verkauften Club erschießt. Die Polizei geht von Selbstmord aus und prüfte am Montag noch, ob der 51-Jährige rechtmäßig über die Waffe verfügte. Der Tod des langjährigen Vertrauten des inzwischen in Spanien inhaftierten mächtigen Rockerbosses Frank Hanebuth lenkt den Blick auf die Frage, inwiefern ehemalige Hells Angels weiter im Amüsierviertel der Landeshauptstadt aktiv sind.

Obwohl die Hells Angels ihren mächtigen Ortsclub in Hannover vor drei Jahren unter wachsendem Druck von Politik und Polizei auflösten, sind einige Mitglieder, ohne optisch als solche erkennbar zu sein, weiter im Steintorviertel tätig - zum Beispiel als Türsteher, teilten die Ermittler am Montag mit. Eine offene Präsenz des Motorradclubs insbesondere im Bereich des Steintors sei aber nicht mehr wahrnehmbar. Jahrelang hatten die Rocker in vielen Etablissements des Viertels das Sagen. Das in der Vergangenheit häufig gezeigte provokante Verhalten der Hells Angels sei nicht mehr zu verzeichnen, so die Polizei. Die festgestellte Kriminalität bewege sich vorwiegend im Bereich von Körperverletzungen und Eigentumsdelikten, wie sie in anderen Ausgeh-Ecken der Stadt auch anzutreffen sei.

Manchem im Viertel fiel auf, dass die neuen Betreiber des betroffenen Clubs demonstrativ russische Fahnen aufgehängt hatten - sollen damit neue Machtansprüche markiert werden? Nach Einschätzung der Polizei aber gibt es keine neue Gruppierung, die derzeit ins Steintor hineindrängt. Die Rockerszene werde weiter sehr genau beobachtet, heißt es von den Beamten. Zwischenzeitlich hatten sie sogar eine Wache in einem Container eingerichtet, um das Treiben in dem Viertel im Blick zu haben. Inzwischen aber hat sich die Lage beruhigt. In Hannover hatte die Auflösung der Hells Angels paradoxerweise auch die Sorge vor erneuten Machtkämpfen im Milieu ausgelöst. Als die Rockergruppe vor Jahren das Türstehergeschäft im Rotlicht- und Ausgehviertel an sich zog, endete damit ein oftmals blutiger Machtkampf rivalisierender Banden, der immer wieder Tote forderte. Bislang aber hat sich die Einschätzung der Polizei bestätigt, die in der Auflösung des Hells-Angels-Chapters keinen Anlass für neue Konflikte sah.

Im Sommer 2012 hatte Hannovers deutschlandweit mächtiger Hells Angels-Präsident Frank Hanebuth die Auflösung des Ortsclubs bekanntgegeben. Seit inzwischen fast zwei Jahren sitzt Hanebuth in Spanien in Untersuchungshaft, nachdem er mit 17 weiteren Hells Angels auf Mallorca festgesetzt wurde. Zuhälterei, Geldwäsche, Betrug, Erpressung und Nötigung lauten die Vorwürfe der spanischen Ermittler gegen die Gruppe. Vor wenigen Wochen entschied ein Ermittlungsrichter in Madrid, dass Hanebuth für bis zwei weitere Jahre in Untersuchungshaft bleibt.
dpa

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