Hells-Angels-Prozess

Körperverletzung: Rockerboss Frank Hanebuth zu hoher Geldstrafe verurteilt

Im Prozess gegen Rockerboss Frank Hanebuth wegen gemeinschaftlicher Körperverletzung, Beihilfe zur Nötigung und Verstoßes gegen das Waffengesetz verweigerte das mutmaßliche Opfer am Dienstag, 4. August 2020 weitgehend die Aussage.

  • Mutmaßliches Opfer in Rocker-Prozess verweigert die Aussage.
  • Frank Hanebuth soll mit fünf anderen Männern Körperverletzung begangen haben.
  •  Ein Urteil in dem Fall ist am Donnerstag, 6. August 2020 erfolgt.

Update vom 6. August: Im Prozess gegen Rockerboss Frank Hanebuth hat das Amtsgericht Hannover Geldstrafen gegen ihn und weitere Angeklagte verhängt. Eine gemeinschaftliche Körperverletzung sei nicht nachweisbar, eine einfache Körperverletzung aber schon, sagte die Vorsitzende Richterin Monika Pinski am Donnerstag zur Urteilsbegründung. Hanebuth wurde wegen Nötigung und Beihilfe zu 4000 Euro Geldstrafe verurteilt. Ein 46 Jahre alter Angeklagter wurde zu 90 Tagessätzen zu 60 Euro - also 5400 Euro Strafe - verurteilt. Er hatte demnach den Chef einer Autowerkstatt in Langenhagen bei Hannover geschlagen.

Die Richterin sagte den Verurteilten: «Was Sie getan haben, war nicht in Ordnung und wird geahndet, aber verhältnismäßig.» Die übrigen drei Verurteilten müssen Geldstrafen von 1200 beziehungsweise 1500 Euro bezahlen. Die Anklage hatte auf gemeinschaftliche Körperverletzung, Beihilfe zur Nötigung und Verstoß gegen das Waffengesetz gelautet.

Sowohl der Staatsanwalt, der überwiegend Bewährungsstrafen gefordert hatte, als auch Hanebuths Anwalt wollen nach eigenen Angaben prüfen, ob sie Rechtsmittel gegen das Urteil einlegen.

Hannover - In dem Prozess gegen Rockerboss Frank Hanebuth wegen gemeinschaftlicher Körperverletzung, Beihilfe zur Nötigung und Verstoßes gegen das Waffengesetz hat das mutmaßliche Opfer die Aussage weitgehend verweigert. Im April 2018 soll Hanebuth gemeinsam mit fünf anderen Männern den Chef einer Autowerkstatt in Langenhagen bei Hannover geschlagen haben. Ein Strafbefehl über vier Monate Haft auf Bewährung war an den 55-Jährigen gegangen. Alle Angeklagten haben Einspruch gegen die Strafbefehle erhoben.

Der Angeklagte Frank Hanebuth (r.) sitzt im Gerichtssaal im Amtsgericht neben seinem Anwalt Michael Nagel. Im Prozess gegen den Rockerboss hat der Chef einer Autowerkstatt die Aussage weitgehend verweigert.

Der 40-jährige Chef der Autowerkstatt sagte vor dem Amtsgericht Hannover am Dienstag auf die Frage der Vorsitzenden Richterin, dass er sich nicht erinnere, was bei einem Streit gesagt worden war.  Die Polizei habe daraus „eine Affäre gemacht“. Er sei zudem unsicher, ob er sich im Falle einer Aussage selbst belaste. Ein Urteil in dem Fall wird am Donnerstag, den 6. August erwartet.

Prozess gegen Ex Präsident der Hells Angels Frank Hanebuth: Worum geht es?

Den sechs Beschuldigten wird vorgeworfen, im April 2018 den Chef der Langenhagener Autowerkstatt aufgesucht zu haben. Der Anklage zufolge ging es dabei um Mietrückstände in Höhe von 2500 Euro. Als der Geschäftsmann der Zahlungsaufforderung nicht nachkam, soll er zwei Schläge ins Gesicht bekommen haben. Die Schläge seien jedoch nicht durch Hanebuth, sondern von einem heute 46-Jährigen erfolgt. Der Kfz-Mechaniker spricht jedoch nicht von Mietrückständen als Grund für die Auseinandersetzung, sondern von einem „Konflikt“ um seine Ex-Partnerin.

In Zusammenhang mit dem Vorfall war das Anwesen von Frank Hanebuth durchsucht worden. Bei der Razzia sollen im November 2018 verbotene Waffen auf dem Anwesen von Hanebuth gefunden worden sein. Die sechs Beschuldigten gehören laut der Anklage zu der Rockergruppe Hells Angels.

Geboren:12. September 1964
Geburtsort:Garbsen
Größe:1,96 m
Ehepartner:Sarah Hanebuth (seit 2017)

Ob bei der Razzia in Hanebuths Haus Beweismittel sichergestellt wurden, wollte der Sprecher der Staatsanwaltschaft aus ermittlungstaktischen Gründen damals nicht sagen. Hanebuths Rechtsanwalt Michael Nagel erklärte der Deutschen Presse-Agentur im Anschluss: „Zu dem laufenden Verfahren kann zur Zeit nur die Angabe gemacht werden, dass der Vorwurf ausgeräumt werden wird.“ Nach Angaben des NDR sollen in diesem Zusammenhang mehrere Gebäude in Hannover, Bad Münder, in der Wedemark und in Langenhagen durchsucht worden sein.

Frank Hanebuth bestreitet stets Zugehörigkeit zu krimineller Vereinigung

Frank Hanebuth war bereits 2013 auf Mallorca festgenommen worden und hat in Spanien zwei Jahre in Untersuchungshaft gesessen. Dort wird dem Rockerboss unter anderem die Zugehörigkeit zu einer kriminellen Vereinigung, Menschenhandel, Erpressung, Freiheitsberaubung, Zuhälterei und Geldwäsche vorgeworfen. Hanebuth hat die Vorwürfe stets bestritten, der Prozess steht noch aus. Zwischenzeitlich war er gegen eine Kaution in Höhe von 60.000 Euro aus der Untersuchungshaft entlassen worden. Spanien durfte er jedoch nicht verlassen.

In Hannover wird der Prozess gegen Frank Hanebuth und weitere Angeklagte wegen gemeinschaftlicher Körperverletzung, Beihilfe zur Nötigung und Verstoßes gegen das Waffengesetz fortgesetzt.

Damals hatten Fahnder mehr als 20 Verdächtige aus verschiedenen Ländern auf Mallorca festgenommen. Für 18 Mitglieder und Gehilfen der Rockerbande Hells Angels wurde Untersuchungshaft angeordnet. Die zerschlagene Bande wollte nach Angaben des Madrider Innenministeriums unter anderem mit dem Bau einer Auto-Rennstrecke Millionensummen waschen. 

Frank Hanebuth: Im Jahr 2001 wegen gefährlicher Körperverletzung verurteilt

Nachdem der Frank Hanebuth, langjähriger Präsident der inzwischen aufgelösten Hells Angels in Hannover, nach Niedersachsen zurückgekehrt war, heiratete er im Sommer 2017 seine Lebensgefährtin Sarah. Begleitet wurden Frank Hanebuth und seine Lebensgefährtin von zahlreichen Gästen mit Motorrädern. Der standesamtlichen Hochzeit folgte einen Tag später die kirchliche Trauung in einer evangelischen Kirche in Bissendorf bei Hannover. Frank Hanebuth eröffnete im Juni 2018, - rund ein Jahr nach seiner Hochzeit - ein neues Lokal mit dem Namen „Biker‘s Bar“ in Hannovers Rotlichtviertel Steintor.

Das Landgericht Hannover hatte den Rockerboss bereits im November 2001 wegen gefährlicher Körperverletzung zu dreieinhalb Jahren Gefängnis verurteilt. Im Jahr 2012 wiederum hatten Spezialeinsatzkräfte das Haus des Rockerbosses durchsucht und dabei einen Hund erschossen.

Rubriklistenbild: © Julian Stratenschulte / picture alliance / dpa

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