Gut vorbereitet auf den Ernstfall

Coronavirus-Notklinik Hannover: 485 Betten in den Hallen des Messegeländes

Auf dem Messegelände in Hannover steht ein 40.000 Liter Sauerstofftank. Er soll dazu beitragen, Patienten in den fast 500 Betten der Corona-Notklinik zu versorgen. Bislang blieb der Tank voll und die Betten leer.

  • Auf dem Messegelände in Hannover ist eine Corona-Notklinik eingerichtet.
  • Die Einrichtung der Klinik für einen zweistelligen Millionenbetrag wurde Ende März in Auftrag gegeben.
  • Fast 500 Betten für potenzielle Corona-Patienten stehen seither ungenutzt verteilt auf zwei Hallen.

Hannover - Insgesamt sind es 485 Betten, verteilt auf die Hallen 19 und 20 auf dem Messegelände in Hannover. Abgedeckt sind sie alle mit Plastikfolie. Bereit für den Einsatz. Zu Beginn der Corona-Pandemie wurde die Notfallklinik für einen zweistelligen Millionenbetrag eingerichtet.

Betreiber des Messegeländes:Deutsche Messe AG
Messehallen:26
überdachte Fläche:496.000 Quadratmeter
Kernfläche:131 Hektar

Der Auftrag zur Einrichtung der Behelfsklinik erfolgte unter dem Eindruck der Bilder aus völlig überlasteten Krankenhäusern aus Norditalien. Ende März gab es den Auftrag. Bislang blieben die Plastikfolien unberührt, die Betten leer und die Notklinik kam nicht zum Einsatz. Vor dem Hintergrund der steigenden Infektionszahlen kommt nun die Frage auf, ob die beiden Hallen im Ruhemodus verweilen können. Etliche Landkreise haben bereits den kritischen Schwellenwert von 50 überschritten, darunter auch die Region Hannover.

Corona-Notklinik in Hannover: 485 Betten stehen leer

Einige der rund 500 Betten sind mit mobilen Sauerstoffgeräten ausgestattet. Zwischen Gruppen mehrerer Betten stehen weiße Trennwände, die die Messebauer hochgezogen haben. Dazwischen in regelmäßigen Abständen: Schreibtische. Im Ernstfall kann das medizinische Personal von dort seine Patienten überwachen. CT-Geräte wurden ebenfalls angeschafft. So könnten die Lungen der eintreffenden Patienten möglichst schnell untersucht werden. Draußen vor Halle 20 ragt der Sauerstofftank in die Höhe. Eine Endabrechnung für den zweistelligen Millionenbetrag, den die Einrichtung gekostet hat, gibt es noch nicht.

Seit dem Frühjahr wird für den Fall hoher Infektionszahlen mit dem Coronavirus ein Behelfskrankenhaus mit über 400 Betten vorgehalten. Im Einsatz war das Notfall-Krankenhaus bisher nicht.

Genutzt wurde die Klinik bislang nicht. Die Lage sei selbst zum Höhepunkt der Pandemie im April nicht so schwierig gewesen, dass die Notklinik hätte Patienten aufnehmen müssen heißt es vom niedersächsischen Gesundheitsministeriums. Dennoch sei es richtig gewesen, im März schnell zu handeln, sagt der Verbandsdirektor der Niedersächsischen Krankenhausgesellschaft, Helge Engelke. „Wir sind heilfroh, dass wir sie nicht gebraucht haben.“

Hannover: Das Messegelände ist für Bedarfe der Klinik eingerichtet

Niedersachsen verfügt über rund 41.000 Krankenhausbetten, darunter mehr als 2500 Intensivbetten. Auch im Frühjahr waren diese nur zwischen etwa 20 bis 30 Prozent mit Corona-Patienten belegt. Auch wenn zu viele Corona-Infizierte dauerhaft hätten beatmet werden müssen, wären zunächst andere Patienten in Rehabilitationskliniken verlegt worden, um Kapazitäten in den regulären Kliniken freizumachen.

Auch Sanitäranlagen stehen in einer der Halle auf dem Messegelände Hannover bereit.

Rund 70.000 Quadratmeter Fläche sind auf dem Messegelände für die Bedarfe der Notklinik freigeräumt. Neben dem mit Betten gefüllten Teil gibt es einen Aufnahmebereich, eine Halle mit Sicherheitsschleusen und Duschen sowie Toiletten für das Personal, eine Apotheke, eine Kantine und Parkplätze. Vorgesehen ist die Klinik für die Patienten, die zwar keine Behandlung auf einer Intensivstation benötigen, aber dennoch nicht mehr zu Hause betreut werden können.

Die Corona-Notklinik bleibt bis mindestens Ende 2020 in Bereitschaft

Trotz steigender Infektionszahlen lagen zum Ende der vergangenen Woche nur rund 262 Covid-19-Patienten im Krankenhaus. Auf der Intensivstation waren davon 42 untergebracht. Im Juli war die Notklinik auf dem Messegelände vom Land übernommen wurden. Obwohl seither ungenutzt, wird sie noch bis mindestens 31. Dezember in Bereitschaft bleiben.

Fast 500 Betten in zwei hallen auf dem Messegelände in Hannover sind mit Plastikfolie abgedeckt.

Innerhalb von vier Wochen kann sie einsatzbereit gemacht werden. „Wir wollen abwarten, wie sich die Belegung der Krankenhäuser mit Covid-19-Patienten im Herbst und Winter entwickelt“, sagt die Sprecherin des Gesundheitsministeriums, Stefanie Geisler. Eine Entscheidung für das kommende Jahr solle kurzfristig getroffen werden. Kurzfristig kam auch das Beherbergungsverbot für Reisende aus Risikogebieten innerhalb Deutschlands kurz vor Beginn der Herbstferien, weil die Corona-Zahlen an vielen Orten die kritische Marke überschritten.

Hannover: Die Behelfsklinik wird von vielen Seiten begutachtet

Nach Angaben der Region Hannover sei die Einrichtung der Notklinik von Beginn an eng mit Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) abgestimmt. Regionspräsident Hauke Jagau (SPD) habe im Vorfeld Gespräche auf Landes- und Bundesebene sowie mit Medizinern geführt. „Mit dem Aufbau des Behelfskrankenhauses wollte die Region sicherstellen, dass krasse Situationen mit hohen Sterberaten - wie in anderen Ländern - verhindert und alle Patienten adäquat versorgt werden“, sagt ein Behördensprecher. Auch rückblickend halte die Region die Entscheidung für richtig. Um die steigenden Corona-Zahlen in den Griff zu bekommen, gitb es unter anderem verschiedene Einschränkungen beim Reisen auch innerhalb Deutschlands.

Eine ähnliche Klinik wurde bundesweit nur in Berlin eingerichtet. Ebenfalls auf einem Messegelände. Dutzende Delegationen hätten sich bereits das Behelfskrankenhaus angeschaut, darunter auch mehrere Gruppen aus dem Ausland, sagt der Projektverantwortliche der Deutschen Messe AG, Marcus Eibach. Beim Aufbau hatten die Feuerwehr und die Bundeswehr geholfen, zudem gab es eine Übung mit Hunderten Beteiligten. Im Ernstfall würden im Schichtdienst bis zu 1500 Pflegekräfte und Ärzte auf der Messe arbeiten.

Rubriklistenbild: © Julian Stratenschulte / picture alliance / dpa

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