Merkel: EU-Regeln nötig

Hannover Messe im Zeichen von Indiens Löwen

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Darsteller tanzen bei der Eröffnung der Hannover Messe in Hannover (Niedersachsen). Die Industriemesse findet vom 13. bis 17. April 2015 statt. Partnerland ist im Jahr 2015 Indien.

Hannover - Mit einer starken Folklore-Show von Partnerland Indien hat die Hannover Messe begonnen. Die weltweit größte Industrieschau will die Möglichkeiten der Produktion von morgen ausloten. Die Kanzlerin mahnt Tempo beim digitalen Wandel an und sieht auch die EU in der Pflicht.

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat Deutschlands Nachholbedarf bei der Digitalisierung kritisiert. „Wir müssen in Europa einfach einen Zahn zulegen, genauso wie wir auch in Deutschland einen Zahn zulegen müssen“, sagte die CDU-Politikerin am Sonntag zur Eröffnung der weltgrößten Industrieschau Hannover Messe. „Wir müssen uns jeden Tag ändern“, forderte Merkel mit Blick auf das Zukunftsthema vernetzte Produktion und deren Baustellen, darunter eine leistungsfähige digitale Infrastruktur oder eine Allianz aus Verbänden, Wirtschaft und Forschung.

Die Hannover Messe beleuchtet in ihrer 68. Auflage die industrielle Produktion der Zukunft. Dabei gelten smarte Anlagen und intelligente Maschinenparks als die vierte industrielle Revolution nach Dampfmaschine, Massenproduktion und Automation („Industrie 4.0“).

Mit Blick auf das Partnerland Indien, für das Deutschland der wichtigste Handelspartner in der EU sein, signalisierte sie Interesse an einer Vertiefung der Beziehungen. „Wir freuen uns, dass Ihre Wirtschaft auf Reformkurs ist“, sagte sie an die Adresse von Indiens Premierminister Narendra Modi. Der warb in Hannover um westliche Investitionen - der Subkontinent ist diesmal Partnerland der weltgrößten Industrieschau mit gut 6500 Ausstellern aus rund 70 Ländern.

„Deutschland hat mehr gemacht als jedes andere westliche Land, um Indiens Welt der Wirtschaft zu erschließen“, sagte Modi und bot der deutschen Industrie eine Partnerschaft beim Aufbau eines neuen Indiens an. Es gebe enorme Chancen - Priorität habe der Aufbau einer Erste-Welt-Infrastruktur. Modi versprach die Schaffung eines investorfreundlichen Umfelds und betonte: „Indien steht bereit, um die ganze Welt mit offenen Armen zu empfangen.“

Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) gab zu bedenken, dass der Innovationssprung der Industrie 4.0 Herausforderungen bringe für das lebenslange Lernen und die Mitarbeiterqualifizierung in der Branche. Unter dem Motto „Integrated Industry - Join the Network“ (etwa: Vernetzte Industrie - tritt dem Netzwerk bei) bietet die Messe einen Blick auf die industrielle Produktion der Zukunft.

Die Industrie steht in Deutschland für fast ein Viertel der gesamten Wirtschaftskraft des Landes. „Deutschland ist der Akteur bei der Industrie 4.0“, sagte der Präsident des Maschinen- und Anlagenbauerverbandes VDMA, Reinhold Festge, und bekräftigte das Ziel Weltmarktführerschaft. Das Potenzial der vernetzten Industrie für den Produktionsausstoß und die Ressourcen liege „bei 18 Prozent innerhalb der nächsten fünf Jahre“. Festge betonte: „Deutschland geht auf Kurs 4.0, um auch morgen führende Industrienation zu sein.“

Der digitale Wandel werde die Welt der Produktion nachhaltig verändern. Deutschland sei heute in 16 Sektoren des Maschinenbaus Weltmarktführer, in vier weiteren die Nummer zwei. Auch Festge sprach sich für eine stärkere Kooperation mit Indien aus, mahnte aber zugleich eine weniger rigide Exportkontrollpolitik für Indien an.

Hannover Messe 2015

Die systemübergreifende Kompetenz über Branchen und Disziplinen hinweg sei das Markenzeichen der deutschen Industrie, das es nun zu digitalisieren gelte, sagte Festge: „Es liegt an den Unternehmen, Verbänden, Gewerkschaften und der Politik, diese hervorragenden Voraussetzungen zu nutzen. Die Weiterentwicklung der Plattform Industrie 4.0 ist eine Ansage an die Wettbewerber, aber auch eine Anforderung an uns.“ Die Arbeitswelt 4.0 brauche noch mehr qualifizierte und gut ausgebildete Mitarbeiter.

Ein weiterer Schlüsselpunkt seien die Themen leistungsfähige Datenautobahnen und die Datensicherheit. Dabei sehe die Industrie die Politik besonders in der Pflicht.

dpa

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