Viel Licht aber auch Schatten bei Sprachkursen für Flüchtlinge

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Lehrerin Engela Witte unterrichtet in Vechta (Niedersachsen) an der Universität Deutsch für Flüchtlinge. Mehr als 5800 erwachsene Flüchtlinge absolvieren derzeit in Niedersachsen einen Sprachkurs des Landes.

Hannover - Sprachkenntnisse sind der Schlüssel zu einer gelungenen Integration von Flüchtlingen. Die Nachfrage an den Kursen ist hoch. Doch es gibt auch Probleme - denn die Suche nach geeigneten Dozenten ist nicht so einfach. Nach Ansicht des Landes muss auch der Bund flexibler werden.

Mehr als 5800 erwachsene Flüchtlinge absolvieren derzeit in Niedersachsen einen Sprachkurs des Landes. „Bis zum Ende des ersten Quartals 2016 werden wir 13 500 Menschen mit einem Kurs erreicht haben“, sagte Wissenschaftsministerin Gabriele Heinen-Kljajic (Grüne) am Mittwoch in Hannover. Von den insgesamt 685 Kursen hätten 293 bereits begonnen, die weiteren befinden sich in Vorbereitung und würden in Kürze starten.

Etwa zwei Drittel der mehr als 100 000 Menschen, die 2015 in Niedersachsen Schutz vor Krieg und Elend gesucht hätten, fielen in das Bildungsangebot für Erwachsene, teilte das Wissenschaftsministerium auf Anfrage mit. Für die Bildungsangebote der jüngeren Menschen ist das Kultusministerium zuständig.

2015 seien durch das Ministerium landesweit rund 700 Sprachkurse angeboten worden. Die Erfahrungen mit den Sprachkursen seien „durchweg positiv“, betonte Heinen-Kljajic. Eine hohe Nachfrage verzeichnet auch das auf hoch qualifizierte Flüchtlinge zugeschnittene Angebot zur Vorbereitung auf ein Hochschulstudium.

Probleme gebe es derzeit bei der Suche nach geeigneten Dozenten. „Das ist im Moment der eigentliche Flaschenhals“, sagte die Ministerin. geplant seien deshalb weitere Fortbildungsangebote. Mit Blick auf die wachsenden Klagen von Lehrern, die Deutsch als Fremdsprache als Honorarkräfte unterrichten, aber unter prekären, schlecht bezahlten Arbeitsbedingungen leiden, erklärte Heinen-Kljajic:„Wir werden mit den Einrichtungen noch mal sprechen müssen, dass sie die Konsequenzen ziehen und die Kräfte fest anstellen.“

Generell zeige sich in den Kursen, dass die Bildungsqualifikationen der Flüchtlinge sehr unterschiedlich seien. „In der Debatte um die Bildungsqualifikationen der Flüchtlinge ist eine Versachlichung dringend erforderlich“, sagte Heinen-Kljajic. Weder würden nur Ärzte und Ingenieure nach Niedersachsen kommen, noch stimme das Szenario von lauter ungelernten Kräften oder Analphabeten.

Es sei sehr beeindruckend, wie sich die Menschen in den Kursen trotz ihrer oft schlimmen Erfahrungen vor und auf der Flucht „auf einen Neustart in Deutschland“ vorbereiteten. „Das Interesse ist sehr groß, es gibt kaum Abbrüche“, sagte Heinen-Kljajic. Zur Finanzierung hatte der Landtag im zweiten Nachtragshaushalt 2015 rund fünf Millionen Euro bereitgestellt. Für 2016 umfasst der Etat zehn Millionen Euro.

Trotz des positiven Zwischenfazits gebe es auch Grund zur Kritik. So seien laut Heinen-Kljajic die vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF)angekündigten Kurse wegen bürokratischer Hürden und fehlender Flexibilität ein Problem. „So lange die Integrationskurse des BAMF erst nach der Asylantragsstellung sowie lediglich für Menschen aus vier Herkunftsländern offen stehen und sich die räumlichen und personellen Standards nicht ändern, wird der Bund den Herausforderungen nicht gerecht.“

dpa

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