Kosten betragen rund eine Milliarde Euro

MHH-Gutachten stellt die Weichen: Neubau statt Sanierung in Hannover

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Das Hauptgebäude der Medizinischen Hochschule Hannover ist seit Langem marode.

Hannover - Nach jahrelangem Sanierungsstau soll die baulich marode Medizinische Hochschule Hannover für geschätzt eine Milliarde Euro einen Neubau bekommen.

Nach einem Gutachten kommt eine Sanierung des bestehenden Hauptgebäudes nicht in Betracht. „Hier wird absolute Spitzenmedizin geleistet“, sagte der Gutachter Frank Christ, Geschäftsführer der MMI Schweiz AG. Die Herausforderungen der Zukunft etwa im Bereich der Intensivmedizin könnten aber im MHH-Altbau nicht bewältigt werden.

Bis Ende des Jahres soll nach Angaben des Wissenschaftsministeriums über den genauen Standort des neuen Gebäude-Traktes entschieden werden. Zur Debatte stehen zwei Varianten, beide in unmittelbarer Nähe zu den bestehenden Gebäuden. Zu bedenken sei unter anderem die Belastung für die Patienten während der Bauphase, sagte Wissenschaftsministerin Gabriele Heinen-Kljajic (Grüne): „Niemand mag in einem Krankenhaus liegen, wo wochenlang nebenan der Presslufthammer zugange ist.“

Die Landesregierung will auch die Universitätsmedizin Göttingen sanieren. Insgesamt sollen rund 2,1 Milliarden Euro in die Hochschulmedizin an beiden niedersächsischen Standorten fließen, ein Sondervermögen von 600 Millionen Euro wurde bereits aufgelegt. Es gehe darum, die Universitätsmedizin in Niedersachsen völlig neu aufzustellen, damit sie im internationalen Wettbewerb auf dem neuesten Stand der Technik sei und die Patienten in den nächsten Jahrzehnten optimal versorgt werden, sagte die Ministerin.

Medizincampus in sieben bis zehn Jahren fertig

Der Fertigstellung des neuen Medizincampus wird dem Sachverständigen-Bericht zufolge sieben bis zehn Jahre dauern. Heinen-Kljajic betonte, dass die Kinderklinik absolute Priorität habe und frühstmöglich fertiggestellt werden solle.

Die MHH versorgt überdurchschnittlich viele schwerstkranke Patienten. Dem Gutachten zufolge wird die Bettenzahl der Uniklinik bis zum Jahr 2030 um 9 Prozent wachsen, der Anteil der intensivmedizinischen Pflegebetten werde dann 15,7 Prozent betragen. Heute sind es 8,8 Prozent. Für die optimale Versorgung der Patienten sind kurze Wege zwischen den einzelnen Abteilungen entscheidend.

Der CDU-Landtagsabgeordnete Stephan Siemer kritisierte das Vorgehen von Heinen-Kljajic. „Die Ministerin will offenbar im Alleingang noch vor der Landtagswahl Fakten schaffen und bestimmen, wie die Zukunft der MHH aussehen soll“, sagte Siemer.

Kompetenzwirrwarr als Grund für Pannen

Die großen Pannen bei den Bauvorhaben der landeseigenen Uniklinik in der Vergangenheit hatte die Wissenschaftsministerin mit dem Kompetenzwirrwarr zwischen der MHH, dem Finanz- und Wissenschaftsministerium sowie dem staatlichen Baumanagement erklärt.

Unter anderem verschlang ein neues Laborgebäude bislang 32,7 Millionen Euro, steht aber seit zwei Jahren leer, weil die dort eingebaute Stromversorgung sowie die Klimaanlage nicht für die moderne Labortechnik ausreichend sind. Nach dem Gutachten kann es jedoch ebenso wie andere jüngere Gebäude - etwa die Frauenklinik - in den geplanten neuen Medizincampus eingebunden werden.

Anfang 2018 sollen der Ministerin zufolge für die Bauvorhaben an der MHH und der Universitätsmedizin Göttingen zwei Baugesellschaften gegründet werden. Der Präsident der MHH, Christopher Baum, unterstützt das Großvorhaben. Mehr als 90 000 Quadratmeter der Uniklinik seien sanierungsbedürftig, sagte er. Dennoch gehöre die MHH zu den Top 5 der Universitätskliniken in Deutschland. „Wir lernen auch aus den Fehlern der Vergangenheit“, räumte Baum ein. Mit Blick auf einen möglichen Regierungswechsel nach der Landtagswahl am 15. Oktober sagte der MHH-Präsident, dass allen Parteien das Thema sehr wichtig sei.

Wie Gutachter Frank Christ sagte, haben andere Unikliniken ähnliche Probleme wie die MHH. Viele versuchten zunächst die Sanierung von einzelnen Gebäuden. Jedoch hätten sich die Anforderungen an eine moderne Medizin so gewandelt, dass vielerorts nur noch Neubauten in Frage kämen.

dpa

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