Das Fotoalbum einer Flucht - Wenn Bilder Brücken bauen

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Der syrische Fotograf Nader Ismail (r) und der hannoversche Fotograf Nico Herzog besprechen Fotos, die Ismail während seiner Flucht aus Syrien gemacht hat.

Hannover - Von Jennifer Schüller. Nader Ismail hat seine Flucht aus Syrien in Bildern dokumentiert. Eben diese Aufnahmen haben ihm das Kontakteknüpfen in Hannover erleichtert. Ein Beispiel, wie Kunst bei der Integration helfen kann.

Ein Bild sagt mehr als tausend Worte: Diese Redewendung ist selten so passend und wahr wie im Fall von Nader Ismail. Der 24-Jährige floh vor zwei Jahren aus seiner Heimat Syrien. Viel im Gepäck hatte er nicht. Aber es gab einen treuen Begleiter auf der Flucht: seine Kamera. Seine nervenaufreibende und dramatische Reise hat Nader Ismail in Fotos festgehalten. Fotos, die nicht nur ein Stück persönliche Geschichte dokumentieren, sondern auch Zeitgeschichte sind. Das kleine Mädchen, das mit großen Augen verängstigt auf das offene Meer blickt. Oder das Bild vom Deck des Bootes: Planen, Schlaf- und Rucksäcke dicht an dicht, dazwischen Männer und Frauen allen Alters.

Der Betrachter ist ganz nah dran. Fast so, als stünde er mit Ismail auf dem Boot - das die Flüchtlinge nur die „death boats“ nennen - das ihn und eine Handvoll anderer Flüchtlinge nach Italien bringt. Diese Fotos haben für Ismail Brücken gebaut und ihm in Hannover das Anschlussfinden erleichtert. Dabei geholfen hat ihm auch das Hannoveraner Künstler-Netzwerk „kreHtiv“ mit dem Projekt „kreHtiv Brücken bauen“, das sich für die Integration von Flüchtlingen durch Musik und Kunst einsetzt. Auf diese Weise haben sich auch der Fotograf Nico Herzog und Nader Ismail gefunden. Jetzt arbeiten die beiden kreativ zusammen.

„Ich habe Naders Bilder gesehen, als sie in der „Plantage“ ausgestellt wurden“, sagt Herzog. Und bereits da sei ihm klar gewesen: „Der Junge hat Talent.“ Einander persönlich kennengelernt haben sie sich aber er erst später durch Karsten Grimpe von der Initiative „KunstLichtBlick“, die künstlerische Projekte fördert. Grimpe hatte Ismails Bilder in derselben Ausstellung gesehen und war beeindruckt. Danach beschloss er, sich stärker für Ismail und sein Talent zu engagieren. Da Grimpe und Herzog beide „kreHtiv“-Mitglieder sind, kamen sie ins Gespräch: Die Weichen für die Kooperation waren gestellt. Für Herzog stand schnell fest, dass er mit Ismail zusammenarbeiten und ihm dabei helfen möchte, seine fotografischen Fähigkeiten weiter auszubauen.

Grimpe brachte die beiden jungen Männer zusammen, sie tauschten sich aus und begannen über ein größeres Projekt nachzudenken. „Ismail kam auf die Idee, eine Reportage über das Leben in der Flüchtlingsunterkunft zu machen“, sagt Herzog. Deshalb sprachen sie darüber, wie eine solche Bilderserie aufgebaut sein muss, damit die Bilder eine Geschichte erzählen. Dreimal haben sich die beiden bislang getroffen und gefachsimpelt - auf Englisch. Denn noch konnte Ismail keinen Deutschkurs belegen. Das soll sich in den nächsten Wochen ändern. Zwei der Bilder, die Ismail ausgestellt hatte, wurden mittlerweile übrigens sogar verkauft.

Die Fotoprints hängen heute im Büro von der Flüchtlingsbeauftragten der Stadt Düsseldorf, Miriam Koch. Zunächst hatte Ismail mit dem Gedanken gespielt, in Hannover Fotojournalismus zu studieren. Doch diese Pläne hat er verworfen. „Es als Fotograf zu schaffen, ist hart“, sagt der 24-Jährige. Deshalb setzt er jetzt in Deutschland das IT-Studium fort, dass er in seiner Heimat bereits begonnen hatte. Das sei sicherer. In seiner Freizeit möchte er aber weiter fotografieren. Schließlich waren es seine Bilder, die ihm einige Türen geöffnet und schnellen Anschluss in Deutschland verschafft haben. So positiv die Geschichte von Nader Ismail und seinem Ankommen in Hannover auch ist - es steht bereits fest, dass er in Deutschland bleiben kann - die Kontaktaufnahme zu den Flüchtlingen sei nicht einfach, sagt Karsten Grimpe.

Doch das könne er nachvollziehen. Schließlich haben die meisten eine Menge durchgemacht, und kreatives Arbeiten sei definitiv nicht das erste, woran sie denken, wenn sie in Deutschland ankommen. Mit Ismail sei es ein Glücksgriff gewesen, weil er ein so aufgeschlossener Mensch ist. Da sei im Grunde alles wie von alleine zusammengekommen. Und begonnen hat es mit einer Sache: einem Foto.
dpa

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