Gut vorbereitet auf den Ernstfall

Coronavirus-Notklinik Hannover: Impfzentrum auf Messegelände in Betrieb

Auf dem Messegelände in Hannover steht ein 40.000 Liter großer Sauerstofftank. Er soll Patienten in den fast 500 Betten der Corona-Notklinik versorgen. Das Impfzentrum auf dem Gelände ist nun in Betrieb.

  • Auf dem Messegelände in Hannover ist eine Corona-Notklinik und ein Impfzentrum eingerichtet.
  • Die Einrichtung der Klinik für einen zweistelligen Millionenbetrag wurde Ende März 2020 in Auftrag gegeben.
  • Fast 500 Betten für potenzielle Corona-Patienten stehen seither ungenutzt verteilt auf zwei Hallen.

Update 2. Februar 2021: Unter den ersten Impfzentren in Niedersachsen, die ihren Betrieb aufnehmen, ist auch der Standort auf dem Messegelände in Hannover. Am Montag wurden dort die ersten Spritzen gesetzt. „Das ist alles gut durchdacht hier“, lobte der 85 Jahre alte Siegfried Rohde die Organisation in Hannover. Er habe für seinen Termin nur rund eine halbe Stunde benötigt, die Impfung selbst sei „wie die Grippeschutzimpfung“ gewesen.

Wenngleich es aktuell Engpässe bei der Lieferung des Impfstoffes gibt, zeigte sich Ministerpräsident Stephan Weil nach dem Impf-Gipfel am Montag positiv. Die Vertreter der Pharmakonzerne hätten glaubhaft versichert, dass sie maximalen Einsatz in der Produktion der Impfstoffe zeigten, sagte der SPD-Politiker. „Es bleibt allerdings dabei, dass wir vor allem im ersten Quartal viele Impfwünsche noch nicht erfüllen können, weil die Lieferungen dafür nicht ausreichen.“

Senioren warten in einer Impfstraße des Impfzentrums auf dem Messegelände in Hannover. Wegen der Impfstoff-Knappheit sind im Impfzentrum nur vier von acht Impfstraßen in Betrieb.

Mit dem zweiten Quartal bestehe die begründete Hoffnung, dass sich die Liefermengen deutlich erhöhen werden. „Gegen Ende des dritten Quartals werden wir dann - da bin ich zuversichtlich - tatsächlich allen impfwilligen Menschen in Deutschland ein Impfangebot machen können“, meinte Weil.

Insgesamt gibt es in Niedersachsen 50 Impfzentren, am Montag öffneten sieben, im Laufe der Woche sollen insgesamt knapp 30 am Start sein. In einigen Fällen verzögert sich ihr Start aber wegen der Lieferengpässe. Neue Termine konnten nach Angaben des Gesundheitsministeriums seit Freitag nicht angeboten werden. Tausende Senioren stehen schon auf der Warteliste.

Anmelden können sich Frauen und Männer, die 80 Jahre und älter sind

Online unter impfportal-niedersachsen.de

oder telefonisch über die Hotline mit der Nummer 0800 998 86 65

Das Impfzentrum auf dem Messegelände in Hannover hat eine Kapazität von anfangs 450 Impfungen am Tag. Wenn es verlässlich mehr Impfstoff gebe, seien aber auch mehrere Tausend Impfungen am Tag möglich, sagte Regionspräsident Hauke Jagau (SPD). Er bezeichnete den Auftakt als „Licht am Ende eines Tunnels, der noch ganz schön lang sein wird“.

Teile der Notfall-Klinik werden dem Impfzentrum zur Verfügung gestellt

Update 25. Dezember 2020: Kurz vor dem Impfstart liegt die verwaiste Notfall-Klinik auf dem Hannoveraner Messe-Gelände noch immer unberührt da. Ursprünglich hieß es, dass die zwei vorbereiteten Hallen mindestens bis zum 31. Dezember in Bereitschaft bleiben sollen. Kurz vor diesem Datum kommt nun die Frage auf, was mit dem Behelfskrankenhaus, das für einen zweistelligen Millionenbetrag eingerichtet wurde, im kommenden Jahr passiert.

Auf Nachfrage im Niedersächsischen Gesundheitsministerium erklärt ein Sprecher, dass die Klinik zwar bislang nicht für Behandlungen genutzt wurde, aber auch im kommenden Jahr in Bereitschaft bleiben wird. „Eine etwaige Aktivierung wird innerhalb von vier Wochen möglich sein“, sagt Sprecher Matthias Janott. Der Vertrag mit der Deutschen Messe-AG sei ursprünglich auf den 31. Dezember befristet gewesen. „Unter Berücksichtigung der aktuellen Pandemieentwicklung“ hätten sich Ministerium und Messe-AG jedoch geeinigt, das Krankenhaus vorerst bis Ende Juni in Bereitschaft zu halten, „um bei einer entsprechenden Pandemielage kurzfristig weitere Bettenkapazitäten bereitstellen zu können.

Teile des Behelfskrankenhauses werden dem Impfzentrum zur Verfügung gestellt. Dieses ist seit dem 15. Dezember für den Einsatz bereit.

Die Notfall-Klinik mit fast 500 Betten ist in zwei Hallen auf dem Messe-Gelände eingerichtet. Seit dem 15. Dezember sei nun auch das Impfzentrum auf dem Messe-Gelände betriebsbereit, sagt Janott. „Teile des Behelfskrankenhauses werden dem Impfzentrum zur Verfügung gestellt. Dies geschieht in der Absicht, schnell und unbürokratisch Impfressourcen zu entwickeln. Sollten diese Flächen für den eigentlichen Verwendungszweck als Behelfskrankenhaus benötigt werden, können sie innerhalb der Aktivierungszeit von bis zu vier Wochen wieder dem ursprünglichen Zweck zugeführt werden“, erklärt der Ministeriums-Sprecher.

Notfallklinik auf dem Hannoveraner Messe-Gelände im Dornröschenschlaf

Ursprungsmeldung vom 10. November 2020: Hannover - Insgesamt sind es 485 Betten, verteilt auf die Hallen 19 und 20 auf dem Messegelände in Hannover. Abgedeckt sind sie alle mit Plastikfolie. Bereit für den Einsatz. Zu Beginn der Corona-Pandemie wurde die Notfallklinik für einen zweistelligen Millionenbetrag eingerichtet.

Betreiber des Messegeländes:Deutsche Messe AG
Messehallen:26
überdachte Fläche:496.000 Quadratmeter
Kernfläche:131 Hektar

Der Auftrag zur Einrichtung der Behelfsklinik erfolgte unter dem Eindruck der Bilder aus völlig überlasteten Krankenhäusern aus Norditalien. Ende März gab es den Auftrag. Bislang blieben die Plastikfolien unberührt, die Betten leer und die Notklinik kam nicht zum Einsatz. Vor dem Hintergrund der steigenden Infektionszahlen kommt nun die Frage auf, ob die beiden Hallen im Ruhemodus verweilen können. Etliche Landkreise haben bereits den kritischen Schwellenwert von 50 überschritten, darunter auch die Region Hannover.

Corona-Notklinik in Hannover: 485 Betten stehen leer

Einige der rund 500 Betten sind mit mobilen Sauerstoffgeräten ausgestattet. Zwischen Gruppen mehrerer Betten stehen weiße Trennwände, die die Messebauer hochgezogen haben. Dazwischen in regelmäßigen Abständen: Schreibtische. Im Ernstfall kann das medizinische Personal von dort seine Patienten überwachen. CT-Geräte wurden ebenfalls angeschafft. So könnten die Lungen der eintreffenden Patienten möglichst schnell untersucht werden. Draußen vor Halle 20 ragt der Sauerstofftank in die Höhe. Eine Endabrechnung für den zweistelligen Millionenbetrag, den die Einrichtung gekostet hat, gibt es noch nicht.

Seit dem Frühjahr wird für den Fall hoher Infektionszahlen mit dem Coronavirus ein Behelfskrankenhaus mit über 400 Betten vorgehalten. Im Einsatz war das Notfall-Krankenhaus bisher nicht.

Genutzt wurde die Klinik bislang nicht. Die Lage sei selbst zum Höhepunkt der Pandemie im April nicht so schwierig gewesen, dass die Notklinik hätte Patienten aufnehmen müssen heißt es vom niedersächsischen Gesundheitsministeriums. Dennoch sei es richtig gewesen, im März schnell zu handeln, sagt der Verbandsdirektor der Niedersächsischen Krankenhausgesellschaft, Helge Engelke. „Wir sind heilfroh, dass wir sie nicht gebraucht haben.“

Inzwischen steigen die Infektionszahlen wieder und liegen über dem Aprilwert. Entsprechend nimmt der Bestand an den landesweiten Intensivbetten ab.

Hannover: Das Messegelände ist für Bedarfe der Klinik eingerichtet

Niedersachsen verfügt über rund 41.000 Krankenhausbetten, darunter mehr als 2500 Intensivbetten. Auch im Frühjahr waren diese nur zwischen etwa 20 bis 30 Prozent mit Corona-Patienten belegt. Auch wenn zu viele Corona-Infizierte dauerhaft hätten beatmet werden müssen, wären zunächst andere Patienten in Rehabilitationskliniken verlegt worden, um Kapazitäten in den regulären Kliniken freizumachen.

Auch Sanitäranlagen stehen in einer der Halle auf dem Messegelände Hannover bereit.

Rund 70.000 Quadratmeter Fläche sind auf dem Messegelände für die Bedarfe der Notklinik freigeräumt. Neben dem mit Betten gefüllten Teil gibt es einen Aufnahmebereich, eine Halle mit Sicherheitsschleusen und Duschen sowie Toiletten für das Personal, eine Apotheke, eine Kantine und Parkplätze. Vorgesehen ist die Klinik für die Patienten, die zwar keine Behandlung auf einer Intensivstation benötigen, aber dennoch nicht mehr zu Hause betreut werden können.

Die Corona-Notklinik bleibt bis mindestens Ende 2020 in Bereitschaft

Trotz steigender Infektionszahlen lagen zum Ende der vergangenen Woche nur rund 262 Covid-19-Patienten im Krankenhaus. Auf der Intensivstation waren davon 42 untergebracht. Im Juli war die Notklinik auf dem Messegelände vom Land übernommen wurden. Obwohl seither ungenutzt, wird sie noch bis mindestens 31. Dezember in Bereitschaft bleiben.

Fast 500 Betten in zwei hallen auf dem Messegelände in Hannover sind mit Plastikfolie abgedeckt.

Innerhalb von vier Wochen kann sie einsatzbereit gemacht werden. „Wir wollen abwarten, wie sich die Belegung der Krankenhäuser mit Covid-19-Patienten im Herbst und Winter entwickelt“, sagt die Sprecherin des Gesundheitsministeriums, Stefanie Geisler. Eine Entscheidung für das kommende Jahr solle kurzfristig getroffen werden. Kurzfristig kam auch das Beherbergungsverbot für Reisende aus Risikogebieten innerhalb Deutschlands kurz vor Beginn der Herbstferien, weil die Corona-Zahlen an vielen Orten die kritische Marke überschritten.

Hannover: Die Behelfsklinik wird von vielen Seiten begutachtet

Nach Angaben der Region Hannover sei die Einrichtung der Notklinik von Beginn an eng mit Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) abgestimmt. Regionspräsident Hauke Jagau (SPD) habe im Vorfeld Gespräche auf Landes- und Bundesebene sowie mit Medizinern geführt. „Mit dem Aufbau des Behelfskrankenhauses wollte die Region sicherstellen, dass krasse Situationen mit hohen Sterberaten - wie in anderen Ländern - verhindert und alle Patienten adäquat versorgt werden“, sagt ein Behördensprecher. Auch rückblickend halte die Region die Entscheidung für richtig. Um die steigenden Corona-Zahlen in den Griff zu bekommen, gitb es unter anderem verschiedene Einschränkungen beim Reisen auch innerhalb Deutschlands.

Eine ähnliche Klinik wurde bundesweit nur in Berlin eingerichtet. Ebenfalls auf einem Messegelände. Dutzende Delegationen hätten sich bereits das Behelfskrankenhaus angeschaut, darunter auch mehrere Gruppen aus dem Ausland, sagt der Projektverantwortliche der Deutschen Messe AG, Marcus Eibach. Beim Aufbau hatten die Feuerwehr und die Bundeswehr geholfen, zudem gab es eine Übung mit Hunderten Beteiligten. Im Ernstfall würden im Schichtdienst bis zu 1500 Pflegekräfte und Ärzte auf der Messe arbeiten. Mit Material der dpa

Rubriklistenbild: © Ole Spata / picture alliance / dpa

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