Kot und Urin auf dem Boden

Polizisten ekeln sich über Unterkunft bei Obama-Besuch

Hannover - Blut auf Matratzen, Kot und Urin auf dem Boden, Erbrochenes an den Wänden: Drei Hundertschaften der nordrhein-westfälischen Bereitschaftspolizei haben sich geweigert, in Hameln in der Unterkunft zu übernachten, die ihnen für ihren Einsatz während des Besuchs von US-Präsident Barack Obama zugewiesen worden war.

Die Kaserne Linsingen hatte bis vor Kurzem als Landeserstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge gedient. „Das war wirklich unzumutbar“, sagte einer der Beamten am Sonntag der Deutschen Presse-Agentur. 

Die Einsatzplanung sei am Freitag erst auf Druck der Medien bereit gewesen, eine alternative Übernachtungsmöglichkeit zu suchen. Einige Polizisten hatten zuvor in sozialen Netzwerken Fotos aus der Kaserne veröffentlicht. „Und dann sollen wir bei dem Obama-Besuch eine gute Figur abgeben“, sagte der Beamte, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen will.

Der niedersächsische Landespolizeidirektor Knut Lindenau sagte der Deutschen Presse-Agentur am Sonntag, die Kritik sei berechtigt gewesen. Die Unterbringung von rund 4.000 Polizisten zu einem Zeitpunkt, wo praktisch alle Betten rund um Hannover wegen der Messe ausgebucht seien, sei eine immense logistische Herausforderung gewesen.

Die Einsatzkräfte seien enttäuscht von der schlechten Planung, denn auch in der Nacht auf Samstag seien sie in einer ehemaligen Flüchtlingsunterkunft eingebucht gewesen. Erneut habe es viele Diskussionen gegeben, bis die Planer eine Alternative - ein Hotel in Hildesheim - angeboten hätten. „Damit nicht genug: Wir wissen noch nicht, wo wir heute Nacht wohnen werden“, sagte der Beamte weiter. Die nordrhein-westfälischen Gewerkschaft der Polizei (GdP) bestätigte am Sonntag die Vorfälle. Unmittelbar nach Bekanntwerden der „skandalösen hygienischen Situation“ habe sich Nordrhein-Westfalens Innenminister Ralf Jäger (SPD) eingeschaltet und auf eine andere Unterbringung der Beamten bestanden, teilte die GdP mit.

Die Kaserne in Hameln sei vorab mit Kollegen der anderen Bundesländer besichtigt worden. Dabei sei sie grundsätzlich akzeptiert worden, obwohl klar war, dass der Unterbringungsstandard schlicht war. Allerdings sei dann am Freitag beim Einzug der Beamten festgestellt worden, dass der Reinigungszustand schlecht war. "Obwohl sich die Einrichtung insgesamt in einem guten Gesamtzustand befindet, gab es ganz offensichtlich Reinigungsmängel, für die wir uns entschuldigen", sagte der Landrat des Kreises Hameln-Pyrmont, Tjark Bartels. Rund 1.000 Beamte sollten in Hameln untergebracht werden, letztlich übernachten nach den Worten des Polizeidirektors dort nun nur rund 100.

Während des Besuchs von Obama in Hannover sind Tausende Polizisten aus mehreren Bundesländern eingesetzt. In Hannover gibt es wegen der Hannover Messe einen großen Mangel an Hotelzimmern.

Der Landrat kritisierte die Vorgehensweise einiger Beamter, die mit einer „massiv verzerrten öffentlichen Darstellung“ ihrem Unmut freien Lauf ließen. „So bringt man unberechtigt und wohl ungewollt vorherige Nutzer - Schutzsuchende beziehungsweise Angehörige der britischen Streitkräfte - in Misskredit“, hieß es in der Mitteilung des Landkreises.

dpa

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