31.000 Menschen in Hannover von Bombenentschärfung betroffen

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Bombenentschärfung in Hannover

Hannover - Bei einer der größten Bombenentschärfungen in Deutschland seit dem Zweiten Weltkrieg müssen in Hannover am Dienstagabend 31 000 Menschen ihre Wohnungen verlassen. Der Blindgänger war am Vormittag bei Abrissarbeiten auf einem ehemaligen Schulgelände entdeckt worden, teilte die Feuerwehr mit.

Mehr als 70 Jahre lang hatte die 250-Kilo-Bombe unentdeckt unter dem zuletzt von Gymnasiasten und der Volkshochschule genutzten Gelände in der dicht besiedelten Südstadt gelegen. Wegen des Zustands des Blindgängers hatte der Kampfmittelräumdienst eine zügige Entschärfung empfohlen. Die Evakuierung sollte um 20 Uhr beginnen. Aus Containern sollte ein Splitterschutz um den Fundort der Bombe selber errichtet werden. Ausgenommen wurde ein am Rande des Evakuierungskreises liegendes großes Krankenhaus und auch das Landesfunkhaus des Norddeutschen Rundfunks am Maschsee.

Die ICE-Bahnstrecke von Hannover Richtung Kassel bildete den Rand der Evakuierungszone und war ebenfalls nicht betroffen. Als Notunterkunft wurde eine große Mehrzweckhalle neben dem Fußballstadion bereitgehalten. Von der bislang größten Evakuierungsaktion in Deutschland seit Kriegsende waren 2011 in Koblenz rund 45 000 Menschen betroffen. In Hannover hatten zuletzt im Januar 2013 in den Stadtteilen Vahrenheide und Sahlkamp 25 000 Menschen ihre Häuser verlassen müssen. Im Sommer vor zwei Jahren musste dann die komplette Innenstadt von Hannover samt Rotlichtviertel geräumt werden.

Im vergangenen September wurde im Vorort Seelze einer der gefürchteten Wohnblockknacker unschädlich gemacht. Dabei handelt es sich um eine 1,8 Tonnen schwere britische Bombe, die im Umkreis von einem Kilometer Dächer, Türen und Fenster wegsprengte, um den Weg für gewöhnliche Brand- und Sprengbomben freizumachen. Hannover war im Zweiten Weltkrieg vielfach Ziel alliierter Bomber. Alleine bei dem schwersten Bombenangriff auf die Landeshauptstadt in der Nacht zum 9. Oktober 1943 wurden 261 000 Bomben über Hannover abgeworfen, darunter 3000 Sprengbomben. 1245 Menschen kamen ums Leben, 250 000 wurden obdachlos.

Das Stadtzentrum und die dicht besiedelte Südstadt wurden größtenteils zerstört. Auch 70 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs sind Blindgänger eine im Boden schlummernde Gefahr und müssen regelmäßig in vielen deutschen Großstädten unter großen Sicherheitsvorkehrungen entschärft werden. Im vergangenen Jahr wurden in Niedersachsen 42 Sprengbomben mit mehr als 50 Kilo schwerem Sprengköpfen entschärft oder zur Explosion gebracht. Hinzu kamen 27 Seeminen.

In Bremen waren es 28 Sprengbomben. Bei einer missglückten Entschärfung in Göttingen kamen 2010 drei Kampfmittelspezialisten ums Leben. 150 000 Luftbilder der alliierten Luftangriffe auf Ziele in Niedersachsen sind zwar weitgehend ausgewertet. Dennoch lassen sich viele Fragen bis heute nicht beantworten wie die Zahl der abgeworfenen Bomben, die Zahl der entschärften Blindgänger durch die Wehrmacht während des Krieges, durch die Besatzungsmächte nach dem Krieg und durch die ersten Kampfmittelräumer vom Jahr 1948 an.
dpa

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