Ex-Partnerin am Auto mitgeschleift

Bluttat in Hameln: Gutachter hält Angeklagten für schuldfähig

Hannover - Psychisch gestört, aber schuldfähig: Im Prozess gegen einen 39-Jährigen, der seine Frau an seinem Auto 200 Meter durch Hameln geschleift hat, gab ein Sachverständiger Einblicke in die Psyche des Angeklagten.

„Reue oder Scham über das Getane waren in den Wochen nach der Tat nicht zu erkennen“, sagte Gutachter Michael von der Haar am Mittwoch vor dem Landgericht Hannover. Seine weitere Einschätzung: Zwar leide der Angeklagte unter einer Anpassungsstörung, jedoch schränke diese seine Schuldfähigkeit nicht ein. Von der Haar glaubt zudem nicht, dass die Tat im Affekt geschah.

Vielmehr hätten sich an diesem Novemberabend lange unterdrückte Wut und Hass auf die Ex-Partnerin entladen, analysierte der Gutachter. Zuvor hatten Täter und Opfer monatelang um Unterhaltszahlungen gestritten, bis schließlich der Lohn des Mannes gepfändet werden sollte. Auf einen Zettel, der in seinem Auto gefunden wurde, schrieb er vor dem Mordversuch: „Jetzt wird sie von mir gepfändet.“

Angeklagter äußerlich emotionslos

Äußerlich emotionslos verfolgte der wegen versuchten Mordes angeklagte Mann die Aussage von der Haars. Die mangelnde Empathiefähigkeit des mutmaßlichen Täters hatte den Psychiater zuvor zu seiner Einschätzung gebracht, dass ein Mordversuch aus dem Affekt unwahrscheinlich sei. Daran ändere auch nichts, dass der Angeklagte mittlerweile beteuert, dass ihm die Tat leidtun würde.

Außerdem spreche gegen eine Affekttat, dass der Tatverlauf „komplex“ war, so der Gutachter. Der 39-Jährige soll seine Ex-Partnerin erst mit Faustschlägen, dann mit Messerstichen und darauf mit Axthieben misshandelt haben - ehe er ein Seil um ihren Hals knotete, es am Auto festband und losraste. Erst nach mehr als 200 Metern löste sich das Seil und die Frau wurde wie eine Puppe vor einen Imbiss geschleudert.

Urteil für Mittwoch erwartet

„Erniedrigend und barbarisch“ nannten die Anwälte der 28-Jährigen Frau, die als Nebenklägerin auftritt, das Verbrechen. Sie forderten für ihre Mandantin mindestens 250.000 Euro Schmerzensgeld vom Angeklagten.

Bereits am nächsten Verhandlungstag kommenden Mittwoch werden die Plädoyers gehalten. Am selben Tag wolle das Gericht sein Urteil sprechen, sagte der Vorsitzende Richter.

dpa

Rubriklistenbild: © dpa

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