Tathergang bleibt unklar

Urteil nach Tötung und Wurf in die Weser: „Wissen nicht, wer es gewesen ist“

Die Angeklagten im Prozess um die Tote aus der Weser wurden am Donnerstag zu Haftstrafen wegen gefährlicher Körperverletzung verurteilt.
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Die Angeklagten im Prozess um die Tote aus der Weser wurden am Donnerstag zu Haftstrafen wegen gefährlicher Körperverletzung verurteilt.

Eine 19-jährige zweifache Mutter wurde – an eine Betonplatte gefesselt – in einen Weser-Schleusenkanal bei Balge geworfen. Nun wurde das Urteil gegen drei Beschuldigte gesprochen.

Verden – Eine 19-Jährige wurde im April 2020 nackt an eine Betonplatte gefesselt in den Weser-Schleusenkanal im Kreis Nienburg geworfen. Zwei Männer und eine Frau mussten sich dafür seit Anfang Februar vor dem Landgericht Verden wegen Mordes verantworten. Die Richter gehen davon aus, dass die junge Frau bereits tot war, als sie versenkt wurde. Statt lebenslänglich, wie von der Staatsanwaltschaft gefordert, wurden deshalb Donnerstag Freiheitsstrafen zwischen knapp drei und acht Jahren verhängt.

„Es spricht viel dafür, dass wir als Kammer einen der drei Angeklagten verurteilen müssten wegen eines vorsätzlichen Tötungsdeliktes, sei es Totschlag oder Mord, aber wir wissen nicht, wer es gewesen ist“, sagte der Vorsitzende Richter Volker Stronczyk. Nur „eingeschränkt“ habe es „Möglichkeiten der Aufklärung“ in diesem „komplizierten Indizienprozess“ gegeben. Dem Grundsatz „in dubio pro reo“ (Im Zweifel für den Angeklagten) folgend, habe ein Freispruch erfolgen müssen, erklärte er zu Beginn der dreistündigen Urteilsbegründung.

19-jährige zweifache Mutter kommt wohl in Garage ums Leben

In dem Prozess hatten die 40 Jahre alte Frau, ihr 41 Jahre alter Lebensgefährte und ein 54 Jahre alter Freund des Mannes geschwiegen. „Skrupellos“ hatte der 41-Jährige die schwer psychisch kranke Prostituierte wenige Tage vor ihrem Tod „wie eine bloße Ware gekauft“, um mit ihr als Zuhälter Geld zu verdienen. Wegen der Schwere der paranoiden Schizophrenie gelang dies nur noch bei ein paar Freiern.

Die aus Schöningen (Kreis Helmstedt) stammende zweifache Mutter war erst in das Haus des Paares, dann in eine auf dem Grundstück befindliche Garage gebracht worden. Dort ist sie zur Überzeugung der Kammer ums Leben gekommen. Durch die Gabe von zu viel Salz, Abdecken der Luftwege oder durch Erwürgen, „was wahrscheinlicher ist“, erklärte Stronczyk.

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Verurteilt wurden alle drei Nienburger wegen gefährlicher Körperverletzung durch Unterlassen. „Sie hätten professionelle Hilfe herbeirufen müssen“, so die Begründung. Der 41-Jährige hat sich zudem der schweren Zwangsprostitution sowie der Vergewaltigung, versuchten Vergewaltigung und versuchten sexuellen Nötigung schuldig gemacht. Dies betraf sexuelle Handlungen durch drei Freier. Der Mann wurde zu acht Jahren Haft verurteilt.

Zwei Haftbefehle aufgehoben: Verurteilte auf freiem Fuß

Die anderen beiden Angeklagten wurden jeweils der Beihilfe zu diesen Taten schuldig gesprochen. Außerdem wurde die Frau wegen unerlaubter Abgabe von Betäubungsmitteln verurteilt, weil sie dem Opfer einen Joint gegeben hatte. Die Strafe für den 54-Jährigen lautet drei Jahre neun Monate und für die Frau zwei Jahre neun Monate.

Seit Juli 2020 saßen die drei Angeklagten in Untersuchungshaft. Mit dem Urteil wurden die Haftbefehle für die 41-Jährige und den 54-Jährigen aufgehoben. Sie kamen sofort auf freien Fuß. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

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