Häusliche Gewalt hat in Niedersachsen zugenommen 

Hannover - Viele Frauen in Deutschland erleben häusliche Gewalt - in Form von sexueller Belästigung oder Bedrohung bis hin zu Prügel. Schutz sollen Platzverweise oder im Notfall Frauenhäuser bieten.

Mehr Menschen sind im vergangenen Jahr in Niedersachsen Opfer häuslicher Gewalt geworden. Das Landeskriminalamt registrierte 2015 insgesamt 16.499 solcher Straftaten. Das sind 1058 mehr als 2014. Unter häuslicher Gewalt werden in der polizeilichen Kriminalstatistik Straftaten wie sexuelle Belästigung oder Nötigung, Demütigung, Beleidigung, Prügel, Bedrohung, soziale Kontrolle oder Stalking erfasst, die im häuslichen Umfeld passieren. Meist ist die Wohnung der Tatort. Die Opfer sind geschätzt zu 80 Prozent Frauen.

Am Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen am Freitag wollen Frauenrechtsorganisationen wie Terre des Femmes die Öffentlichkeit auf die Situation vieler Frauen aufmerksam machen. Laut der Organisation ist jede vierte Frau in Deutschland von häuslicher Gewalt betroffen.

Platzverweise seien hilfreich

Gegen Gewalttäter kann die Polizei beispielsweise einen Platzverweis erteilen. Die betroffene Person dürfe einen Standort daraufhin vorübergehend nicht verlassen oder nicht betreten, erklärte ein Sprecher des Landeskriminalamts. Im Jahr 2014 hat die Polizei 2030 Platzverweise im Zusammenhang mit häuslicher Gewalt in Niedersachsen verhängt, 2015 waren es 1987.

"Platzverweise sind ein hilfreiches Mittel, wenn Täter sich daran halten", sagt Birte Rohles, Referentin für häusliche und sexualisierte Gewalt von Terre des Femmes. Das sei aber besonders bei sehr gewalttätigen Männern häufig nicht der Fall. "Sie ignorieren den Platzverweis und belästigen oder attackieren die Frauen weiterhin."

Die Betroffenen können deshalb in Frauen- und Mädchenhäuser flüchten. Im Jahr 2015 haben nach Angaben des niedersächsischen Sozialministeriums 2 086 Frauen und 1 848 Kinder Schutz in solchen Häusern gesucht. Laut des Sozialministeriums liege die Auslastungsquote der Häuser zwischen 2012 und 2015 bei rund 70 Prozent.

Hilfe für Opfer und Täter

Deutlich gestiegen sei der Anteil von Frauen mit Migrationshintergrund von 41 Prozent im Jahr 2010 auf über 62 Prozent 2015. Durchschnittlich blieben die Frauen 90 Tage in den Einrichtungen. Insgesamt biete das Land Niedersachsen 41 Frauenhäuser, 38 Gewaltberatungsstellen und Notrufe sowie 29 sogenannte Beratungs- und Interventionsstellen bei häuslicher Gewalt an. Nicht nur für die Opfer, sondern auch für die Täter gebe es mittlerweile Hilfsangebote in elf Täterberatungsstellen, erklärte das Ministerium.

Mit "Worte helfen Frauen" habe Niedersachsen im Januar 2016 als erstes Bundesland ein Projekt speziell zum Schutz vor sexueller Ausbeutung und Gewalt für Flüchtlingsfrauen und -mädchen gestartet. Beratungsstellen können darüber Übersetzer für Gespräche finanzieren, zum Beispiel bei der Schwangerschaftsberatung. Das Projekt soll in den kommenden Jahren ausgeweitet werden.

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