Gewalt gegenüber Frauen

Häusliche Gewalt in Niedersachsen: Ministerin wirbt für Hilfsangebote für Frauen

Die Zahl der gewalttätigen Übergriffe gegenüber Frauen steigt. Niedersachsens Sozialministerin Behrens macht daher auf die zahlreichen Hilfsangebote aufmerksam.

Hannover – Die Anzahl der gewalttätigen Übergriffe gegenüber Frauen steigt in Deutschland seit Jahren. Die Corona-Pandemie verschärft das Problem.

Niedersachsens Sozialministerin Daniela Behrens (SPD) hat deshalb betroffene Frauen aufgerufen, die bestehenden Hilfsangebote zu nutzen. „Der Anstieg von häuslicher Gewalt während der Pandemie ist erschreckend“, sagte die Politikerin der Deutschen Presse-Agentur.

29 Menschen kamen im Jahr 2020 durch häusliche Gewalt ums Leben, darunter 24 Frauen. (Symbolbild)

Umso wichtiger sei es, dass die Betroffenen das flächendeckende Netz an Hilfsangeboten und das gesamte niedersächsische Gewaltschutzsystem für Frauen nutzten. Frauen sind in Beziehungen häufiger von Gewalt betroffen als Männer. Frauen trifft die Corona-Pandemie in verschiedenen Bereichen deutlich härter* als Männer.

Die 43 vom Land geförderten Frauenhäuser sind laut Ministerium auf gleichbleibend hohem Niveau belegt, der Druck ist unter anderem im Landkreis Verden zu spüren. Es seien aber auch während der Pandemie zwischen 10 und 15 Prozent der Plätze frei, sodass noch Hilfesuchende aufgenommen werden könnten. Die regionale Auslastung sei unterschiedlich, tendenziell sei der Bedarf an Frauenhausplätzen in Ballungsräumen besonders groß. Zuletzt waren den Angaben zufolge 53 von 398 Plätzen in 26 Frauenhäusern frei (Stand 14. Juli). Eine Übersicht zu allen Frauenhäusern in Niedersachsen finden sie hier.

Fälle von häuslicher Gewalt in Niedersachsen (2020)21.509 (+ 1343)
Fälle von häuslicher Gewalt in Niedersachsen (2019)20.166
Personen, die durch häusliche Gewalt gestorben sind (2020)29
davon Frauen, die durch häusliche Gewalt gestorben sind24

Während die polizeilich registrierten Straftaten in Niedersachsen im Jahr 2020 einen historischen Tiefstand erreicht haben, ist die Gewalt in Partnerschaften* deutlich gestiegen.

Im vergangenen Jahr wurden in Niedersachsen 21.509 Fälle von häuslicher Gewalt registriert, das war eine Zunahme von 1343 Fällen im Vergleich zu 2019, wie aus der Polizeilichen Kriminalstatistik hervorgeht. 29 Menschen kamen im Jahr 2020 durch häusliche Gewalt ums Leben, darunter 24 Frauen.

Dunkelfeldstudie zu häuslicher Gewalt: Nur wenige Taten werden angezeigt

Das Landeskriminalamt in Hannover will in einer Dunkelfeldstudie herausfinden, wie viele Taten in Familien gar nicht erst den Behörden bekannt werden. Zum Start dieser Studie im März sagte der niedersächsische Innenminister Boris Pistorius (SPD): „Wir wissen, dass nur sehr wenige Taten von den Betroffenen angezeigt werden. Gerade im Corona-Lockdown müssen wir aber wissen, ob es hier Zunahmen gibt und wie wir weiter gegensteuern und den Personen helfen können, die unter gewalttätigen Partnern leiden müssen.“

Die Kritik an dem geplanten Austritt der Türkei aus der Istanbul Konvention* zum Schutz von Frauen war groß. Dennoch stieg die Türkei wie angekündigt aus. (dpa) * kreiszeitung.de und 24hamburg.de sind ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Maurizio Gambarini/ dpa

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