Trauma in Buch verarbeitet

„Hätte jede Mutter getan“: Frau tötet Nachbarn, der ihren Sohn missbrauchte

Dreieinhalb Jahre saß eine Londoner Mutter im Gefängnis. Sie tötete den Nachbarn, der ihren Sohn missbraucht hatte. Nun erscheint ihr Buch „Loss of Control“.

London – Im Jahre 2015 erhält eine Frau aus London eine Nachricht, die ihr Leben erschüttern sollte. Eine der abscheulichsten Albträume für Eltern sollte sich bewahrheiten. Ihr Sohn wurde von einem Mann missbraucht: Es war ihr Nachbar, der diese schreckliche Tat begann. Wenig später wird der 77-jährige Michael Pleasted tot in seiner Wohnung aufgefunden. Die alleinerziehende Frau habe aus Mutterliebe gehandelt. Sie habe das getan, was „jede Mutter getan hätte“, sagt sie. Dreieinhalb Jahre saß sie als verurteilte Totschlägerin im Gefängnis. Nun erzählt sie die ganze Geschichte in ihrem Buch „Loss of Control“

Stadt:London
Land:England
Fläche:1.572 km²
Bevölkerung:8,982 Millionen (2019)

Mutter tötet Nachbarn, der ihren Sohn missbraucht hat – und muss ins Gefängnis

Wie bei einem 50-jährigen Mann, dem im Göttinger Missbrauchsprozess eine Haftstrafe von sechs Jahren auferlegt wurde*, hatte sich hergestellt hatte, dass Michael Pleasted Wiederholungstäter war. 24-mal wurde der Londoner wegen Sexualdelikten verurteilt. Dann blieb er lange unbehelligt auf freiem Fuß. Nach dem Angriff wurde die Mutter verurteilt. Das Urteil: Totschlag wegen Kontrollverlusts. Sarah Sands musste vor sechs Jahren ins Gefängnis. Das Strafmaß belief sich auf dreieinhalb Jahren.

Wenige Jahre nach ihrer Freilassung spricht sie in einem Interview mit der britischen Zeitung „The Sun“ über den Abend. „Ich habe getan, was jede Mutter tun würde, weil er das meinem Sohn Bradley, meinem kleinen Jungen, angetan hat“, so die mittlerweile 38-Jährige. Es war ein Racheakt – begangen aus Mutterliebe, die die Frau zur Tötung des 77-jährigen Mannes hinriss.

Sie sei nicht stolz auf die Tat, dennoch bedauert sie ihre Reaktion nicht. „Ich war eine Mutter, die verzweifelt ihre Kinder beschützen wollte“, sagte Sarah Sands zu ihrem Motiv. „Wenigstens weiß ich, dass er niemanden mehr verletzen kann“, so die Mutter weiter.

„Ich war eine Mutter, die verzweifelt ihre Kinder beschützen wollte“

Im Interview rollt sie die Ereignisse des Abends ein weiteres Mal auf. „Ich erinnere mich, dass ich ein Messer in die Hand nahm und zu Mick ging. Ich wollte ihn dazu überreden, sich schuldig zu bekennen, damit Bradley nicht aussagen muss“, sagte sie. Ihr Nachbar öffnete die Tür, doch die Worte der aufgebrachten Mutter prallten ab. „Ich konnte nicht zulassen, dass noch jemand verletzt wird – jemand musste die Leute beschützen“, lässt sie die Zeitung an ihren Gedanken teilhaben. Wenig später sticht sie ihren Nachbarn mit einem Messer in die Stirn.

In ihrem Buch „Loss of Control“ berichtet die Mutter Sarah Sands von den traumatischen Erlebnissen.

Sarah Sands sah keinen anderen Weg. Während der niedersächsischen Polizei am Ganderkesee einen Schlag gegen Kinderpornografie gelang*, blieben Konsequenzen für den 77-jährigen Nachbarn zunächst aus. Frühere Opfer warnten bereits im Vorfeld vergeblich die Polizei, den Sozialdienst und die Wohnungsbehörde. Mit einer Namensänderung versuchte der Mann seine kriminellen Taten zu vertuschen, um weiterhin „Kinder angreifen“ zu können – so wie auch Sarahs Sohn zum Opfer des pädophilen Mannes wurde.

Ein Jahr vor dem Vorfall, 2014, arbeite ihr Sohn Bradley, um sein Taschengeld aufzubessern, im Geschäft von Michael Pleasted. Wochen später, nachdem ihr Sohn den Nebenjob gekündigt hatte, erfuhr die Mutter die schlimme Wahrheit, die ihr Leben drastisch verändern sollte.

„Die Schuldgefühle, ihn nicht beschützt zu haben, überwältigten mich“

Im Interview schildert Sarah Sands die Situation beim Geständnis ihres Sohnes: Der Täter Michael Pleasted wurde des Kindermissbrauchs an zwei 12-Jährigen beschuldigt. Als Sarahs Sohn dies erfuhr, brach er zusammen: „Ich fand ihn an den Haaren ziehend, schaukelnd, zitternd und weinend. Er sagte immer wieder: ‚Ich hätte es dir vorher sagen sollen – das hätte ihn davon abhalten können, diese jüngeren Jungs zu bekommen.‘“

Damit solche traumatischen Ereignisse mehr Aufmerksamkeit erfahren und den Opfern zu helfen, verkaufte ein Künstler aus der niedersächsischen Stadt Harpstedt vor Kurzem Poster*. Auch Ikke Hüftgold setzte kürzlich in einem Video ein Zeichen, indem der Schlagerstar skandalöse Zustände bei einem Sat. 1-Dreh aufdeckte. Dort sei das Kindeswohl vorsätzlich ignoriert worden.

„Loss of Control“: Sarah Sands Buch ist 2021 erschienen

„Die Schuldgefühle, ihn nicht beschützt zu haben, überwältigten mich. Da habe ich das Messer genommen und bin zu Mick gegangen“, erklärt die Mutte ihre Tat. Im August 2018 endet die Haftstrafe für die 38-jährige Mutter aus London. In ihrem 2021 erschienenen Buch mit dem Titel „Loss of Control“ will sie nun endlich mit der Vergangenheit abschließen. * 24hamburg.de und kreiszeitung.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © IMAGO / Elmar Gubisch

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