Häftlinge lösen Mordfall - Gericht erörtert Geständnis im Fall Jenisa

Hannover - Von Michael Evers. Häftlinge, die sich mit Hinweisen zu Verbrechen wichtig tun und sich davon Vorteile hinter Gittern versprechen, gibt es viele. Im Mordfall Jenisa führten solche Tipps aber tatsächlich zur Leiche und dem mutmaßlichen Täter.

Wenn es das Drehbuch eines Fernsehkrimis wäre, hielte man die Geschichte wohl für überzogen: Zwei Häftlinge erschleichen sich mit wilden Fantasiegeschichten das Vertrauen eines Mitgefangenen. Der gesteht ihnen daraufhin einen jahrelang ungeklärten Sexualmord an einem achtjährigen Mädchen. Mit diesen Informationen finden Fahnder am Waldrand das Skelett des Kindes und bringen den mutmaßlichen Täter vor Gericht.

Genauso aber hat es sich im Fall der 2007 verschwundenen Jenisa in Hannover abgespielt. Am Mittwoch sagte einer der Häftlinge als Zeuge vor dem Landgericht aus.

Eigentlich sieht der kahlgeschorene, kräftige 50-Jährige kaum so aus, als könne ihn leicht etwas erschüttern. Als er dann aber wiedergibt, wie der Angeklagte ihm den Sexualmord geschildert habe, stockt seine Stimme. Ihr Vater wäre schuld, dass sie sterben müsse, habe der Angeklagte der eingeschüchterten Nichte seiner Lebensgefährtin gesagt, als er sie an einem Waldrand zwingt, sich auszuziehen.

Hintergrund sei ein Familienstreit: Immer wieder habe die Familie seiner Lebensgefährtin ihn schikaniert und versucht, dass Paar auseinanderzubringen. „Er wollte sich an der Familie rächen“, meint der Häftling. „Wenn man ein Kind tötet, leidet die Familie ein Leben lang“, habe der Angeklagte gesagt. „Er sprach immer von Hass.“

Regungslos, den Blick nach unten gerichtet, verfolgt der Angeklagte - selber Vater von fünf Kindern - die Schilderungen. Bislang schweigt er eisern vor Gericht, auch bei der Polizei hat er nichts gestanden. Dabei war er schon 2007 der Hauptverdächtige, kam aber mangels Beweisen wieder aus der U-Haft frei. Als er wegen des Mordes an dem fünfjährigen Dano in Herford hinter Gittern landet, rückt er wieder in den Fokus der Justiz.

Auch der Häftling und ein Mitgefangener nehmen sich den neuen Insassen in Haus 6 der JVA Bielefeld vor. „Wir wollten, dass es aufgeklärt wird und die Eltern ihre Ruhe finden“, sagt der Häftling vor Gericht. Dass man die Geschichte vielleicht auch in den Medien vermarkten könne, habe für seinen Kumpel auch eine Rolle gespielt.

Justizvollzugsbeamte ermöglichen, dass der Angeklagte regelmäßig mit den beiden Häftlingen in einem Aufenthaltsraum zusammen ist. Dort bringen beide den Angeklagten zum Plaudern - über den Mord an Dano und den Fall Jenisa. Er könne einen hervorragenden Anwalt vermitteln und einen Draht legen zu jemanden, der Jenisas Leiche verschwinden lassen könne, gaukelt der vor Gericht noch nicht gehörte Häftling vor. Dadurch geködert soll der Angeklagte eine 31-seitige Zusammenfassung seines Geständnisses unterzeichnet haben.

Zudem soll der Angeklagte seinem Mithäftling gestanden haben, noch vor dem Fall Jenisa versucht zu haben, einen jüngeren Bruders ihres Vaters zu erstechen. Weil sich unmittelbar vor der Attacke zu viele Menschen in der Nähe befunden hätten, sei es nicht zu der Tat gekommen.

Zu den konspirativen Geschehnissen hinter Gittern passt, dass die Aufklärung von Jenisas Fall für die beiden Häftlinge nicht der erste Fall war. Auf Fragen des Staatsanwalts sagt der 50-Jährige, dass sie in zwei weiteren Mordfällen aktiv geworden seien. Darunter auch der Fall eines verschwundenen Physiotherapeuten, dessen Leiche noch in einem See schlummere. Im Fernsehen wäre das der Stoff für die nächste Krimifolge.

dpa

Das könnte Sie auch interessieren

Erneuter Rückschlag für BVB - Bayern schließen auf

Erneuter Rückschlag für BVB - Bayern schließen auf

Rajoy kündigt Regierungsabsetzung in Katalonien an

Rajoy kündigt Regierungsabsetzung in Katalonien an

Artistisches Abschlusstraining

Artistisches Abschlusstraining

Krause-Sause in der Halle 7

Krause-Sause in der Halle 7

Meistgelesene Artikel

Landtagswahl 2017 - Vorstellung der Parteien

Landtagswahl 2017 - Vorstellung der Parteien

Mann sticht im Streit auf 40-Jährigen ein - Festnahme

Mann sticht im Streit auf 40-Jährigen ein - Festnahme

Motorradfahrer stirbt bei Zusammenstoß

Motorradfahrer stirbt bei Zusammenstoß

SPD siegt und steht vor schwierigen Koalitionsgesprächen

SPD siegt und steht vor schwierigen Koalitionsgesprächen

Kommentare