Nährstoffbericht vorgelegt

Gülle in Niedersachsen: Auf dem richtigen Weg, aber noch immer zu viel

Seit einiger Zeit fahren sie wieder rund um die Uhr: Traktoren mit Güllefässern. Der Gestank ist nicht zu ignorieren. Nun hat Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast (CDU) den Nährstoffbericht vorgestellt.

Update vom 11. März, 9 Uhr: „Der positive Trend ist gut, er motiviert auch, aber es gibt noch etwas zu tun“, sagte Niedersachsens Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast (CDU) über die Inhalte im Nährstoffbericht für Niedersachsen.

Eine wichtige Rolle für die gesunkenen Stickstoff-Werte hat laut Düngebehörde die deutlich geschrumpfte Zahl an Tieren gespielt. So ging die Anzahl der Rinder, vor allem der Milchkühe, um mehr als 90.000 auf 2,4 Millionen Tiere zurück. Die Zahl der Schweine sank um fast 163.000 auf 10,6 Millionen Tiere, und auch das Geflügel schrumpfte um 331.000 Tiere auf 103,3 Millionen. Insgesamt fielen knapp 46 Millionen Tonnen Dung an. 8,6 Millionen Tonnen davon kamen in Biogasanlagen - zunehmend werden diese mit Gülle und nicht mit Mais befeuert.

Gülle in Niedersachsen: Landvolk sagt, Bauern strengen sich an

Der Bauernverband Landvolk Niedersachsen sieht in dem neuen Nährstoffbericht eine Bestätigung, dass die Landwirte sich anstrengen, die Düngung effizienter und umweltfreundlicher zu gestalten. Es könne aber noch einige Jahre dauern, bis auch die Nitratgehalte an den Messstellen sinken, teilte der Verband mit. Deshalb seien die Anpassungen des Düngerechts im vergangenen Jahr und die weitere Verschärfung der Landesdüngeverordnung für die Landwirte nicht nachvollziehbar.

Aus Sicht der Grünen hängt die positive Entwicklung bei der Stickstoffausbringung mit der Dürre 2019 zusammen, weswegen weniger Kunstdünger auf die Äcker und Felder gekommen sei. 17 Landkreise hätten nach wie vor einen Stickstoffüberschuss oberhalb des Düngebedarfs, sagte die agrarpolitische Sprecherin der Grünen-Landtagsfraktion, Miriam Staudte: „Es braucht nach wie vor eine Strategie zur nachhaltigen Verringerung der Tierzahlen in den Intensivtierhaltungsregionen statt pauschaler Vorgaben für alle.“

Mit einem Schleppschuhverteiler wird die Gülle auf den Acker gebracht.

Die Umweltschutzorganisation BUND sieht Handlungsbedarf. „Dass die Tierbestände und damit die Stickstoffüberschüsse in Niedersachsen laut Nährstoffbericht 2019/2020 etwas gesunken sind, ist grundsätzlich erfreulich“, sagt Susanne Gerstner, BUND-Landesgeschäftsführerin. Dennoch sei der Überschuss von rund 28.000 Tonnen Phosphat im Land besonders besorgniserregend, denn dies stelle ein großes Problem für unsere Flüsse und Seen dar.

Gebiete mit einem Nährstoffüberschuss und belastetem Grundwasser werden als „rote Gebiete“ bezeichnet - dort müssen die Landwirte ihre Düngung pauschal um 20 Prozent reduzieren. Derzeit wird an einem neuen Zuschnitt dieser Gebiete gearbeitet. Mit Wasserverbänden und Landwirtschaft habe sich das Land in dem Zusammenhang auf ein mehrjähriges Phasenmodell verständigt, sagte Umweltminister Olaf Lies (SPD). Aktuell seien 24,5 Prozent (645.392 Hektar) landwirtschaftlicher Flächen betroffen. Auch das sei noch zu hoch. Lies: „Dort, wo es hohe Belastungen im Grundwasser gibt, müssen auch Maßnahmen ergriffen werden, um dies zu reduzieren. Die Umsetzung eines echten Verursacherprinzips wird dabei einen hohen Stellenwert haben.“

Meldung vom 10. März: Die gute Nachricht vorweg: Es wird weniger gedüngt in Niedersachsen. Allerdings ist es immer noch zu viel. Das ist das Resultat des am Mittwoch in Hannover vorgestellten aktuellen Nährstoffberichts der Landesregierung. Die Daten spiegeln den Zeitraum vom 1. Juli 2019 bis zum 30. Juni 2020.

BundeslandNiedersachsen
HauptstadtHannover
LandwirtschaftsministerinBarbara Otte-Kinast (CDU)
Webseite niedersachsen.de

Deutliche Verbesserungen gab es demzufolge bei der Ausbringung von Stickstoff: Insgesamt wurde die erlaubte Obergrenze nur noch um 692 Tonnen überschritten. Im Vorjahr waren es noch 31.000 Tonnen zu viel. Neben einem spürbaren Rückgang bei der Anzahl der gehaltenen Tiere sei auch ein deutlich gesunkener Mineraldüngereinsatz für den Rückgang verantwortlich, hieß es. Wird mehr Stickstoff gedüngt als die Pflanzen aufnehmen, gefährdet er als Nitrat das Grundwasser.

Schlechter sieht die diesjährige Bilanz bei Phosphat aus: In elf Landkreisen und der Stadt Wilhelmshaven wurde mehr aus Gülle und Mist stammendes Phosphat auf die Flächen ausgebracht als erlaubt. Zu viel Phosphat führt zur Überdüngung von Bächen, Flüssen und Seen. Dem Bericht zufolge lag der landesweite Phosphat-Überschuss bei knapp 27.950 Tonnen - im Vorjahr wurden noch 33.000 Tonnen zu viel gedüngt.

Gülle ist Streitthema in Niedersachsen

Die Frage, wie intensiv Landwirte ihre Flächen düngen dürfen, ist ein Dauer-Streitthema in Niedersachsen. Der Streit ums verschärfte Düngerecht hat in den vergangenen Monaten immer wieder Landwirte zu Protestaktionen mit ihren Treckern provoziert. Auch das Landvolk hatte im vergangenen Jahr eine Klage von Landwirten vor dem Oberverwaltungsgericht Lüneburg unterstützt. Die schärferen Regeln, die in besonders stark belasteten Gebieten eine pauschale Absenkung der Düngung um 20 Prozent vorsehen, werden von den Landwirten heftig kritisiert. Sie befürchten Mindererträge. (dpa)

Da die Vegetation für einen gewissen Zeitraum im Jahr ruht, haben die Pflanzen in dieser Zeit auch keinen Nährstoffbedarf. Der Gesetzgeber hat deshalb eine „Sperrfrist“ für Ackerland und Grünland bestimmt, in dessen Zeiträumen Gülle auf keinen Fall ausgebracht werden darf.

Gülle darf nicht immer ausgebracht werden

In folgenden Zeiträumen darf der Landwirt keine Gülle ausbringen: Ackerland, ab der Ernte der letzten Hauptfrucht bis 31. Januar;
Grünland: bei einer Aussaat bis zum 15. Mai in der Zeit vom 1. November bis 31. Januar. In Regionen mit erhöhten Auflagen (Stichwort nitratbelastete Gebieten) ist die Sperrfrist für Grünland um zwei Wochen verlängert und gilt somit vom 15. Oktober bis 31. Januar. Ab Herbst 2021 wird der Gülleeinsatz auf Flächen in nitratsensiblen Gebieten weiter eingeschränkt.

Laut der Landwirtschaftskammer haben Landwirte allerdings die Möglichkeit, eine „Sperrfristverschiebung“ für ihren gesamten Betrieb zu beantragen. Mit dem Antrag kann der Landwirt die offizielle Sperrfrist entweder vorziehen oder nach hinten verlagern.

Ein Bauer bringt Gülle auf einem Feld aus.

Ergänzend kommen noch witterungsbedingte Komponenten hinzu. In den vergangenen Jahren konnten bei tagsüber auftauenden Böden Nachtfröste genutzt werden, um die genannten Düngemittel bodenschonend ausbringen zu können. Aufgrund EU-Vorgaben wurde die Auslegung im Mai 2020 geändert: Danach muss der Boden nun völlig frostfrei sein. Das bedeutet: Sobald die Bodenoberfläche gefroren ist, auch wenn sie um die Mittagsstunden wieder auftaut, darf nicht ausgebracht werden. Gleiches gilt, wenn die Oberfläche frostfrei, einige Zentimeter darunter aber noch Eis im Boden ist.

Schneebedeckte Flächen dürfen nicht gedüngt werden. Da es keine Höhenbeschränkung gibt, ist auch bei geringer Schneeauflage keine Düngung mehr zulässig. Als Richtschnur empfiehlt die Landwirtschaftskammer, dass eine Düngung verboten ist, sobald die Bodenoberfläche wegen des Schnees nicht mehr zu erkennen ist. 

Überschwemmte oder wassergesättigte Flächen dürfen grundsätzlich nicht gedüngt werden. Erkennbar sind sie daran, dass auf freier, ebener Fläche (nicht Fahrspuren) Wasserlachen sichtbar sind oder beim Formen des Bodens (außer Sand) Wasser austritt oder die Befahrbarkeit bei frostfreiem Boden nicht möglich ist.

Rubriklistenbild: © picture alliance/Patrick Pleul/zb/dpa

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