Vorstoß auch für Deutschland?

Großbritannien lockert Blutspende-Zulassung für Nicht-hetero-Männer

Gay- und Bi-Männer dürfen in vielen Ländern kein Blut spenden oder nur unter strengen Bestimmungen – auch in Deutschland. Großbritannien leutet einen Wandel ein.

London, England – Seit 2017 dürfen homosexuelle und bisexuelle Männer, die immer noch diskriminiert werden, in Deutschland zwar Blut spenden, doch die Auflagen dafür sind demütigend und setzen sexuelle Enthaltsamkeit voraus. So dürfen Nicht-Heteros nur dann spenden, wenn sie ein Jahr lang nicht intim mit einem Mann waren – selbst wenn sie es sich um den eigenen Partner handelt und sich beide entsprechend schützen.

StadtLondon
LandVereinigtes Königreich
Einwohner8.961.989 (2019)
BürgermeisterSadiq Khan (Labour)

Grund dafür ist, dass Nicht-hetero-Männer statistisch häufiger mit HIV (Humanen Immundefizienz-Virus) infiziert sind. Auch transgeschlechtliche Menschen werden gesondert als sexuelle Risikogruppe aufgeführt – ohne Angabe von medizinischen Gründen, wie der Lesben- und Schwulenverband mitteilt. All dies traurige Höhepunkte der Feindlichkeit gegenüber als „Nicht normal“ angesehen Menschen, die sich leider noch immer dauernd Hetze und Gewalt ausgesetzt sehen. Auch der Bremer Pastor Olaf Latzel stand wegen Beleidigungen gegen Homosexuelle vor Gericht. Überdies ist in Bremen erst kürzlich ein homophober Täter verurteilt worden, der junge Männer monatelang terrorisierte.

Blutspende: Richtlinie der Bundesärztekammer entscheidet über Ausschluss

Dem Transfusionsgesetz folgend, entscheidet eine Richtlinie der Bundesärztekammer über einen Ausschluss von „spendewilligen Personen“ von der Blutspende. In der aktuellen Richtlinie von 2017 heißt es, dass „Personen zeitlich begrenzt von der Spende zurückzustellen sind, deren Sexualverhalten ein gegenüber der Allgemeinbevölkerung deutlich erhöhtes Übertragungsrisiko für durch Blut übertragbare schwere Infektionskrankheiten“*, wie HBV, HCV oder HIV, birgt.

Auch auf dem Christopher Street Day in Berlin setzten sich die Teilnehmer für mehr Rechte für Homosexuelle ein.

Schwule und bisexuelle Männer durften in Deutschland vor 2017 gar ein Blut spenden

Vor 2017 durften schwule und bisexuelle Männer in Deutschland gar kein Blut spenden. Der Lesben-und Schwulenverband fordert, dass Homo- und bisexuelle Männer in Deutschland nicht von der Blutspende ausgeschlossen werden, wenn sie nur geschützte intime Kontakte mit anderen Männern hatten und HIV-negativ sind. Die explizite Nennung von Trans-Personen als eigene „Risikogruppe“ sei stigmatisierend und müsse gestrichen werden. In Ungarn ist man hingegen noch lange nicht so weit: Dort sollen stattdessen Aufklärungsprogramme gestrichen und die Darstellung von Homosexuellen als Teil der Normalität gänzlich verboten werden. 

Großbritannien geht jetzt einen wichtigen Schritt und lockert die Blutspende-Zulassung für Schwule und Bi-Männer. Zum Weltblutspendetag am Montag (14. Juni) traten in Großbritannien nun Lockerungen in Kraft. Nicht-hetero-Männer dürfen ab sofort auch dann ihr Blut spenden, wenn sie in den vergangenen drei Monaten ein aktives Liebesleben geführt haben – vorausgesetzt, sie hatten dabei nur einen Partner. Ob es einen Zusammenhang damit gibt, dass Blutspenden in der Corona-Krise knapp werden*, ist nicht bekannt geworden.

Alle potenziellen Spender müssen Fragen zu Sexualleben beantworten

Alle potenziellen Blutspender sollen aber weiter Fragen zu ihrem Intimleben, ihrer Gesundheit und zurückliegenden Reisen beantworten müssen, erklärte der staatliche Gesundheitsdienst. Anhand der Angaben werde eine individuelle Bewertung des Infektionsrisikos vorgenommen. Alle Blutspenden, die sich aus mehreren Gründen lohnen, werden zudem untersucht, um die Weitergabe von Infektionskrankheiten wie Aids zu verhindern.

Der britische Gesundheitsminister Matt Hancock bezeichnete die Maßnahme als „fantastischen Schritt nach vorn, um Blutspenden einfacher, fairer und inklusiver zu machen“.

Blutspende Deutschland: Arbeitsgruppe schlägt Erleichterungen für Schwule und bisexuelle vor

Auch in Deutschland könnte es Fortschritte geben. Eine gemeinsame Arbeitsgruppe aus Vertretern des „Arbeitskreis Blut“ (AK Blut), des Paul-Ehrlich-Instituts (PEI), des Robert-Koch-Instituts (RKI) und des Bundesgesundheitsministeriums schlägt wichtige Erleichterungen für schwule und bisexuelle Blutspender vor: Unter anderem, dass in einer festen Beziehung lebende schwule Männer künftig Blut spenden dürfen – sofern sie seit mindestens vier Monaten mit niemandem anderen als ihrem Partner intim waren. Schwule Singles sollen nach dem Vorschlag vor der Blutspende nur noch vier Monate enthaltsam sein, aktuell sind es zwölf Monate.

Homo- und Bisexuelle als Blutspender: „Historischer Schritt in richtige Richtung“

„Es ist eine kleiner, aber historischer Schritt in die richtige Richtung“, erklärt Jens Brandenburg, FDP-Bundestagsabgeordneter und Sprecher für LGBTQI-Rechte seiner Fraktion, gegenüber „Watson“ zur Empfehlung der Arbeitsgruppe.

Ob und wann diese die Zustimmung zu den Erleichterungen fallen könnte, ist zurzeit noch unklar. Damit ist auch noch nicht klar, wann die Beschränkungen zur Blutspende konkret fallen sollen. Immerhin: Im Landkreis Diepholz) wollen Pastroralreferenten und Laien im Dekanat Twistringen homosexuellen Paaren den Segen spenden, obwohl ihre Kirche das ablehnt. * kreiszeitung.de und 24hamburg.de sind ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Stefan Boness/Ipon via www.imago-images.de

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