Ernst August Prinz von Hannover

„Grober Undank“: Welfenprinz will die Marienburg von Sohn zurück

Das Schloss Marienburg in der Region Hannover, daneben montiert Ernst August Prinz von Hannover (rechts) und sein Sohn Ernst August Erbprinz von Hannover
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Sie ist eines der niedersächsischen Wahrzeichen: die Marienburg in Pattensen bei Hannover. Jetzt streiten sich Ernst August Prinz von Hannover (rechts) und sein Sohn Ernst August Erbprinz von Hannover um das Besitzrecht. Der Vater hatte die Burg seinem Sohn ursprünglich geschenkt. (kreiszeitung.de-Montage)

Die Welfen streiten sich vor Gericht: Ernst August Prinz von Hannover will die Schenkung der Marienburg an seinen Sohn rückgängig machen – wegen „groben Undanks“.

Hannover/Pattensen – Undank ist der Welten Lohn. So ähnlich könnte man wohl diese Geschichte betiteln, wenn man sie lediglich aus dem Blickwinkel von Ernst August Prinz von Hannover* betrachtet. Der streitet sich nämlich derzeit mit seinem Sohn, Ernst August Erbprinz von Hannover, um die Schenkung des Schloss Marienburg in der Region Hannover. Der Vorwurf des Welfenchefs gegenüber seinem Sohn: „Grober Undank.“ Ernst August Prinz von Hannover will die Marienburg zurück*.

Königsdynastie:Haus Hannover
Adelsgeschlecht:Welfen
Oberhaupt:Ernst August Prinz von Hannover
Erbprinz:Ernst August Erbprinz von Hannover

Eine Familienzusammenführung dürfte man sich in etwas intimerem Rahmen vorstellen als ausgerechnet vor Gericht. Doch genau dort treffen sich nun Vater und Sohn. Sogar das persönliche Erscheinen der beiden hat das Landgericht Hannover angeordnet, so kurios ist die Geschichte, die sich mal wieder im deutschen Adelsgeschlecht der Welfen im Hause Hannover abspielt.

Ernst August Prinz von Hannover wirft Sohn Ernst August Erbprinz von Hannover „groben Undank“ vor

„Groben Undank“ wirft das Oberhaupt der Welfen, der Ehemann von Prinzessin Caroline von Monaco*, seinem Sohn vor – und verlangt nicht weniger als das Schloss Marienburg zurück. Der Erbprinz kontert, die Klage des Vaters sei „substanzlos“. Nach Harmonie und schneller Einigung klingt das nicht, die mündliche Verhandlung am Landgericht ist für Donnerstag, 25. November 2021, angesetzt.

Da es sich hier um eines der schönsten Wahrzeichen und Schlösser Niedersachsens handelt, ist es durchaus mehr als nur ein einfacher Familienstreit, den die Welfen da vor Gericht austragen wollen. Es geht um nichts mehr als die Zukunft des Schlosses, das von 1858 bis 1869 von König Georg V. von Hannover erbaut wurde.

Beide, Vater und Sohn, gehören zum Fürstengeschlecht der Welfen, diese gelten als eines der ältesten Adelsgeschlechter Europas. Die ehemalige Sommerresidenz der Welfen ist die Marienburg südlich von Hannover in Pattensen. 2019 war die Familie aus Niedersachsen in die Schlagzeilen geraten, weil Ernst August junior das marode Schloss für einen Euro an die öffentliche Hand verkaufen wollte – gegen den Willen seines Vaters.

Ur-Enkel von Kaiser Wihelm II. will Marienburg zurück: Betreibergesellschaft des Schlosses hat hohe Schulden

Ernst August junior hatte auf die hohen Schulden, die die Betreibergesellschaft des Schlosses unter der Regie der Welfen angehäuft habe, aufmerksam gemacht. Doch nach dem Einspruch seines Vaters scheiterte der mit der niedersächsischen Landesregierung ausgehandelte Deal. Danach wurde für Schloss und Inventar eine Stiftungslösung gefunden. Im Mai sagte Niedersachsens Kulturminister Björn Thümler (CDU), das Schloss solle zum „Neuschwanstein des Nordens“ werden – nach der Sanierung.

Es dürfte eine Binsenweisheit sein, zu sagen, dass der Vater des Erbprinzen damit wohl nicht einverstanden ist. Der Anwalt des 67-Jährigen hält sich bedeckt, nach Angaben des Landgerichts Hannover stützt Ernst August Prinz von Hannover seinen Anspruch unter anderem auf den Widerruf einer Schenkung infolge „groben Undanks“ (§ 530 BGB), ungerechtfertigte Bereicherung und den Wegfall der Geschäftsgrundlage.

Neben der Marienburg geht es auch um die Rückübereignung des Hausguts Calenberg in der Gemeinde Pattensen-Schulenburg und des Fürstenhauses Herrenhausen in Hannover. Früheren Angaben zufolge hatte der 67-Jährige seinem Sohn den Grundbesitz 2004 und 2007 in vorweggenommener Erbfolge geschenkt.

Welfenprinz will die Marienburg zurück: Familienoberhaupt zu zehn Monaten auf Bewährung verurteilt

Ernst August junior wiederum bezeichnet die in der Klage enthaltenen Behauptungen als falsch. „Alle Argumente der Klage sind in der Vergangenheit bereits außergerichtlich entkräftet worden. Der gerichtlichen Auseinandersetzung sehe ich vor diesem Hintergrund gelassen entgegen“, sagte der 38-Jährige. Abseits dessen wolle er das Verfahren und die einzelnen Verfahrensschritte „mit Rücksicht auf meine Familie“ nicht kommentieren.

Aber der Erbprinz unterstreicht eines: „Es gibt keinen Grund, sich um die Zukunft von Schloss Marienburg Sorgen zu machen.“ Die Rechtslage sei diesbezüglich immer klar gewesen – und sei es weiterhin. „Die mit dem Land Niedersachsen gefundene Stiftungslösung ist rechtssicher abgeschlossen; dem langfristigen Erhalt der Marienburg als zentralem Kulturdenkmal Niedersachsens, das für alle öffentlich zugänglich bleibt, steht nichts im Wege“, betonte er. Sein Vater dürfte das nicht gerne hören.

Oder hat der Senior seine Gedanken möglicherweise ganz woanders? Der 67-jährige Prinz wurde im März vom Landgericht Wels zu einer zehnmonatigen Bewährungsstrafe verurteilt*, außerdem erhielt er unter anderem die Weisung, nicht mehr in seinem Anwesen in Oberösterreich wohnen zu dürfen. Am 24. November, einen Tag vor der mündlichen Verhandlung in Hannover, entscheidet das Oberlandesgericht Linz über ein Berufungsverfahren. Dann wird erörtert, ob das Urteil des Landgerichts rechtskräftig wird.

Ernst August Prinz von Hannover: Nach Krebsoperation und Konflikt mit Sohn im Ausnahmezustand

Das Landgericht Wels hatte es im März als erwiesen angesehen, dass der Urenkel des letzten deutschen Kaisers unter anderem Polizisten attackierte und ein auf seinem Anwesen tätiges Verwalter-Ehepaar massiv bedrohte. Der Welfenprinz verlas in dem Prozess eine Entschuldigung. „Ich übernehme die Verantwortung, bedauere das Geschehene außerordentlich und bin bereit, für die Schäden aufzukommen“, sagte Ernst August senior, der nur als „Herr Hannover“ angesprochen wurde.

Die Verteidigung des Adeligen betonte, dass sich ihr Mandant nach einer Krebsoperation und wegen eines Konflikts mit seinem Sohn in einer Ausnahmesituation befunden habe. „Er fühlte sich im Stich gelassen“, sagte einer seiner Verteidiger. (Mit Material der dpa) * kreiszeitung.de, tz.de und 24royal.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA.

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