Streit um Sanierung seit 13 Jahren

„Katastrophe“: Landwirt muss 189.000 Euro für Straßenausbau zahlen

Birgit Albert mit Ordnern voller Akten und die Rechnung an ihren Mann vor der Straße, die sie zahlen sollen
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Krieg mit der Stadt: Birgit Albert (im Bild) und ihr Mann wehren sich dagegen, die Kosten für eine Straße in Lütjenburg zu zahlen. (kreiszeitung.de-Montage)

Birgit und Ulrich Albert müssen der Stadt Lütjenburg 189.000 Euro zahlen. Der Grund: Straßensanierung. Nun ist der Streit nach 13 Jahren vorbei, jedoch ohne Versöhnung.

So ganz neu ist dieser Streit zwischen dem Ehepaar Albrecht und der Stadt Lütjenburg nicht mehr, denn seit 13 Jahren fordert die Stadt im Landkreis Plön Birgit und Ulrich Albrecht dazu auf, für die Sanierung der Straße zu zahlen, an der ihr landwirtschaftlicher Hof gelegen ist. Kostenpunkt 189.000 Euro. Als wäre das noch nicht genug, ging es anfänglich sogar um 220.000 Euro. Insgesamt sollte die Straßensanierung 600.000 Euro teuer sein, die Stadt hatte die Kosten auf die Anwohnerinnen und Anwohner umgelegt. Mit einem Urteil des Oberverwaltungsgerichtes in Schleswig ist die Sache nun endgültig, der Beschluss ist unantastbar.

Ehepaar Albrecht: „Für uns eine Katastrophe“

Für Ulrich Albert ist die Situation „eine Katastrophe“. Die Stadt hatte große Pläne, eine alte Scheune, die nur wenige Meter von Albrechts Hof liegt, sollte neues Leben bekommen. Unter anderem waren ein Museum, ein Restaurant und ein Ausbildungszentrum geplant. Um diese Pläne zu verwirklichen, sei die Straße jedoch zu eng gewesen. Das Land der Familie reiche knapp 900 Meter an der Straße entlang. Dafür musste sie zahlen. Anders entschied eine Gemeinde in Niedersachen. Nachdem die Anwohnerinnen und Anwohner für eine Straße zahlen sollten, entschied die Gemeinde Kirchdorf die Kosten nicht auf die Bevölkerung zu übertragen.

StadtLütjenburg
Fläche6,15 km²
Bevölkerung5.522
KreisPlön

Wir schreiben das Jahr 2008. Zunächst habe die Stadt die Gebühr für die Anwohnerinnen und Anwohner ausgesetzt, kurze Zeit später jedoch eine Frist gesetzt. Das Ehepaar habe für die hohe Summe extra einen Kredit aufnehmen müssen. Die Summe haben sie somit vorerst beglichen. Auch in Wildeshausen sollten Anwohnerinnen und Anwohner ihre Straße trotz Schwerlastverkehres selber zahlen.

Verwaltungsgericht: „Stadt hat richtig gehandelt“

Dann zog das Ehepaar vor Gericht, das Verwaltungsgericht in Schleswig hat jedoch in einem Urteil entschieden, dass die Stadt richtig gehandelt habe. Lediglich ein „Entgegenkommen“ konnte das Ehepaar erreichen: 30.000 Euro der Kosten wurden für Laternen und Stromkabel abgezogen. In Syke hatte die SPD-Fraktion beantragt, die Straßenausbaugebühr für Einwohnerinnen und Einwohner abzuschaffen. In Verden blieben Anliegerinnen und Anlieger auf zehn Prozent der Kosten sitzen.

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Die Situation kann durchaus Auswirkungen auf die Zukunft der Familie Albrecht haben. Denn durch die hohen Kosten ist es nicht sicher, ob der 22-jährige Sohn den Hof übernehmen und finanziell stemmen kann. Immer häufiger ist heutzutage die Existenz von Landwirtinnen und Landwirten bedroht. Die Alternative sei „Aufgeben, wegziehen“, so Ulrich Albrecht. Der fade Beigeschmack ist dabei auch, dass die Pläne der Stadt für die alte Scheune nicht umgesetzt wurden.

Stadt Lütjenburg: „Existenz der Familie war nie gefährdet“

Zu marode zu utopisch seien die Pläne für das Projekt in der historischen Scheune damals gewesen. Nach Angaben der Stadt habe das Land der Stadt die Fördergelder für das Vorhaben ausgeschlagen. Bürgermeister Dirk Sohn hatte 2016 daraufhin den Abriss der Scheune vorgeschlagen. Entgegen der Angaben des Ehepaares erklärt ein Sprecher der Stadt, „dass die Existenz der Familie durch die Gebühren - anders als behauptet - nie gefährdet gewesen sei“.

Über das gescheiterte Projekt der Stadt erklärt der Sprecher: „Teuer war es in jedem Fall“. Das Ziel sei es ursprünglich gewesen, jährlich 100.000 Besucherinnen und Besucher willkommen zu heißen. Bei diesen Plänen habe sich die Stadt jedoch stark verkalkuliert. Nach 13 Jahren endet nun also ein Streit, auf dessen Kosten Familie Albrecht wohl nun sitzenbleibt. Auch in Hesel stehen Landwirtinnen und Landwirte für ihre Rechte ein: Landwirte protestieren mit einer Grillparty vor einem Aldilager. * kreiszeitung.de und 24hamburg.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA.

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