Gottesdienst in Hildesheim

Die Kirchen auf dem Weg der Versöhnung

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Die St.-Michaelis-Kirche in Hildesheim ist am Samstag der Ort des Versöhnungsgottesdienstes. 

Hildesheim - Von Michael Evers. Jahrhundertelang bekämpften sich Katholiken und Protestanten, 500 Jahre nach der Reformation wollen beide Kirchen in Deutschland einander dafür um Vergebung bitten. Zu einem zentralen Versöhnungsgottesdienst in Hildesheim an diesem Samstag werden neben den beiden Kirchenspitzen auch Bundespräsident Joachim Gauck und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) erwartet.

Das erste gemeinsame Reformationsgedenken ist trotz aller vorangegangener ökumenischer Annäherung ein Meilenstein, der als Fundament für eine noch engere Zusammenarbeit dienen soll. Beiden Kirchen ist die Notwendigkeit dazu angesichts schrumpfender Mitgliederzahlen und gesellschaftlicher Relevanz bewusst.

Obwohl der Durchschnitt-Christ die Unterschiede zwischen beiden Konfessionen häufig kaum noch benennen kann, war es im Anlauf zum 500-jährigen Reformationsjubiläum lange Zeit nicht ausgemacht, dass es so etwas wie ein gemeinsames Gedenken gibt. Da gebe es für die Katholiken nichts zu feiern, tönte es erst noch von der einen Seite, es seien keine Luther-Festspiele geplant, beschwichtigte die andere. Die beiden Münchner Bischöfe, Kardinal Reinhard Marx als Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz sowie Heinrich Bedford-Strohm, Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), stellten dann aber die Weichen für ein gemeinsames Herangehen an das im vergangenen Oktober gestartete Jubiläumsjahr.

Motto: „Healing of Memories“

Beide Bischöfe leiten auch den Buß- und Versöhnungsgottesdienst in Hildesheim, der unter dem Motto „Healing of Memories“, einer Heilung der Wunden der Vergangenheit steht. In einer Dialogpredigt, in der jeder der Geistlichen abwechselnd redet, wollen beide auf getrennte Vergangenheit und gemeinsame Zukunft blicken. Symbolisch wird ein dreidimensionales 2,20 Meter mal 2,20 Meter großes Holzkreuz im Mittelgang der Michaeliskirche liegen als Zeichen für die Trennung zwischen beiden Kirchen. Während des Gottesdienstes soll das Kreuz aufgerichtet werden, die Blockade zwischen den Konfessionen gleichsam aus dem Weg geräumt werden.

Der Versöhnungsgottesdienst in Hildesheim soll Vorbild für etliche ähnliche Gottesdienste quer durch Deutschland sein. Gleich am Sonntag gibt es so einen Versöhnungsgottesdienst in Osnabrück, der von dem hannoverschen Landesbischof Ralf Meister und dem katholischen Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode geleitet wird. „Die Konfessionen sind in den vergangenen Jahrzehnten aufeinander zugegangen, das Wissen umeinander und das Verständnis füreinander sind auch in Niedersachsen gewachsen“, heißt es in der Einladung beider Bischöfe. „Die Feindseligkeiten und Vorwürfe aus vergangenen Jahrhunderten sind überwunden.“

Mehr als nur wohlwollende Worte

Schon der gemeinsame Einstieg von Katholiken und Protestanten in das Jubiläumsjahr hat zu weit mehr als wohlwollenden Worten und staatstragenden Festgottesdiensten - den gab es zum Auftakt in Berlin - geführt. So reiste Papst Franziskus erstmals zu einem gemeinsamen Gedenken mit Vertretern des Lutherischen Weltbundes ins südschwedische Lund. Und erstmals überhaupt brachen im Oktober evangelische und katholische Bischöfe zu einer gemeinsamen Pilgerreise nach Israel und ins palästinensische Westjordanland auf.

Für die Kirchen ist die Hildesheimer Versöhnungsgeste auch ein Schulterschluss in schwierigen Zeiten. Binnen zehn Jahren schrumpfte die Zahl der Katholiken und Protestanten in Deutschland um 5,3 Millionen. Gerade angesichts kirchenkritischer Töne in Gesellschaft und auch Politik wird die Anwesenheit von Gauck und Merkel in Hildesheim daher von der Kirche auch als Rückenstärkung gesehen.

dpa

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