Mehr Regen in zwei Tagen als sonst im ganzen Juli

Ekeltief „Alfred“ setzt Südniedersachsen unter Wasser

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Hochwasser in Rhüden, einem Stadtteil von Seesen im Landkreis Goslar.

Goslar/Bad Harzburg - Tief „Alfred“ hat mit immensen Regenmassen Ortschaften und Straßen in Südniedersachsen geflutet und Tausende Helfer in Atem gehalten. Wegen massiver Überschwemmungen rief der Landkreis Goslar den Katastrophenfall aus.

Durch Goslars Innenstadt strömten braune Wasserfluten. Mehrere Häuser, ein Hotel und ein Seniorenheim mussten evakuiert werden. In Bad Harzburg waren alle Hauptverkehrswege blockiert und der Bahnhof gesperrt. Allein im Kreis Goslar waren 1500 Feuerwehrleute im Einsatz. Bei einem Verkehrsunfall wurden drei Feuerwehrmänner im Hochwassereinsatz verletzt.

Mit dem Katastrophenalarm übernahm im Kreis Goslar der Katastrophenschutzstab die Gesamtverantwortung und die übergeordnete Koordination aller Einsätze. Dadurch sollte auch die überregionale Anforderung von Unterstützungskräften erleichtert werden. „Die Lage ist weiter sehr, sehr angespannt. Alles, was wir an Einsatzkräften zur Verfügung haben, ist im Einsatz“, sagte Kreissprecher Michael Weihrich.

Der Regen sorgte auch in Heersum bei Hildesheim für Überschwemmungen.

In Goslar selbst wurden das Hotel Kaiserworth, die Seniorenresidenz Theresienhof sowie Gebäude in der Altstadt evakuiert. Die Polizei erhielt Unterstützung von 60 Bereitschaftspolizisten. Die Wasserfluten strömten über den Marktplatz. Am Mittag ließ der Regen leicht nach. Viele Schaulustige kamen, um die Wassermassen zu fotografieren. „So sieht's hier normalerweise nicht aus“, wunderte sich die Goslarerin Uta Riemschneider.

„Land unter“ auch in Bad Harzburg

„Hier ist Land unter“, sagte eine Verwaltungsmitarbeiterin in der 23.000-Einwohner-Stadt Bad Harzburg (Kreis Goslar) am Vormittag. Dort stand das Wasser in vielen Straßen mindestens 20 Zentimeter hoch. Nichts ging mehr am Bahnhof, wo die Gleise unter Wasser standen. Auch die Bundesstraße 4 war zwischen Oderteich und dem Harzburger Dreieck unpassierbar, wie eine Polizeisprecherin mitteilte. Alle Hautverkehrswege waren blockiert. Das Wasser drückte aus dem Oker-Zufluss Radau über die Ufer. In Altenau (Kreis Goslar) wurden laut Polizei ein Hotel und ein weiteres Haus evakuiert und eine Brücke kontrolliert zerstört, um den Wasserdurchlauf zu erhöhen.

Bei dem Unfall der drei Feuerwehrmänner in der Nähe von Warberg (Kreis Helmstedt) wurden zwei der Männer schwer verletzt. Das Einsatzfahrzeug war von einer Straße abgekommen und auf dem unbefestigten, durch den Regen völlig aufgeweichten Seitenstreifen mit einem Baum kollidiert.

Feuerwehr muss Dämme sichern

Besonders stark betroffen waren auch Stadt und Landkreis Hildesheim, die Nachbarschaftshilfe anforderten. Rund 150 freiwillige Feuerwehrleute rückten am Dienstagabend aus, um in Bad Salzdetfurth und den umliegenden Dörfern die Dämme zu sichern - zum Teil vergeblich, wie sich im Lauf der Nacht erwies. Bei Dunkelheit und stetig anhaltendem Regen kämpften die Feuerwehrleute mit tausenden Sandsäcken gegen die ansteigenden Fluten des Flusses Lamme.

Auch Bahn- und Buspendler stellte das Unwetter am Mittwoch auf die Geduldsprobe. Einige Regionalzugstrecken im Süden Niedersachsens mussten gesperrt werden. Im niedersächsischen Innenministerium begleitete ein Krisenstab die landesweite Lage.

Nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes fiel - abgesehen von den Bergstationen, speziell dem Brocken - der meiste Niederschlag in der Gemeinde Hahausen bei Seesen (Kreis Goslar) am Nordwestrand des Harzes. In 48 Stunden wurden dort 171 Millimeter gemessen., im benachbarten Seesen 161 Millimeter. In einem „normalen“ Juli seien dort im ganzen Monat 100 Millimeter Regen zu erwarten. „Diese Menge ist also um die Hälfte übertroffen worden, und das in zwei Tagen“, erläuterte der DWD die Dimension.

dpa

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