Tierhalter kritisieren zähes Herdenschutz-Projekt

Goldenstedter Schafhalter werfen Land Eselei vor

Werden bald verkauft: Wegen des Jakobksreuzkrautes bewachen die Esel jetzt nur ein paar Böcke in Rüssen. - Foto: Niehues

Landkreis Vechta - Von Matthias Niehues. Es klang vielversprechend: Esel sollten als Herdenschutztiere Schafe vor Wolfsübergriffe schützen. Schafzuchtmeister Tino Barth, der seine Herden an der Hunte in Goldenstedt hält, ergriff die Initiative und schaffte drei Tiere an. Jetzt aber resigniert er. Nicht vor dem Wolf, sondern vor dem Jakobskreuzkraut.

Die giftige gelbe Pflanze breitet sich auf den Landschaftsschutzflächen aus. „Während Rinder und Schafe das Kraut meiden, fressen es die Esel und gehen daran zugrunde“, sagt er. Jetzt will Barth seine Esel verkaufen. Denn seiner Meinung nach unternimmt der Landkreis Vechta nichts gegen das Kraut.

Während Barth also mit dem Gedanken spielt, sich von seinen Tieren zu trennen, haben genau diese Esel Anfang 2015 Umwelt-Staatssekretärin Almut Kottwitz bei einem Besuch nachhaltig begeistert. Denn das Land wollte kurz darauf ein Versuchsprojekt Herdenschutz-Esel starten. Der Goldenstedter Schafhalter Werner Olschewski sollte daran als einer von drei niedersächsischen Schafhaltern teilnehmen. Ziel des Projekts: Klarheit über die abschreckende Wirkung von Eseln gegenüber Wölfen zu gewinnen.

Doch Olschewski macht nicht mehr mit: „Ich habe die Schnauze gestrichen voll. Ich will mit denen aus Hannover nichts mehr zu tun haben.“ Frustriert ist er vor allem, weil das Projekt sich über ein Jahr lang nicht bewegt habe. In der Zwischenzeit wurden etliche seiner Schafe vom Wolf gerissen.

„Und dann sollte auf einmal alles ganz schnell gehen, der geänderte Vertrag innerhalb von zwei Tagen unterschrieben werden“, berichtet der Schäfer. Dazu sei er nicht bereit gewesen. Nachdem auch die versprochene Besenderung der verhaltensauffälligen Goldenstedter Wölfin gestoppt wurde, fehlt ihm jetzt das Vertrauen gegenüber Ministerium und Wolfsbüro. Die Landschaftsschutzflächen des Landkreises im Wolfsgebiet meidet er jetzt mit seinen Schafen. Stattdessen weiden sie auf der Mülldeponie, die ein über zwei Meter hoher Zaun umgibt.

Das ist jetzt Thema beim Landkreis Vechta. „Der Landschaftspflege durch Beweidung wird eine große Bedeutung zugeschrieben“, betont dieser in einer Stellungnahme. Sie sei ein Instrument zur naturnahen Entwicklung von Flächen. Das Erscheinen von Wolf und Jakobskreuzkraut machen das nicht leichter. Der Landkreis will deshalb alternative Möglichkeiten prüfen, um die Giftpflanze ohne Einsatz von Spritzmitteln zu bekämpfen. Darauf will Tino Barth nicht warten. Da er die Esel wegen des Jakobskreuzkrautes in diesem Sommer nicht einsetzen konnte, hat er sich weitere Herdenschutzhunde gekauft. Insgesamt neun Pyrenäenberghunde und Kaukasen bewachen jetzt seine drei Schafsherden. Er berichtet von einem Übergriff auf seine Herde in Einen an der Hunte Ende Juni. „Mein stärkster Hund war an Kopf, Rippen und am Hinterteil verletzt, die teure Pflege hat drei Wochen lang gedauert“, berichtet Barth.

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