Prozessbeginn in Göttingen

Mordversuch mit Quecksilber in Toaster und Backofen

Göttingen - Weil er nach der Scheidung nicht zahlen wollte, soll ein Ehemann zu Quecksilber gegriffen haben. Sein Ziel: Der Gifttod der getrennt von ihm lebenden Gattin. Die Frau lebt zwar, hat aber dauerhafte Gesundheitsschäden erlitten. Jetzt läuft der Prozess.

Mit einem spektakulären Verbrechen um einen geplanten Giftmord muss sich das Landgericht Göttingen befassen. Ein 44-Jähriger soll versucht haben, seine von ihm getrennt lebende Ehefrau mit hochgiftigem Quecksilber und Blei umzubringen. Die Staatsanwaltschaft warf dem Mann am Freitag zum Prozessauftakt versuchten Mord in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung vor.

Heimtückisch und aus Habgier habe der 44-Jährige gehandelt, sagte die Staatsanwältin bei Verlesung der Anklageschrift. Sein Motiv: Er habe sich um hohe Zahlungsverpflichtungen drücken wollen, die nach der geplanten Scheidung im Rahmen des sogenannten Zugewinnausgleichs fällig geworden wären. Der Angeklagte, der seit knapp sechs Monaten in Untersuchungshaft sitzt, äußerte sich am Freitag nicht zu den Vorwürfen.

Laut Anklage hat er von Mai bis Oktober vergangenen Jahres einen hinterlistigen Giftanschlag nach dem anderen auf seine Ehefrau verübt. So habe er Quecksilber in die Lüftungsschächte zweier Autos gespritzt sowie im Toaster, im Backofen und in diversen Heizkörpern des nach seinem Auszug von der Frau alleine bewohnten Hauses in einem Ortsteil von Bovenden deponiert. Zudem soll er giftiges Bleiacetat in die Lieblingsweine seines Opfers und in Fruchtsäfte gemischt haben.

Die gesundheitlichen Schäden der Frau durch die Schwermetalle seien zum Teil wohl irreparabel, sagte die Staatsanwältin. Das Opfer habe einen Leberschaden davon getragen, leide unter Taubheitsgefühlen in Armen und Beinen, Magen- und Darmkrämpfen sowie unter Schlaf-, Antriebs- und Appetitlosigkeit.

Lange Zeit gab es keine Erklärung dafür, warum es der Frau gesundheitlich schlecht ging. Beim Backen war sie dann im Ofen auf Kügelchen aufmerksam geworden, die sich als Quecksilber entpuppten. Bei Untersuchungen wurden dann Gifte auch an anderen Stellen gefunden.

Überlebt habe die Frau nur, weil sie wegen der massiven Beschwerden wiederholt im Krankenhaus und damit den Giften nicht dauerhaft ausgesetzt gewesen sei, sagte die Staatsanwältin. Das Haus, in dem die Gifte ausgebracht wurden, ist nach Medienberichten unbewohnbar.

Der Angeklagte, dem zudem noch der unerlaubte Besitz scharfer Schusswaffen vorgeworfen wird, werde sich an einem der kommenden Verhandlungstage zu den Vorwürfen äußern, sagte einer der beiden Verteidiger. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft hatte der Mann die Vorwürfe während des Ermittlungsverfahrens eingeräumt, eine Tötungsabsicht aber bestritten.

Verheiratet ist das kinderlose Paar im übrigen nicht mehr. Die Ehe sei seit Dienstag geschieden, sagte der 44-Jährige. Der Prozess soll am 6. Juli fortgesetzt werden. dpa

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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