Morde Ende der 80er-Jahre

Gefühlskalt und brutal - Ermordete Friedhofsgärtner weitere Menschen?

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Polizeifotos zeigen die 46 jährige Ingrid W. aus Uelzen und ihren 43-jährigen Freund, Bernd-Michael K. aus Hannover, die in einem Waldgebiet bei Göhrde im Juni 1989 ermordet wurden.

Lüneburg - Von Michael Evers. Nach dem Fund einer einbetonierten Toten und der DNA-Analyse zweier Haare ist klar: Ein schon damals verdächtigter Friedhofsgärtner ist für den Mord an fünf Menschen Ende der 80er Jahre verantwortlich. Aber tötete der Serientäter noch weitere Opfer?

Die Opfer der beiden Doppelmorde lagen grausam zugerichtet und nackt im Wald, ein fünftes Opfer wurde erst vor kurzem unter einer Garage entdeckt: Fast 30 Jahre nach den Verbrechen, die deutschlandweit Aufsehen erregten, hat die Polizei in Lüneburg einen Friedhofsgärtner als Serientäter ermittelt. Die mysteriösen Morde im Waldgebiet Göhrde sowie der Fall einer vermissten Unternehmersfrau, um die es immer wieder Spekulationen gab, sind endlich geklärt. Die Fakten, die die Fahnder heute in der Hand haben, deuten aber darauf hin, dass der längst gestorbene Gärtner weitere Morde begangen haben könnte. Und dass er einen möglichen Mittäter hatte, der noch lebt.

Waffen und Fesseln im Haus

Trotz des späten Ermittlungserfolgs ist Kurt-Werner W. für die Polizei kein Unbekannter. Schon als junger Mann fiel er mit Gewalt- und Sexualdelikten auf und geriet im Vermisstenfall der Unternehmergattin Birgit M. in den Fokus. Fahnder fanden Waffen, Fesseln und anderes verdächtiges Material in seinem Haus. Weil in seinem Wagen nach einem Unfall später Pistolen gefunden wurden, kam W. in Untersuchungshaft, wo er sich 1993 erhängte. Damit endeten die Ermittlungen zunächst, die Unternehmersfrau aber blieb verschwunden.

Vor zwei Jahren dann nahmen sich die Ermittler die Göhrdemorde von 1989 erneut vor und prüften eine Verbindung zum Gärtner. Zwei Haare aus einem Opferwagen waren es, mit denen sie W. dank modernster DNA-Technik nun überführen konnten.

„Wir schließen erstmal nichts aus“, sagte Polizeisprecher Mathias Fossenberger am Donnerstag in Lüneburg zur möglichen Verwicklung des Gärtners in weitere Mordfälle. Eine Clearingstelle will die Polizeidirektion einrichten, über die Polizeidienststellen bundesweit einen Zusammenhang anderer Fälle mit den Göhrdemorden prüfen lassen können. Die Fahnder klären nun, wo der Friedhofsgärtner sich damals überall aufgehalten hat. „Es gibt Informationen zu Aufenthaltsorten auch weiter weg.“ Längere Zeit lebte W. etwa im Raum Karlsruhe.

Täter handelte womöglich nicht allein

Die Polizei geht davon aus, dass der damals 40-Jährige nicht alleine handelte. Dafür spreche unter anderem der Umstand, dass der Täter mit einem eigenen Wagen in das Naturgebiet gefahren sei, es nach dem ersten Doppelmord aber mit dem Auto seiner Opfer verlassen habe, so Fossenberger. „Zu einer genauen Person sagen wir aus ermittlungstaktischen Gründen noch nichts.“ Schon im vergangenen Jahr spekulierten Medien, dass der jüngere Bruder von W. zur Aufklärung beitragen könnte, Reportern aber sagte er kein Wort.

Die Motive des Serientäters sind bislang offen geblieben. Experten zeichneten das Bild eines gefühlskalten und psychisch gestörten Menschen, der brutal und aggressiv vorgeht. In der Göhrde tötete er seine vier Opfer durch Schüsse, Schläge und Strangulieren. Er beobachtete die Paare beim Picknick, bei Zärtlichkeiten oder beim Sonnenbaden und handelte möglicherweise aus sexuellen Motiven. Lange Zeit mieden Ausflügler später den „Totenwald“.

Der Tod der Unternehmersfrau - auch das eine Mutmaßung - könnte ein aus dem Ruder gelaufener Erpressungsversuch ihres wohlhabenden Mannes gewesen sein. Dass der Täter keine eindeutigeren Spuren hinterließ und nicht schon viel früher überführt wurde, spreche dafür, dass er planvoll und strukturiert handelte, sagen die Fahnder heute.

Einbetonierte Knochenreste

Dass die Ermittlungen überhaupt noch zu einem Erfolg führten, ist entscheidend dem Bruder der vermissten Birgit M. zu verdanken, dem ehemaligen Leiter des Landeskriminalamts Hamburg. Obwohl die Polizei ihre Ermittlungen nicht mehr fortsetzten wollte, ließ er nicht locker und ermittelte privat mit Hilfe etlicher Experten weiter. Mit Erlaubnis der Eigentümer untersuchte er schließlich im September das Haus, in dem der Gärtner damals gewohnt hatte, und entdeckte dort einbetoniert in der Garage die Knochenreste seiner Schwester.

Auch wenn die beiden Kriminalfälle und mögliche weitere Taten von W. noch nicht restlos geklärt sind, will der Norddeutsche Rundfunk (NDR) beide Fälle als Vorlagen für ein Familien- und Kriminaldrama mit dem Arbeitstitel „Das Geheimnis des Totenwaldes“ nehmen.

dpa

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