Gnadenhof „Pferdeoase“

Gnadenhof in Ovelgönne: Aufnahmestopp für alte Pferde

Zu sehen ist der Betreiber vom Pferdegnadenhof „Pferdeoase“ in Ovelgönne, Bernhard Kutz. Hier kümmert er sich um zwei Esel.
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Rettet mit seinem Gnadenhof „Pferdeoase“ in Ovelgönne nicht nur einer Vielzahl an Pferden das Leben: Bernhard Kutz.

Mehr als 30 Pferde auf dem Gnadenhof in Ovelgönne sind aus Altersgründen keine Reitpferde mehr. Für sie gibt es andere Pläne. Die konkreten Hintergründe.

Ovelgönne – Der Gnadenhof „Pferdeoase“ in Ovelgönne, Landkreis Wesermarsch, ist eine beliebte Anlaufstelle für Besitzer, die ihre alten Tiere abgeben wollen. Das geschieht beispielsweise, wenn die Besitzer nicht mehr für die Kosten ihrer Pferde aufkommen können. Laut Betreiber Bernhard Kutz sei die Nachfrage immens groß – weswegen es zum vorläufigen Aufnahmestopp kommt.

Gemeinde in Niedersachsen:Ovelgönne
Fläche:123,8 km²
Postleitzahl:26939
Vorwahl:04480
Bevölkerung:5.606 (31. Dez. 2008)
Nachbarschaften:Oldenbrok, Strückhausen, Oldenbrok Bahnhof, Oberströmische Seite, Altendorf

„Pferdeoase“ in Ovelgönne: Gnadenhof versorgt allein 450 Pferde – doch ist aktuell Aufnahmestopp angesagt

Derzeit sind auf der „Pferdeoase“ 35 Pferde, 19 Esel, 12 Hunde und noch weitere Tiere untergebracht. Viele von ihnen würden nicht mehr leben, würde es den Pferdegnadenhof von Bernhard Kutz nicht geben. In den rund 36 Jahren, in denen der Gnadenhof besteht, hat Kutz bisher allein 450 Pferde versorgt.

Doch gibt es bereits seit zwei Jahren einen Aufnahmestopp. Nur im absoluten Notfall würde der 80-Jährige noch weitere Tiere aufnehmen. „Eine Frau ist in ihrem Haus verbrannt, dann sind Tiere da, dann kann man nicht sagen, nein, wir haben Aufnahmestopp“, skizziert Kutz ein Beispiel.

Lungenbeschwerden bei Pferden: Tiere haben in der Vergangenheit zu wenig Bewegung erhalten

Nach Ansicht von Tierethikerin Friederike Schmitz seien Pferdegnadenhöfe sehr wichtig, da sie Empathie sowie Verständnis wecken würden. Gegenüber der dpa sagt Schmitz, dass diese Einrichtungen Tiere als wertvolle Individuen sichtbar machen. Zudem würden sie persönliche Begegnungen zwischen Menschen und Tieren ermöglichen.

Doch zurück zu Bernhard Kutz und seiner „Pferdeoase“. Viele Pferde hätten Lungenbeschwerden, weil sie in der Vergangenheit zu wenig Bewegung gehabt hätten. Das kann auf dem Gnadenhof nicht passieren. Dort können sich die Pferde auf 60 Hektar Weideland austoben.

Früher Nutztiere, heute Sportgeräte: „Pferdeoase“-Betreiber macht Wandel im Umgang mit Pferden aus

Kutz schätzt, dass 80 Prozent der Pferde frühzeitig zum Schlachten gegangen wären, hätten sie keinen Platz in seiner Einrichtung gefunden. Das habe letztendlich vor allem wirtschaftliche Gründe. Denn ein Pferd benötige im Jahr ungefähr einen Hektar Weideland. Geht es in den Ruhestand, würde man mit dem Tier nichts mehr verdienen.

Nach einer Beobachtung von Kutz wäre vor rund 40 Jahren ein Wandel im Umgang mit Pferden erfolgt. Früher seien die Tiere lediglich Nutztiere gewesen, heute seien sie oftmals Sportgeräte. „Nur jemand, der zufrieden ist, gibt auch etwas. Ein Pferd, das nicht zufrieden ist, verweigert den Sprung, patzt im Bewegungsablauf, da kann der Reiter noch so gut sein“, heißt es von „Pferdeoase“-Betreibe Bernhard Kutz.

Pferdebesitzer ermöglichen ihren Tieren einen schönen Lebensabend – sagt die Deutsche Reiterliche Vereinigung

Doch nicht immer wurden Pferde in der Vergangenheit automatisch schlecht behandelt, wenn sie ihren Lebensabend auf einem Gnadenhof verbringen. Darauf weist die Deutsche Reiterliche Vereinigung hin. „Pferdegnadenhöfe sind für uns vielmehr auch ein Zeichen einer sich verändernden Einstellung gegenüber dem Pferd und dafür, dass die Pferde immer älter werden“, heißt es in diesem Kontext.

Uta Helkenberg, Sprecherin des Dachverbands aller Züchter, Reiter, Fahrer und Voltigierer, weist zudem auf die enge, partnerschaftliche Beziehung zwischen Reitern und ihren Pferden hin. Die meisten Pferdebesitzer würden ihren Tieren gar einen schönen Lebensabend ermöglichen. Dies gilt auch für eine ganz besondere Stallgemeinschaft in Scheeßel.

„Bewusstsein für pferdegerechte Haltung und Nutzung des Pferdes ist gestiegen“: Mehr Akzeptanz für Tiere

„Das Bewusstsein für eine pferdegerechte Haltung und Nutzung des Pferdes ist sehr gestiegen“, sagt Uta Helkenberg. Dementsprechend kann der Verband nicht bestätigen, dass Pferde oftmals nur als Sportgeräte wahrgenommen werden. Wie aber finanziert sich eigentlich der Gnadenhof in Ovelgönne? Vor allem über Spenden, gibt Bernhard Kutz Auskunft.

Darüber hinaus habe fast jedes Pferd einen Paten. Kutz Bestreben sei es, dass seltene Rassen nicht aussterben. Derzeit leben auf seinen Hof fünf sogenannte „Poitou-Esel“. Diese haben ein langes, zotteliges Fell und sind sehr anhänglich. Grundsätzlich kümmert sich Kutz zum großen Teil allein um seinen Hof.

Doch geht der rüstige Rentner davon aus, dass er langfristig gesehen Hilfe benötigt. Bisher hat Kutz erfolglos nach einem geeigneten Nachfolger gesucht. Die Anforderungen an diesen: er sollte Zuneigung zum Tier mitbringen und bereit sein, auch mal ein paar Stunden mehr zu arbeiten. Und wenn ein Nachfolger gefunden ist? Will Kutz trotzdem auf seinem Hof bleiben. Denn: „Wie kann man einen alten Baum verpflanzen?“ * kreiszeitung.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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