1988: Banküberfall endete als Tragödie

Gladbecker Geiselgangster haben Mindeststrafe verbüßt

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Das Gladbecker Geiseldrama begann am 16. August 1988 als Banküberfall und endete in einer Tragödie. Die Täter: Hans-Jürgen Rösner und Dieter Degowski.

Düsseldorf/Bremen - Von Frank Christiansen. Vor 25 Jahren schickte Richter Rudolf Esders die Gladbecker Geiselgangster hinter Gitter. Dort sitzen sie immer noch - für ein Verbrechen, das in die deutsche Kriminalgeschichte einging. Unter ihren drei Opfern war auch eine junge Frau aus Bremen.

Schon Monate vor dem Urteil hatte Hans-Jürgen Rösner gefordert, ihm endlich sein „Lebenslang“ zu verpassen, damit „die Muppet-Show“ ihr Ende habe. Gemeint war der Strafprozess gegen ihn und seinen Komplizen Dieter Degowski. Als das Essener Landgericht am 22. März 1991 nach 109 Verhandlungstagen das Urteil verkündete, bekam Rösner seine lebenslange Freiheitsstrafe - und anschließende Sicherungsverwahrung dazu. Das war vor 25 Jahren. Zu dem Zeitpunkt saßen beide bereits seit zweieinhalb Jahren in Untersuchungshaft.

Ein aus dem Ruder gelaufener Bankraub hatte sich im August 1988 zu einem in der deutschen Kriminalgeschichte beispiellosen Verbrechen entwickelt, das sich 54 Stunden lang über Hunderte Kilometer quer durch die damals noch geteilte Republik zog und vor den Augen der Öffentlichkeit stattfand.

In der Kölner Fußgängerzone gaben die Schwerverbrecher während der Tat Interviews - dafür mussten die Medien später viel Kritik einstecken. Am Ende des Gladbecker Geiseldramas waren zwei erschossene junge Geiseln und ein toter Polizist zu beklagen. Unter den drei Opfern war auch eine junge Frau aus Bremen.

Inzwischen haben beide Schwerverbrecher mehr als 27 Jahre hinter Gittern verbracht. Der heute 59 Jahre alte Degowski hat im Gefängnis in Werl seine Mindesthaftdauer von 24 Jahren abgesessen - er war unter anderem wegen Mordes zu lebenslanger Haft mit besonderer Schwere der Schuld verurteilt worden.

2013 hatte das Landgericht Arnsberg Lockerungen für ihn angemahnt. Inzwischen hat er nicht nur begleitete, sondern auch schon mehrere unbegleitete Ausgänge unternehmen dürfen - und kehrte ohne Beanstandungen wieder zurück. Einen Entlassungstermin gibt es für ihn aber nach wie vor nicht.

Es war Degowski, der an der Raststätte Grundbergsee den 15-jährigen Emanuele De Giorgi erschoss, weil die Polizei seine Freundin festgenommen und nicht rasch genug wieder freigelassen hatte. Dass er den jungen Italiener für den Mord auswählte, der sich noch schützend vor seine kleine Schwester gestellt hatte, begründete der Sonderschüler so: „Ich kann Ausländer sowieso nicht leiden“ und „Reg' dich nicht so auf, das war doch nur ein Kanake“.

Die Mindestverbüßungsdauer von Rösner, ebenfalls 59 Jahre alt, endete vor wenigen Tagen am 27. Februar 2016. Rösner sitzt in Aachen ein. Im vergangenen Herbst durfte er erstmals raus: für eine „begleitete Ausführung zum Erhalt der Lebenstüchtigkeit“, in Fesseln.

Ein Entlassungstermin zeichne sich für Rösner noch nicht ab, teilte das NRW-Justizministerium mit. Das sieht sein Anwalt Rainer Dietz ebenso: „In den nächsten fünf Jahren ist damit nicht zu rechnen.“ Die erste bewachte Ausführung habe er sich gerichtlich erstreiten müssen. Dennoch habe es eineinhalb Jahre gedauert, bis er tatsächlich raus durfte. Inzwischen habe sich Rösner zum ersten Mal ausführlich von einem Psychiater untersuchen lassen. Das Ergebnis stehe noch aus.

So lief das Gladbecker Geiseldrama ab

Den Tod der 18-jährigen Geisel Silke Bischoff aus Bremen verschuldete nach Worten des Richters allein Rösner. Leichtfertig habe er die Waffe auf die verängstigte junge Frau gerichtet, nachdem die Polizei ihre Befreiungsaktion auf der Autobahn bei Bad Honnef gestartet hatte. Allerdings konnte das Gericht nicht ausschließen, dass sich der tödliche Schuss aus Rösners Waffe genau in dem Moment löste, als er von einer Polizeikugel getroffen wurde.

Das Urteil beinhaltete eine Reihe weiterer Straftaten, die während des Geiseldramas begangen wurden. So etwa mehrere Mordversuche an Polizisten, oder an Menschen, die die Gangster dafür hielten.

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54 Stunden mit vielen Pannen - Geiseldrama hielt Republik in Atem

Hintergrund

Im August 1988 hat das Geiseldrama von Gladbeck Deutschland drei Tage lang in Atem gehalten. Die Bilanz: Drei Tote, darunter eine junge Frau aus Bremen, und zahlreiche Verletzte. Es hagelte Kritik an Politik, Polizei und Medien.

DAS VERBRECHEN: Am Morgen des 16. August 1988 stürmen Dieter Degowski und Hans-Jürgen Rösner schwer bewaffnet eine Bank im nordrhein-westfälischen Gladbeck. Sie nehmen zwei Geiseln und fordern einen Fluchtwagen sowie 420 000 Mark. Journalisten geben sie ein erstes Interview. Kurz nachdem die Gangster am Abend mit Geiseln und Geld losfahren, steigt Rösners Freundin zu. Am nächsten Tag kapern sie in Bremen einen Linienbus und nehmen 35 Geiseln. Sie geben Interviews und lassen mehrere Geiseln frei.

Als die Polizei Rösners Freundin vorübergehend festhält, erschießt Degowski eine Geisel, einen 15-jährigen Jungen. Bei der weiteren Verfolgung verunglückt ein Polizist tödlich. Die Geiselnehmer lassen den Bus stehen und flüchten mit zwei Bremer Geiseln in einem Auto. Ein Journalist fährt in Köln sogar ein Stück mit. Am Mittag des 18. August greift ein Sondereinsatzkommando auf der Autobahn bei Bad Honnef zu. Die 18-jährige Silke Bischoff stirbt an einer Kugel aus Rösners Waffe.

DIE FOLGEN: Rösner und Degowski werden vor 25 Jahren, im März 1991, zu lebenslanger Haft verurteilt, Rösner mit anschließender Sicherungsverwahrung. Anträge auf Hafterleichterungen und Gnadengesuche werden ablehnt. Die Polizei überarbeitet ihre Einsatztaktik für solche Szenarien grundlegend. Bremens Innensenator Bernd Meyer (SPD) tritt zurück. Die Medien werden wegen mangelnder Zurückhaltung kritisiert. Der Deutsche Presserat legt später fest, dass es Interviews mit Tätern während des Geschehens nicht geben dürfe.

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