Rat kritisiert „Dschungelcamp“ für Flüchtlinge - Landrat empört

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Häuser stehen auf einem stillgelegten Truppenübungsplatz bei Ehra-Lessien im Landkreis Gifhorn.

Gifhorn - Im Kreis Gifhorn leben Flüchtlinge in Kasernengebäuden auf einem früheren Truppenübungsplatz, 1,5 Kilometer vom nächsten Ort entfernt. Für den Flüchtlingsrat ist dies ein „Isolationslager“. Der Landrat ist empört über die Kritik.

Der Flüchtlingsrat in Niedersachsen hat die Unterbringung von Menschen auf einem Truppenübungsplatz bei Ehra-Lessien als „Isolationslager“ und „Dschungelcamp“ kritisiert. Während andere Landkreise Integration ermöglichten, setze der Landkreis Gifhorn auf Isolation und Ausgrenzung, teilte der Flüchtlingsrat am Dienstag mit.

Der Landrat von Gifhorn, Andreas Ebel (CDU), wies dies vehement zurück. „Die Kritik ist unangemessen“, sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz in Ehra-Lessien können in fünf Gebäuden Flüchtlinge untergebracht werden. Das Land rechnet nach 20 000 Flüchtlingen im vergangenen Jahr mit einer Zunahme auf 35 000 Menschen 2015. „Der Flüchtlingsrat ist sich darüber im Klaren, dass die Unterbringung von Flüchtlingen viele Landkreise und kreisfreie Städte derzeit vor große Herausforderungen stellt“, hieß es in einer Mitteilung.

Sofern eine dezentrale Unterbringung nicht mehr gewährleistet werden könne und eine zentrale Unterbringung in größeren Unterkünften unvermeidbar ist, müsse es eine Anbindung der Unterkünfte an den öffentlichen Nahverkehr geben. Im Landkreis Gifhorn hätte es nach Angaben der Kritiker Alternativen zu der Unterkunft in Ehra-Lessien gegeben. So stehe in Gifhorn ein altes Krankenhaus leer, das als Unterkunft für Flüchtlinge geeignet sei. Schuld an der Misere sei, dass der Landkreis die Flüchtlinge auf insgesamt zehn Gebietseinheiten verteilen wolle und diese Gebiete verpflichte, geeigneten Wohnraum zu beschaffen. Landrat Ebel wies die Kritik empört zurück. Es sei immer der Ansatz des Kreises gewesen, die Menschen wohnortnah unterzubringen.

„Es zeichnete sich aber ab, dass kein Wohnraum zur Verfügung steht“, sagte der CDU-Politiker. „Wir haben nach Wohnräumen und Gebäuden gesucht.“ Die fünf Gebäude für die Unterbringung von maximal 220 Menschen seien für rund 1,5 Millionen Euro hergerichtet worden. Es seien für das 1,5 Kilometer von der nächsten Ortschaft gelegene Areal ein Bus für einen Shuttleservice und Fahrräder gekauft worden. Sozialarbeiter und ein Hausmeister wurden für die Unterkunft eingestellt, betonte Ebel. „Wir haben alles bedacht, was zu bedenken war. Das Einzige, woran man sich stört ist, dass es sich um eine Kaserne handelt.“ Dem Kreis Gifhorn seien bis Ende Oktober bereits mehr als 800 weitere Flüchtlinge zugewiesen. „Wir haben die Verpflichtung, diese Menschen adäquat unterzubringen“, sagte Ebel.

Dafür werde allerdings auch die kürzlich von der Landesregierung versprochene Unterstützung kaum ausreichen. Angesichts der wachsenden Flüchtlingszahlen versprach die Landesregierung kürzlich, die Kommunen im laufenden Jahr bei den Unterbringungskosten mit 40 Millionen Euro zu unterstützen. Diese Hilfe soll auch in den kommenden Jahren fortgeschrieben werden. Der Bund stockt zudem seine Hilfe wegen steigender Flüchtlingszahlen 2015 auf eine Milliarde Euro auf. Vor allem aber beteiligt er sich ab 2016 dauerhaft an den Kosten.
dpa

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