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Diversität zur Niedersachsen-Wahl 2022: Wird der Landtag jetzt weiblicher?

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Von: Maria Sandig

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In Niedersachsen sind mehr als die Hälfte der wahlberechtigten Personen weiblich. Im Landtag sind Frauen aber nach wie vor unterrepräsentiert. Ob es dabei bleibt?

Hannover – Der Anteil der Politikerinnen im niedersächsischen Landtag liegt in der sich dem Ende entgegen neigenden Legislaturperiode 2017 bis 2022 bei gerade einmal 29,2 Prozent. Im Länder-Ranking nimmt Niedersachsen damit den viertletzten Platz der 16 deutschen Bundesländer ein. Und auch die anstehende Landtagswahl am 9. Oktober 2022 weckt nicht besonders große Hoffnung, dass der Landtag weiblicher wird: 256 Frauen (33,9 Prozent) wollen laut Niedersächsischer Landeswahlleiterin als Direktkandidatinnen bei der Niedersachsen-Wahl 2022 in den Landtag ziehen. Zum Vergleich: 500 Männer (66,1 Prozent) haben sich aufstellen lassen.

Niedersachsen-Wahl 2022: weiterhin mehr Männer auf den Landeslisten

„Der Anteil an Frauen ist ein Armutszeugnis für eine Demokratie, denn Frauen sind nach wie vor nahezu unsichtbar in der Politik“, sagt die 24-jährige Tabea Asmus, die für die Linke in den Landtag einziehen will. „Wenn ich mir aber Parteien anschaue, dann ist es für Frauen, vor allem für junge Frauen, nicht attraktiv sich einzubringen. Kreisverbände sind männerdominiert, dagegen kommt man fast nicht an“, sagt die Politikerin aus Braunschweig anlässlich der kommenden Niedersachsen-Wahl 2022.

Besonders Frauen mit Migrationserbe oder Frauen of color fühlen sich einfach nicht repräsentiert und willkommen in derzeitigen Strukturen. 

Tabea Asmus, Die Linke

„Was für mich aber noch wichtig ist: Besonders Frauen mit Migrationserbe oder Frauen of color fühlen sich einfach nicht repräsentiert und willkommen in derzeitigen Strukturen. Auch dieses Problem muss endlich verstanden und verändert werden“, gibt sie zu bedenken. „Ich hoffe sehr, dass die kommenden Wahlen genau das Problem ändern, damit wir gemeinsam an Lösungen arbeiten und viel mehr junge Mädchen ermutigen können, in der Politik mitzumischen.“

Frauenquote in der Politik: So viele Frauen sitzen im Landtag in Niedersachsen

ParteiAnteil der Frauen (in Prozent) (Quelle: Landtag Niedersachsen, Stand: 15.09.22)
Grüne55 %
SPD39 %
CDU20 %
FDP18 %
Fraktionslos9 %

Mehr Diversität durch Niedersachsen-Wahl 2022

Doch einige Direktkandidatinnen bei der Niedersachsen-Wahl 2022 wecken die Hoffnung, dass der niedersächsische Landtag zumindest etwas diverser wird. Dazu zählt etwa die jüngste Kandidatin: Die 19-jährige Zara Tas aus Hildesheim geht für die FDP ins Rennen. Aufgewachsen ist sie in einem sozial benachteiligten Stadtteil und hat internationaler Geschichte.

Bei der Niedersachsen-Wahl 2022 haben es die Wähler in der Hand, wer in den Landtag einzieht. Die Wahlhilfe Voto liefert bei der Auswahl der Wahlkreiskandidaten Orientierung.
Bei der Niedersachsen-Wahl 2022 haben es die Wähler in der Hand, wer in den Landtag einzieht. Die Wahlhilfe Voto liefert bei der Auswahl der Wahlkreiskandidaten Orientierung. (Symbolfoto) © Michael Matthey/dpa

So musste sie auch Konfrontationen mit Alltagsrassismus aushalten. Die junge Politikerin könnte Perspektiven einbringen, die in der Politik unterrepräsentiert sind. Die älteste Bewerberin bei der Landtagswahl 2022 in Niedersachsen ist mit 74 Jahren Brigitte May von der Partei Die Basis.

Niedersachsen-Wahl 2022: Grüne schicken mehr Frauen als Männer zur Wahl

Besonders die CDU schickt zur Niedersachsen-Wahl 2022 so viele Frauen ins Rennen, wie nie zuvor. 64 Frauen und 64 Männer wollen in den Landtag einziehen. Seit Jahrzehnten hat die Partei darüber gestritten. Auf ihrem Parteitag im September hat die CDU eine Frauenquote bei der Vergabe von Parteiämtern beschlossen.

Bei der SPD sind es 42 Frauen und 59 Männer. Die Grünen schicken mehr Frauen als Männer zur Wahl: 47 Frauen und 41 Männer können gewählt werden. Sowohl die FDP als auch die Linke schaffen kein Gleichgewicht: Die FDP hat 23 Kandidatinnen und 64 Kandidaten, die sich zur Wahl stellen. Die Linke 28 Frauen und 53 Männer.

Im niedersächsischen Landtag in Hannover spricht am Donnerstag (05.11.1998) beim Festakt zum 50jährigen Bestehen des Niedersächsischen Landesrechnungshofes dessen Präsident Heiner Herbst zu den im Plenarsaal sitzenden Gästen, zu denen Ministerpräsident Gerhard Glogowski (vorn r.) und (dahinter) die Landesminister Wolfgang Jüttner (Umwelt, l.) un...
Ein Foto aus dem niedersächsischen Landtag im Jahr 1998. Deutlich mehr Männer als Frauen sind im Parlament zu sehen. Wirklich viel getan hat sich seitdem nicht. Noch immer gehört Niedersachsens Politik zu den Schlusslichtern, wenn es um Diversität geht. © Wolfgang Weihs/ dpa

Repräsentanz von Frauen im Landtag in Niedersachsen – früher und heute

Seit über 100 Jahren haben Frauen in Deutschland das Recht zu wählen. Seit gut 70 Jahren ist die Gleichberechtigung von Männern und Frauen im Grundgesetz verankert. Über drei Jahrzehnte waren Männer in den Landesparlamenten der Bundesrepublik Deutschland fast unter sich. Erst ab Mitte der 1980er-Jahre überstieg der Anteil von Parlamentarierinnen die Zehnprozentmarke.

Zumindest eine Frau ist unter den Spitzenkandidat:innen für die Landtagswahl.
Zumindest eine Frau ist unter den Spitzenkandidat:innen für die Landtagswahl. © Moritz Frankenberg/ dpa

Rund um die deutsche Wiedervereinigung konnte der Anteil von Frauen auf durchschnittlich 20 Prozent wachsen und entwickelte sich anschließend in fast allen Landtagen und Bürgerschaften kontinuierlich. Seit 2015 geht die Zahl der Frauen mit Mandaten laut Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg allerdings in vielen Landesparlamenten wieder zurück.

Trotz aller Fortschritte bei der Gleichberechtigung liegt die Zahl weiblicher Abgeordneter weiterhin deutlich hinter dem Anteil von Frauen an der Gesamtbevölkerung. Hätten Frauen in der Politik den Platz, der ihrem Bevölkerungsanteil entspricht, wären mindestens 50 Prozent der Abgeordneten im Bundestag, in den Länderparlamenten und in den kommunalen Gremien weiblich. Eine derartige paritätische Sitzverteilung findet sich in der Bundesrepublik nur in wenigen Gemeinderäten wieder. In den Parlamenten wird bislang nirgends eine geschlechtergerechte Verteilung der Mandate erreicht.

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