40 Einrichtungen in 23 Städten

Gesundheitsministerium sieht Chancen für Paracelsus-Kliniken

Osnabrück - Zum dritten Mal gibt es diesem Jahr in Niedersachsen eine Krankenhaus-Insolvenz - dieses Mal trifft es einen privaten Klinikkonzern. Sind Managementfehler die Ursache?

Trotz derInsolvenz der Paracelsus-Kliniken glaubt das niedersächsische Gesundheitsministerium an eine Zukunft für die Krankenhäuser. Da es sich um eine Insolvenz in Eigenregie handele, „bieten sich Spielräume für die notwendigen Umstrukturierungsprozesse im Konzern", sagte ein Sprecher des Ministeriums am Freitag in Hannover. 

Es ist nach dem Klinikum in Delmenhorst und dem Bürgerspital in Einbeck die dritte Krankenhaus-Insolvenz in Niedersachsen innerhalb eines Jahres. Die Niedersächsische Krankenhausgesellschaft (NKG) sieht darin ein Zeichen für ein Finanzierungsproblem der Krankenhäuser generell.

Vereinbarte Termine mit Patienten finden statt

Am Donnerstag hatten die Paracelsus-Kliniken beim Amtsgericht Osnabrück einen Antrag auf Insolvenz in Eigenverantwortung gestellt. Zum vorläufigen Sachwalter wurde der Rechtsanwalt Rainer Eckert aus Hannover bestellt. Er verschaffte sich am Freitag in der Konzernzentrale in Osnabrück einen Überblick über die Situation. 

Der Konzern wies darauf hin, dass alle vereinbarten Termine mit Patienten stattfinden. Gleiches gelte für geplante stationäre Aufenthalte in den Kliniken. "Der Klinikbetrieb läuft an allen Standorten und in allen Abteilungen unverändert weiter. Die medizinische, therapeutische und pflegerische Versorgung ist uneingeschränkt gesichert", teilte Paracelsus mit. 

Umstrukturierungen und Investitionen seit Jahren verschlafen

Aus Sicht der Gewerkschaft Verdi sind Managementfehler für die finanzielle Schieflage des neuntgrößten deutschen Privatklinikbetreibers mit rund 5.200 Mitarbeitern verantwortlich. Notwendige Umstrukturierungen und Investitionen seien seit Jahren verschlafen worden, sagte Gewerkschafts-Experte Sven Bergelin. Um Investitionen schultern zu können, hätten die Beschäftigten bereits 2013 und 2014 aufs Weihnachtsgeld verzichtet - geschehen sei nichts. Daher sei in diesem Jahr auch die Forderung der Geschäftsführung, in einem Sanierungstarifvertrag erneut auf das Weihnachtsgeld zu verzichten, abgelehnt worden. 

Laut Verdi schreiben sieben Akutkliniken rote Zahlen. In 23 Städten bundesweit betreibt Paracelsus 40 Einrichtungen. In Niedersachsen gibt es in Osnabrück und Langenhagen Paracelsus-Akutkliniken und einen Reha-Klinikstandort in Bad Gandersheim. „Die Nachricht hat mich überrascht und schockiert", sagte Langenhagens Bürgermeister Mirko Heuer (CDU) der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Er wünsche sich, dass schnell eine gute und zukunftsfähige Lösung gefunden werde, die den Fortbestand der Klinik sichere. 

„Ich würde sagen, wir haben ein strukturelles Problem"

Erstmals überhaupt sei ein privater Klinikbetreiber in die Zahlungsunfähigkeit geraten, sagte der Geschäftsführer der Niedersächsischen Krankenhausgesellschaft, Helge Engelke der dpa: „Ich würde sagen, wir haben ein strukturelles Problem." Kliniken aller Träger - kommunal, kirchlich und privat - seien in einer wirtschaftlich schwierigen Situation. Die Einnahmen von Krankenhäusern hängen eng mit den sogenannten Fallpauschalen zusammen. Daran bemisst sich, wie viel eine Krankenkasse für Behandlungen bezahlt. 

Mit den Krankenkassen sei die Krankenhausgesellschaft gerade in schwierigen Verhandlungen über neue Fallpauschalen, die in Niedersachsen die niedrigsten in ganz Deutschland seien. Der Grund: Wenn in einem Bundesland besonders viele Fälle behandelt werden, zahlen die Krankenkassen weniger pro Fall. So auch in Niedersachsen: Zum einen würden hier laut Engelke mehr Patienten aus benachbarten Bundesländern behandelt als anderswo; zum anderen sei der Anteil der älteren Bevölkerung in Teilen von Niedersachsen vergleichsweise groß. 

Die Folge sei, dass zum Beispiel eine Krankenschwester in Lingen mehr Patienten behandeln müsse als in der 20 Kilometer entfernten NRW-Stadt Rheine. Das System sei zwar vom Gesetzgeber geändert worden, aber höhere Fallpauschalen für 2018 müssten erst verhandelt werden, sagte Engelke. - dpa

Rubriklistenbild: © Archivbild: dpa-avis

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