Gesundheitsbewusstsein gibt Kurorten und Heilbädern Aufwind

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Schwimmer ziehen in der Sole-Therme in Bad Harzburg ihre Bahnen.

Bad Zwischenahn - Das Ende wochenlanger Kuraufenthalte auf Kassenkosten stürzte vor Jahren auch die Kur- und Heilbäder in Niedersachsen in eine tiefe Krise. Als neue Klientel haben gesundheitsbewusste Menschen, die ihren Aufenthalt selber zahlen, dem angestaubten Image der Kurorte inzwischen zu neuem Glanz verholfen.

Mit dem demografischen Wandel und dem drohenden Fachkräftemangel investieren neuerdings auch Unternehmen vermehrt in die Gesundheit ihrer Mitarbeiter und kümmern sich um Präventionsangebote. Und die Kurorte konnten sich im vergangenen Jahr über ein leichtes Plus bei den Gäste- und Übernachtungszahlen freuen.

„Die Kur an sich war etwas, das Oma und Opa gemacht haben, auf Kassenkosten an einem schönen Ort mit einem Kurschatten, das war etwas verstaubt“, sagt der Präsident des Heilbäderverbandes Niedersachsen, Andreas Eden. Inzwischen habe sich bei vielen Menschen die Überzeugung durchgesetzt, dass man etwas für die Gesundheit tun muss, wenn man lange fit bleiben will.

„Die Nachfrage ist stärker geworden und die Gäste sind deutlich mehr dazu bereit, auch Geld dafür zu bezahlen“, sagt der Präsident des Heilbäderverbandes. Es ziehe eine neue gesundheitsbewusste Generation in die Kurorte, die ein verlängertes Wellness-Wochenende auf eigene Kosten verbringe. „Das sind Menschen mit ganz anderen Ansprüchen, die da kommen“, meint Eden.

In allen 53 Kur- und Heilbädern in Niedersachsen stieg die Zahl der Übernachtungen 2013 auf 22,85 Millionen nach 22,77 im Vorjahr. Die Zahl der Gäste legte leicht von 5,10 auf 5,11 Millionen zu. In den 30 im Verband zusammengeschlossenen Orten lag die Übernachtungszahl ziemlich stabil bei 5,1 Millionen, die der Gäste bei gut 2 Millionen.

Neben den präventiv vom Arbeitgeber zur Vorsorge in einen Kurort geschickten Mitarbeitern steigt auch die Zahl derjenigen, die wegen der wachsenden Belastung am Arbeitsplatz erkranken und eine Kur benötigen, sagte Eden. Die Krankenkassen, denen es finanziell wieder besser gehe, verschrieben Kuren inzwischen wieder leichter als früher. „Deshalb haben wir eine bessere Auslastung.“ Es werde offenbar erkannt, dass der in der Arbeitswelt aufgebaute Druck aufs falsche Gleis führe.

„Wir erwirtschaften heute 80 Prozent der Umsätze mit Angeboten, die wir vor zwölf Jahren noch nicht hatten“, beschreibt Bad Pyrmonts Kurdirektor Heinz-Hermann Blome den Wandel in den Kurorten. Ganz im Trend sei Medical Wellness - medizinische Gesundheitsangebote, für die die Gäste auch selber Geld in die Hand nehmen.

„Was wir ganz stark feststellen ist, dass eine Rückbesinnung stattfindet, gerade bei den Jüngeren.“ Davon profitierten klassische Kurorte. „Der Begriff Kur steht am Beginn einer gewissen Renaissance“, findet Blome. Das zeige sich auch daran, das im Tourismuskonzept des Landes der Begriff wieder auftauche, erklärt der Kurdirektor. Zu den Kurgästen neuen Schlags gesellten sich zudem Gäste aus dem Ausland, allen voran aus den Niederlanden, aber auch aus Russland.

In Bad Harzburg ist das klassische Kurmittelhaus, das schlichtweg unwirtschaftlich wurde, inzwischen einer Therme mit Gesundheitsangeboten gewichen. Diese verzeichnete in den beiden letzten Jahren ein Gästeplus von 20 Prozent, berichtet Kurchef Bernd Vollrodt. Die Zahl der Gesundheitsbewussten, die Wochenendangebote nutzten, steige an. „Das ist stark im Kommen, darauf setzen wir.“ Anders als früher, als Menschen noch zu dreiwöchigen Kuren anreisten, habe sich die Übernachtungsdauer dadurch natürlich verkürzt. Angebote für das betriebliche Gesundheitsmanagement will Bad Harzburg mit den Nachbarkommunen etablieren.

Bundesweit sieht der Heilbäderverband dsa Land Niedersachsen für das Comeback der Kur gut aufgestellt. „Wir haben die Nordsee mit Thalasso-Angeboten, die Luftkurorte im Harz sowie Moorangebote“, meint Verbandschef Eden. Diese Vielfalt habe keine anderes Bundesland zu bieten.

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