Tat aus Sorge um Schwester begangen

Geständnisse im Prozess nach Schuss auf Autohändler

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Im Prozess wegen versuchten Mordes nach Schuss auf Autohändler wird den beiden 20 und 41 Jahre alten Angeklagten auch gefährliche Körperverletzung und ein Verstoß gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz vorgeworfen.

Lüneburg - Ein Autohändler wird in seinem Geschäft niedergeschossen, es geht um eine Liebesbeziehung. Im Hintergrund soll laut Staatsanwaltschaft ein religiöses Motiv stehen, der Hauptangeklagte bestreitet das. Zur Herkunft der Waffe gibt es im Prozess eine überraschende Aussage.

Im Prozess um den Schuss aus einer Maschinenpistole auf einen Autohändler im Landkreis Celle haben die beiden Angeklagten die Vorwürfe im Kern eingeräumt. Den beiden 20 und 41 Jahre alten Männern wirft die Staatsanwaltschaft in dem am Montag vor dem Landgericht Lüneburg begonnenen Prozess außer versuchtem Mord auch einen Verstoß gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz und gefährliche Körperverletzung vor. 

Das Opfer hatte die Attacke vom vergangenen Juli dank einer Notoperation überlebt. Der jüngere Angeklagte gestand in einer von seinen beiden Anwälten verlesenen Erklärung, mit der Waffe auf den 47-Jährigen in dessen Geschäft geschossen zu haben, um ihn zu töten. 

Angeklagter: Nicht Religion sondern Sorge war Motiv

Laut Anklage soll der damals 19 Jahre alte Jeside, ein in Celle geborener Kurde mit deutscher Staatsangehörigkeit, wegen der Liebesbeziehung seiner Schwester mit dem Nicht-Jesiden aus gekränkter Familienehre gehandelt haben. Das bestritt der 20-Jährige in seiner Erklärung. Die Tat habe nichts mit dem Glauben zu tun, er habe vielmehr „aus falsch verstandener Sorge" um seine angeblich psychisch labile Schwester gehandelt. 

Außerdem habe er zuvor Drogen und Alkohol konsumiert. Es sei kein „Ehrenmord", ein Zusammenhang mit dem Glauben „abwegig". Der 41 Jahre alte Mitangeklagte, ein Angestellter des Opfers, nannte es in seiner Aussage „lächerlich", dass es nicht um den Glauben gegangen sei. So habe auch ein anderer Bruder gedroht, die Schwester und ihren Partner zu töten, weil der nicht Jeside und kein Kurde sei. 

Waffe gehörte dem Opfer

„Mitwisser würden auch dafür bezahlen", habe es geheißen, er sei in Anrufen ebenfalls mit dem Tode bedroht worden. Die Waffe will er daraufhin zwar unmittelbar vor der Tat bereit gelegt, aber die Patronen aus dem Magazin zuvor entfernt haben. Dabei habe er nicht den Lauf überprüft, sagte er auf Rückfrage des Vorsitzenden Richters. 

Der Hauptangeklagte habe ursprünglich die Waffe eines Bruders nehmen wollen, das hätte er verhindern wollen, sagte der 41-Jährige. Der Chef habe zudem nur bedroht und geschlagen werden sollen, doch dann sei plötzlich ein Schuss gefallen. Nach seiner Aussage stammt die Waffe aus dem Besitz des Opfers. Der 47-Jährige habe sich zwei Waffen besorgt, als sich die Lage wegen der Beziehung zuspitzte. 

Jesiden ist es verboten, Angehörige anderer Religionsgemeinschaften zu heiraten. Jesiden sind Kurden, sie stammen aus dem Irak, aus Syrien, der Türkei und dem Iran. Viele sind wegen ihrer Verfolgung durch die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) geflüchtet. Nach Angaben des Zentralrats der Jesiden in Deutschland leben dort rund 150 000. 

Mehrfach den Abzug betätigt

Laut Staatsanwaltschaft soll der Hauptangeklagte bei einem Gespräch unvermittelt die Waffe ergriffen und dem Opfer aus etwa einem Meter Entfernung in die Brust geschossen haben. Dem am Boden liegenden Mann soll er dann die Waffe an den Kopf gehalten und noch mehrfach abgedrückt haben, doch löste sich kein Schuss mehr. 

Der Autohändler ist Nebenkläger und sollte am Montag als Zeuge aussagen, blieb aber aus gesundheitlichen Gründen fern. Die Frau, um die es in dem Streit ging, hat er nach dem Angriff geheiratet, wie die Anwälte des Hauptangeklagten berichteten. Sie war als Zeugin geladen, berief sich aber auf ihr Zeugnisverweigerungsrecht. - dpa

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