„Politik muss unpopuläre Entscheidungen treffen“

Genossenschaften sollen bezahlbaren Wohnraum ermöglichen

Bremen - In ganz Deutschland mangelt es an Wohnraum, vor allem in Ballungsgebieten. Doch um schnell Abhilfe zu schaffen, müsste die Politik aus Sicht der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft nicht nur die Förderbedingungen anpassen.

„In den Kommunen muss Bauland ausgewiesen werden“, sagte Heiner Pott, Direktor des Verbandes der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft in Niedersachsen und Bremen (vdw). Das Verweisen auf irgendwelche Baulücken reiche nicht.

„Die Politik muss auch unpopuläre Entscheidungen treffen“

Eine wichtige Rolle könnten bei der Schaffung bezahlbaren Wohnraums die Genossenschaften spielen, sagte der vwd-Direktor. Beim Norddeutschen Genossenschaftstag mit rund 200 Teilnehmern am Dienstag und Mittwoch in Bremen geht es um eine Standortbestimmung: „Wie ist das Verhältnis der Kommunen zu den Genossenschaften.“

Um die Wohnungsgenossenschaften stärker ins Boot zu holen, müssten die Förderbedingungen angepasst werden, sagte Pott. „Die Politik muss auch unpopuläre Entscheidungen treffen.“ So stiegen die Baukosten bedingt durch immer neue Bedingungen von Bund, Ländern und Kommunen beispielsweise bei den Energievorgaben kontinuierlich. Die Konsequenz sei, dass kostendeckende Mieten kaum mehr machbar seien. „An der Schraube dürfe nicht weiter gedreht werden. Man muss maßvoll bleiben“, forderte Pott. „Wir brauchen für Familien mit ganz normalem Einkommen preiswerte Wohnungen.“

Mieter als Miteigentümer - ein anderes Verhältnis zur Wohnung

Wenn der normale Arbeitnehmer in Ballungsgebieten 12 bis 13 Euro pro Quadratmeter an Miete zahlen solle, sei das unmöglich. „Das sind die Wohnungssuchenden, die im Moment hintenan stehen“, sagte der vdw-Direktor. Entweder haben sie keinen Berechtigungsschein für eine Sozialwohnung oder andere mit geringeren Einkommen werden bevorzugt.

Hier könnten die Genossenschaften Wohnraum schaffen. „Wohnungsgenossenschaften wirken ohnehin dämpfend auf den Mietspiegel“, sagte Pott. Gerade in Hannover hätten sie dazu beigetragen, dass die Mieten deutlich unter den Preisen in vergleichbaren Städten lägen. Im Durchschnitt liegt der Mietpreis bei den Genossenschaften immer 1 bis 2 Euro pro Quadratmeter niedriger als im freien Markt.

Der Niedersächsische Städte- und Gemeindebund begrüßt aus kommunaler Sicht, dass sich die Genossenschaften im Wohnungsbau mehr engagieren. „Das bringt Kapital ins System und bietet einen ganz anderen Zusammenhalt“, sagte Sprecher Thorsten Bullerdiek. Die Menschen blieben gerne länger in ihren Wohnungen und hätten auch ein anderes Verhältnis dazu. „Man ist Miteigentümer.“

dpa

Rubriklistenbild: © dpa

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