Seltsame Wort-Neuschöpfungen

Gender-Sprache immer verrückter: „Auskundschaftende Person“ statt Spion

Für viele wird die Gender-Sprache immer verrückter. Nach der Umbenennung von Muttermilch in „Menschenmilch“ heißen Spione jetzt „auskundschaftende Personen“.

Bonn – „Die auskundschaftende Person, die mich liebte“ – so könnte der Titel des legendären James Bond-Klassikers lauten, wäre er im Jahre 2021 produziert worden. Die gendergerechte Sprache, die es sich zur Aufgabe macht, alle Geschlechter gleichermaßen anzusprechen, erhitzt die Gemüter. Nicht wenigen stoßen die sprachlichen Gepflogenheiten vor den Kopf – oder besser gesagt: sehr sauer auf. Wenn zum Beispiel aus Muttermilch „Menschenmilch“ oder aus Spion eben die „auskundschaftende Person“ wird.

Stadt:Bonn
Bundesland:Nordrhein-Westfalen
Fläche:141,1 km²
Bevölkerung:327.258 (2019)

Gender-Sprache polarisiert: Wertschätzende Gleichstellung oder „Gender-Wahn“?

Der Vorschlag, Spion umzubenennen, kommt aus der Stadtverwaltung Bonn. „Manche Menschen ordnen sich dem weiblichen oder männlichen Geschlecht zu, manche nicht“, leitet diese ihre Gedanken hinsichtlich der Gender-Debatte ein. Weil „die Sprache der Stadtverwaltung nicht Teile der Bevölkerung ausschließen“ dürfe, setzt auch Bonn auf eine geschlechtsneutrale Sprache – aus „Wertschätzung gegenüber allen Menschen“, heißt weiter auf der Homepage der Stadt Bonn. Städte wie Lübeck, Bremen oder Köln tun es ebenso. Auch in Hamburgs Behörden hat sich die Gender-Sprache* längst etabliert

Jedoch nicht ohne Kritik, wie etwa der Verstoß eines Gender-Verbots seitens Hamburgs CDU-Chef demonstriert. Unlängst sorgte die Gender-Debatte auch für Zoff an Hamburgs Schulen*. Auch hier ist es wieder Christoph Ploß, dem die Formulierungen genau so gegen den Strich gehen, wie einem VW-Mitarbeiter, der aufgrund des vermeintlichen „Gender-Wahns“ bereits vor Gericht zog.

Für viele Menschen ist der Gebrauch geschlechtsneutralen Formulierungen scheinbar ein sprachliches Opfer zu viel, das sie für eine diskriminierungsfreie Ansprache erbringen sollen. Mit dieser Meinung scheinen die Kritiker keineswegs in der Unterzahl zu sein. Anfang des Jahres zeigte eine Umfrage, dass sich nur 14 Prozent für eine gendergerechte Sprache starkmachen.

Laut neuen Gender-Leitfäden sollen Spione künftig „auskundschaftende Personen“ genannt werden. (24hamburg.de-Montage)

Wort-Neuschöpfungen der Gender-Sprache: Von „Auskundschaftende Person“ bis „Menschenmilch“

Allen Anfeindung zum Trotz holt die Debatte immer mehr Bereiche des gesellschaftlichen Lebens ein. Während Umfragen auf eine geringe Akzeptanz verweisen, zeigen sie dennoch, dass gendergerechte Formulierungen längst in der Gesellschaft angekommen sind. Demnach würde bereits jedes dritte Unternehmen gendern. Dass darüber hinaus Annalena Baerbock die Einführung von genderneutralen Gesetzestexten zu ihrer potenziellen Kanzlerin-Aufgabe erklärte, zeigt, wie viel Konfliktpotenzial das Thema auch zukünftig entfalten könnte.

Ganz zum Leidwesen derer, die neue Wortschöpfungen strikt ablehnen. So wie jetzt auch die empfohlene Verwendung von „auskundschaftende Person“ polarisiert, zeigen sich viele Menschen bereits empört über die Umbenennung von Muttermilch in Menschenmilch oder die Entscheidung, dass es „austragendes Elternteil“ und nicht mehr Mutter und Vater heißen soll. Leitfäden wie „Genderleicht“ ziehen den Zorn auf sich, wenn dort statt Wichtel und Drache von „Wichtel*innen“ oder „Drach*innnen“ die Rede ist. Ein allgemingültiger Konsens in der Gender-Debatte scheint weiterhin nicht in Sicht. *24hamburg.de, merkur.de, kreiszeitung.de und extratipp.com sind Angebote von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © DANJAQ and Metro Goldwyn Mayer Pictures/Universal Pictures/Nicole Dove/dpa

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