„Kindheit ohne Stereotypen“

Gender-neutral: Kind wächst ohne Geschlecht auf – und wird „es“ genannt

No Gender: Männlich, weiblich, divers – man weiß es nicht. Ein Elternpaar zieht sein Kind ohne Geschlechtszuschreibung auf. Der/die/das Kleine nennen sie „es“.

Utah/USA – Zoomer heisst das Kind, das weder Junge noch Mädchen sein soll. Im nordamerikanischen Bundesstaat Utah ziehen die Kyl und Brent Myers ihren inzwischen zweijährigen Nachwuchs von Geburt an genderneutral auf. Sie leben eine radikale Entscheidung: Sie wollen, dass ihr Sprössling frei von Geschlechter-Klischees und Rollenbildern aufwächst.

Ein Entwurf, der in Australien sogar noch weiter gedreht wird: Das Gender Institute der Australian National University in Canberra schlägt vor, es soll nicht mehr Mutter und Vater heißen, sondern „Austragendes Elternteil“ und „Nicht-gebärendes Elternteil“.

Bundesstaat der Vereinigten Staaten:Utah
Hauptstadt: Salt Lake City
Bevölkerung: 3,206 Millionen (2019)

Gender-freie Erziehung: Am Anfang kannten nicht mal die Großeltern Zoomers Geschlecht

Kyl und Brent Myers gehören der Gender Creative Parenting Bewegung an, einer Erziehungs-Bewegung, die anstrebt, Kinder ohne Geschlechterzuschreibungen aufwachsen zu lassen – und nicht öffentlich zu machen, ob ein Kind biologisch männlich oder weiblich ist. Der Gedanke dahinter: Ein Geschlecht (Sex) sei zwar biologisch festgelegt, sage aber nichts über den Charakter eines Menschen aus. Gender Creative Parenter sind der Überzeugung, dass das biologische Geschlecht zwar angelegt ist, das sozial definierte Geschlecht (Gender) aber nur ein Konstrukt sei, dass die freie Entfaltung verhindere.

Geschlechtslose Erziehung als Lösung der Gender-Debatte?

Auch in Deutschland schlägt die Gender-Debatte seit Monaten hohe Wellen. Bisheriger Höhepunkt: Die kuriose Forderung bei den Tagesthemen man solle mit ens am Ende gendern. Die Grünen gehen noch weiter: Annalena Baerbock fordert sogar eine Gender-Polizei, um die Gleichstellung der Geschlechter voranzutreiben. In einem Augsburger Supermarkt ist die bereits angekommen: Der Edeka sorgt ,it Student*innenfutter im Regal für Aufsehen.

„Das Geschlecht sagt uns nichts über die Persönlichkeit, das Temperament, die Lieblingsfarbe, die Ernährungsgewohnheiten, den Sinn für Humor, die Haltung zum Klimawandel oder irgendwelche anderen unverwechselbaren Eigenschaften.“ So erklären Kyl und Brent Myers die Entscheidung zur genderneutralen Erziehung in ihrem Blog „Raising Zoomer“, in dem sie Erziehungsthemen behandeln, aber auch Tipps für einen „gender-kreativen“ Kleiderschrank geben.

Gender-freie Erziehung: Kind darf selber über Geschlecht entscheiden

Zoomer sei frei – und ihm oder ihr nicht verboten, geschlechtsspezifische Vorlieben zu entwickeln oder auszuleben. So ist das Kleinkind auf dem Instagram-Account, der inzwischen über 18.000 Abonnenten hat, mal mit pinkem Shirt, mal im Military-Style, mal mit Puppe, mal mit Autos im Arm zu sehen.

Geschlecht? Unbekannt! Name: Zoom. Die US-amerikanische Familie Mayers erzieht ihr Kind Gender-neutral.

Ziel sei einfach, dass „they“ (ein neutrales „es“ statt er oder sie) die Freiheit habe „die eigene Identität zu erforschen und zu entdecken – und zwar außerhalb der Grenzen und Erwartungen traditioneller Geschlechternormen“, so Kyl Myers, die selber Gender-Studies an der University of Utah studiert hat und Autorin des Buches „Raising Them: Our Adventure in Gender Creative Parenting“ ist.

Genderneutrale Erziehung: Armes Kind oder glückliches Kind?

Auch wenn vor allem in Amerika Eltern wie Kyl und Brent auf große Sympathien und Zustimmung stoßen, gibt es auch zahlreiche Kritiker. Von „Das arme Kind wird am Ende psychische Probleme haben, nur weil seinen Eltern Prinzipien wichtiger waren“ bis zu „Ich denke, sie nutzen sie/ihn als soziales Experiment“ lauten die Instagram-Kommentare. Die Myers wissen, dass ihr Erziehungsstil nicht für jeden ein Vorbild ist, geben aber zu bedenken: „Alle Eltern tun das, was sie für die Kinder für das Beste halten.“

Gender-Debatte: Die Welt ist vorbereitet auf Kinder wie Zoomer

Wie bei allen Kindern werden sich auch bei Zoomer die Resultate der Erziehung erst sehr viel später zeigen. Und auch, ob der Myers-Spross sich als Mann, Frau oder etwas anderes definieren möchte. Die Welt wäre jedenfalls vorbereitet – und viele zeigen sich inzwischen auch bereit: Die SPD setzt sich bereits für eine „Nicht-binäre Toilettenausstattung“ für queere Menschen in der Öffentlichkeit ein. Und auch in der virtuellen Symbolsprache stehen Änderungen an: Die englischsprachige Plattform „Emojipedia“ hat sich für einen schwangeren Mann bzw. eine schwangere Person als Emoji ausgesprochen. Und selbst die altehrwürdige Lufthansa macht Schluss mit „Willkommen an Bord, meine Damen und Herren“.

Gender-Pay-Gap: Beim Geld hört die Liberalität leider noch immer auf

Müsste nur noch die Gender-Pay-Gap geschlossen werden: Zwischen den Durchschnittseinkommen von Frauen und Männern klafft immer noch ein Unterschied von rund 600 Euro, so Statistiken darüber, was die Deutschen im Durchschnitt verdienen *... 24hamburg.de und kreiszeitung.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Instagram/carinaChen/pixabay (Montage: 24hamburg.de)

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