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Corona-Inzidenz steigt wieder: ein Landkreis in Niedersachsen bei 2673

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Von: Johannes Nuß

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Im zweiten Jahr der Coronapandemie steigen in Niedersachsen die Covid-Infektionen wieder. Zwei Jahre, in denen sich in der Gesellschaft viel getan hat – trotz Lockdowns.

Hannover – Für ein paar kurze Tage verdrängte der Ukraine-Konflikt das Coronavirus aus den Hauptschlagzeilen der Medien. Es schien fast so, als ob die Pandemie eine Pause eingelegt hat. Aber auch nur, um jetzt wieder mit voller Härte zuzuschlagen. Am Donnerstag, 10. März 2022, meldete das Robert-Koch-Institut in Berlin eine 7-Tage-Inzidenz für Niedersachsen von 1263,9 – so hoch war der Wert sein Beginn der Pandemie noch nie. Damit wird angegeben, wie viele Personen von 100.000 sich in den vergangenen sieben Tagen mit Covid-19 infiziert haben.

Corona in Niedersachsen: Im Landkreis Diepholz liegt die 7-Tage-Inzidenz aktuell bei 1052,4

Die höchste 7-Tage-Inzidenz wurde am Donnerstagmorgen aus dem niedersächsischen Landkreis Grafschaft Bentheim gemeldet. Hier liegt der Wert aktuell bei 2673,1, was bedeutet, dass dort momentan 3686 offene Coronainfektionen gemeldet wurden. Die niedrigste 7-Tage-Inzidenz wurde am Donnerstag aus dem Landkreis Wesermarsch gemeldet. Hier infizieren sich derzeit 703,8 Personen von 100.000 innerhalb von 7 Tagen mit dem Virus. Derzeit sind 623 aktuelle Coronainfektionen bekannt. Im Landkreis Diepholz liegt die 7-Tage-Inzidenz aktuell bei 1052,4, was 2295 bekannten Infektionen entspricht.

Somit infizierten sich in Niedersachsen in den vergangenen 24 Stunden 24.118 Personen mit dem Coronavirus. Seit Beginn der Pandemie im März 2020 haben sich bereits rund 1,2 Millionen Menschen im Nordwesten mit Sars-CoV-2 infiziert. Im Zusammenhang mit einer Infektion verstorben sind am Donnerstag laut RKI-Angaben 17 Menschen. Insgesamt gibt es in Niedersachsen 7656 Todesfälle zu beklagen, die im Zusammenhang mit der Pandemie stehen.

Eine Mitarbeiterin einer Teststation in der Innenstadt von Oldenburg nimmt einen Abstrich von einem jungen Mann.
Die Infektionszahlen mit dem Coronavirus schießen aktuell in Niedersachsen wieder in die Höhe. (Archivbild) © Hauke-Christian Dittrich/dpa

Auch die Situation in den Kliniken im Land verschärft sich langsam wieder. Aktuell werden in Niedersachsen 11,2 Personen innerhalb von sieben Tagen im Krankenhaus aufgenommen – hochgerechnet auf 100.000 Einwohner. Die Intensivbettenbelegung im Land beträgt laut Angaben der Landesregierung aktuell 5,4.

Zwei Jahre Corona-Pandemie: Bilder, die zeigen, wie sehr das Leben auf den Kopf gestellt wird

Die Pandemie hat die Welt, Deutschland und Niederachsen also weiterhin fest im Griff. Droht eventuell ein neuer Lockdown? Davon wollen die Offiziellen derzeit nicht wirklich etwas wissen. Zu hart waren die Einschneidungen in den vergangenen zwei Jahren – für Wirtschaft und Bevölkerung. Das weiß auch die Politik in Hannover um Ministerpräsident Stephan Weil (SPD). Ganz im Gegenteil: am 20. März lockt der Freedom Day mit dem Fallen fast sämtlicher Coronabeschränkungen. Im Nordwesten stößt dieses Vorhaben aktuell auf heftige Kritik.

Und, es gab in der Corona-Pandemie besonders symbolträchtige Bilder, die zeigten, wie sehr das Leben auf den Kopf gestellt wurde: so gut wie leere Autobahnen beispielsweise. Die tägliche Blechlawine? Geschichte. Der vertraute und verhasste Stau? Aus und vorbei.

Denn die Menschen saßen beim ersten Corona-Lockdown vor zwei Jahren mehr oder weniger in den eigenen vier Wänden fest. Das Homeoffice war geboren, der Spaziergang blieb als letztes Hobby, verreist wurde innerhalb Deutschlands, statt ins Ausland zu fliegen – und Einkaufen wurde ein gesellschaftliches Ereignis. Aber was bleibt von den neuen, aus der Not geborenen Trends?

Corona in Niedersachsen: Mehr als 1,5 Millionen Jogginghosen im Coronajahr 2020 verkauft

Groß in Mode im Coronaalltag und das wohl angesagteste Kleidungsstück der Pandemie: die Jogginghose. Videokonferenzen und Homeoffice machten den Siegeszug der beuteligen Hose möglich, denn auf dem Bildschirm ist der Mensch allenfalls zur Hälfte zu sehen, was zu Nachlässigkeit untenrum einlädt.

Allein in Niedersachsen stieg die Importmenge von Jogginganzügen im Corona-Jahr 2020 um 21,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr auf über 1,5 Millionen – ein Fünf-Jahres-Hoch. „Das Homeoffice lässt grüßen“, orakelte das Landesamt für Statistik. Nach Einschätzung von Carl Tillessen vom Deutschen Mode-Institut bleibt die Jogginghose angesagt: „Wir haben ein Jahr lang die pflegeleichteste und bequemste Kleidung, die es auf dem Markt gibt, getragen, und das werden wir auch nicht wieder aufgeben.“

Im Lockdown blieben viele zu Hause. Gegen den Lagerkoller in der Coronapandemie half der gute alte Spaziergang. Zumal es eine Weile kaum noch möglich war, Freunde oder Familie anderswo zu treffen als draußen. Der Spaziergang sei zu einem „Medium des sozialen Miteinanders“ geworden, sagte Prof. Jens Kleinert von der Abteilung Gesundheit und Sozialpsychologie der Deutschen Sporthochschule Köln. „Der Park ist der neue Biergarten.“ Wandern boomt aber in weitaus größerem Stil: In der Pandemie verzichteten viele Menschen darauf, ins Ausland zu fliegen - Urlaub in Deutschland war angesagt, und mit ihm das Wandern und neue Wanderrouten.

Corona in Niedersachsen: weniger duschen, um die eigene Haut zu schützen und Wasser zu sparen

Beim ersten Hören klingt es wenig vertrauenserweckend – „Non Bathing“ oder „Nicht-Baden“ heißt der Trend: weniger duschen, um die eigene Haut zu schützen und Wasser zu sparen. Hollywoodstars bekennen sich dazu, aber auch die Pandemie spielte eine Rolle: In den vergangenen zwei Jahren mit ihren Lockdowns haben viele Menschen weniger geduscht. Der Grund: Es gab einfach keinen Anlass zum Stylen, im Homeoffice ging man lockerer damit um.

Denn: Man musste nicht mehr jeden Morgen ausgeschlafen, frisch rasiert und gestylt im Büro sein. Dafür wächst allerdings das Interesse an Gesichtskorrekturen - ästhetisch-plastische Chirurgen mutmaßen, dass dies an Maskenpflicht und Videokonferenzen liegt. Botox-Spritzen gegen Falten nehmen zu, auch die Nachfrage nach einer Oberlidstraffung am Auge steigt.

Was heißt es, wenn Ausgangsbeschränkungen, Reiseverbote und geschlossene Restaurants der Alltag bestimmen? Dann blieb mitunter nur der Supermarkt – und Einkaufen wurde gefühlt das neue Ausgehen. Und was man dort anzieht, muss man sich schon fragen, wie einst im Restaurant oder Theater. Denn allein das Einkaufengehen war im Lockdown für viele schon ein Ereignis.

Corona in Niedersachsen: Verzicht auf Rasieren und das Tragen von „Corona-Bärten“

Erst recht dann, wenn Security-Männer vor der Drogerie standen und aufpassten wie ein Luchs – und einem schließlich doch das ersehnte Zeichen gaben, nun rein zu dürfen. Einmal im Laden stellte man dann schnell fest, dass Klopapier und Desinfektionsmittel lebensentscheidend sein müssen. Denn die Regale waren zwischenzeitlich weitgehend leer.

Corona-Krise, das bedeutete neben dem Zuhausesitzen im Lockdown auch: Experimente, und bei manchen Männern betrafen diese den eigenen Bart. Sie verzichteten auf das Rasieren und trugen Quarantäne-Bart. So zeigte sich Hollywoodstar Jim Carrey unrasiert – und führte bei Instagram ein Bart-Tagebuch.

Auszug: „Tag 5 meines wilden und ungezähmten Gesichts. Bitte halten Sie Ihre Hände nicht an den Käfig.“ Stilexperten mahnten, ein Bart sollte gepflegt sein – und bedürfe regelmäßiger Pflege. Aber Obacht: Wenn Bartträger Masken aufsetzen, müssen sie aufpassen, dass sie eng genug anliegen. Das Robert-Koch-Institut schrieb dazu: „Bartwuchs beeinflusst die Abdichtung der Maske.“

Corona in Niedersachsen: Brotbacken wird während der Pandemie zum Hobby der Nation

Im ersten Lockdown wurde nicht nur Klopapier in den Supermärkten knapp – auch Mehl, Backpulver und Hefe. Aber offensichtlich nicht umsonst, viele Menschen entdeckten das Backen für sich, Teig wurde geknetet, sogar Sauerteig angesetzt.

Von einem „heftigen Interesse“ am Brotbacken berichtete der Buchautor und Blogger Lutz Geißler. „Mit dem Infektionsanstieg und dem ersten Lockdown gingen auch die Nutzerzahlen meines Blogs hoch. Die Zahlen haben sich etwa verdreifacht – auf etwa 350.000 Besucher im Monat“, sagte er. Der studierte Geologe aus Sachsen zeigte etwa, wie man mit nur einem halben Gramm Hefe Brote backen kann – vor allem in der ersten Pandemiewelle, als Hefe ein knappes Gut war, konnte das schon hilfreich sein.

Im Corona-Jahr wurde es zum Massenphänomen: Stand-up-Paddler kreuzten über Kanäle, Seen und Flüsse – stehend auf ihren Surfboards und mithilfe eines langen Paddels. In den 1960er-Jahren sollen vor allem Surf-Lehrer auf Hawaii ihre Longboards im Stehen genutzt haben, um ihre Surfschüler besser zu überblicken. Bekannte Surfer entdeckten dann in den vergangenen 20 Jahren ihre Boards für Work-outs und machten das Stand-up-Paddeln populärer.

Corona in Niedersachsen: Stricken erobert die sozialen Netzwerke

Stricken ist schon seit Jahren wieder im Kommen – wer hätte das gedacht? Das Stricken eroberte die sozialen Netzwerke, hippe Anbieter wie „We Are Knitters“ oder „Wool And The Gang“ verschickten fertige Pakete mit Wolle, Nadeln und Anleitung. Altmodisch war gestern, verstaubt erst recht, wie die Textildesignerin Anne-Susanne Gueler aus Hannover meinte. Aber auch hier wirkte sich die Pandemie aus: Für die Anbieter war 2020 ein Ausnahmejahr, die Umsätze gingen extrem nach oben. Denn: Die Menschen waren mehr daheim, investierten in ihr Zuhause und gingen Hobbys nach, für die sie lange wenig Zeit hatten.

Und was bleibt jetzt von den Trends? Trendforscher Peter Wippermann geht davon aus, dass sich vor allem die Einstellung zum eigenen Haus oder der Wohnung verändert – Arbeit zu Hause, Fitness zu Hause. Das Zuhause sei eine „Bastion, die Sicherheit bietet“, sagte er. „Das ist unglaublich wichtig geworden.“ Erst recht in einer Welt, die immer unberechenbarer wird. Jedoch seien die meisten Wohnungen zu klein, um darin zu wohnen, zu arbeiten und Kinder großzuziehen.

Einen „ersten Kick“ habe die Nachhaltigkeit bekommen, dank Do-it-yourself-Trends und Second-Hand-Mode, die von Versandhändlern verkauft werde. Fürs Reisen würden neue Wanderwege und E-Bike-Routen immer wichtiger, auch Camping entwickele sich „ganz stark“: selbstbestimmt im geschützten Raum. Und: Jede Art der Beschäftigung mit dem eigenen Körper sei „wichtiger geworden und bleibt wichtig“ – Stichwort Fitness. (Mit Material der dpa) * kreiszeitung.de, tz.de, 24vita.de und fr.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA.

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